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Linktipps für Bücherfreunde

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Immer mal wagt sich die eigentlich medienscheue Literatur aus dem Halbdunkel der je nach Geschmack Kaffee- oder Wein-geschwängerten Schmökerecke heraus und rückt in Fernsehen, Funk oder Internet ganz oben an die erste Stelle. Wenn zum Beispiel Bücherpapst Marcel Reich-Ranicki im "Literarischen Quartett" amüsant und wild gestikulierend über die jüngsten Neuerscheinungen schwadroniert oder aber Frankfurt zum Bücherherbst ruft. Zur Zeit steckt in Leipzig bereits der Schlüssel in den Schlössern der Pforten, die morgen geöffnet werden, um Bücherfreunde aus aller Welt an die heiß geliebten Schmöker zu lassen.

Auch das Internet hat in Sachen Literatur einiges zu bieten. Nicht nur eröffnete das Web Kollektivprojekten, in denen mehrere Autoren eine Geschichte fortschreiben, ganz neue Möglichkeiten. Auch Internet-Buchhandlungen schossen aus dem digitalen Äther und boten zum Beispiel fremdsprachige Literatur zu Billigpreisen an. Prompt senkten auch die Buchhandlungen der Realwelt die Preise, jedoch nur für die internationalen Pappkameraden, die gerade online für einen Appel und ein Ei zu haben waren. In der Gründerzeit der Online-Buchhandlungen konnte man preiswert besonders englischsprachige Schmöker einkaufen. Die deutsche Bücherszene steht jedoch nach wie vor eisern-fest zur Buchpreisbindung und malt den kulturellen Holocaust an die Bücherwand. Da ist auch online für Käufer kaum etwas zu holen.

Einer der Web-Buchhändler hat jetzt eine recht umfangreiche Linksammlung für Bibliophile ins Netz gestellt. Natürlich nicht ohne Hintergedanken: Vielleicht findet der ein oder andere Surfer ja an einem der gedruckten Werke Gefallen und bestellt es gleich online und ohne viel Zeit zu verlieren auf der Website, auf der er sich gerade befindet – libri.de. Ist ja praktisch, warum nicht. Aber auch ohne Bestellvorgang kann man der Linksammlung einiges abgewinnen. "Als Literaturportal sollen unsere Seiten der Ausgangspunkt für literarische Entdeckungsreisen im Internet sein", beschreibt Libri-Geschäftsführer Lars Kilander das Projekt. Der Linkkatalog werde ständig thematisch erweitert und aktualisiert, verspricht Kilander weiter.

Der Nutzwert der Sammlung ist recht hoch: Da geht es zum Beispiel um deutsche und ausländische Autoren, Bibliotheken, Jobs und Weiterbildung, literarische Preise oder Netzliteratur. Jeder der nach Angaben von Libri rund 7000 Literaturlinks wird in wenigen Sätzen charakterisiert, sodass sich der Surfer halbwegs eine Vorstellung vom Klickwert des Verweises machen kann und keine Online-Zeit verschwendet. Natürlich ist die Sammlung nicht vollständig: Besonders zwischen deutschen und fremdsprachigen Autoren klafft ein krasses Missverhältnis. Deutsche Bücherschreiber überwiegen bei weitem, obwohl es doch eigentlich umgekehrt sein müsste. Trotzdem lohnt sich der Ausflug in den Cyberspace für den eigentlich an knisternde Seiten gewöhnten Bücherfreund. (ku)