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Linux 2.6.23 bekommt neuen Scheduler und ersten Mac80211-Treiber

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Kaum 24 Stunden, nachdem Linus Torvalds die Kernel-Version 2.6.22 veröffentlichte, nahm er die ersten Patches in den Entwicklerzweig auf, aus dem in zirka acht bis zehn Wochen Linux 2.6.23 hervorgeht. Unter den knapp zweihundert Patches ist auch der im Vorfeld vieldiskutierte Completely Fair Scheduler (CFS) – er kümmert sich in Zukunft um die Verteilung der zur Verfügung stehenden Prozessorzeit an die Anwendungen. Er ersetzt den während der Kernel-2.5.-Entwicklung integrierten O(1)-Scheduler, der genau wie CFS von Red-Hat-Mitarbeiter Ingo Molnar entwickelt wurde.

CFS verfolgt im Unterschied zu seinem Vorgänger einen strikt "fairen" Ansatz; zwei mit der gleichen Priorität um den Prozessor konkurrierende Prozesse sollten daher jeweils 50 Prozent der zur Verfügung stehenden CPU-Zeit bekommen. Mit diesem Ansatz sollen manche Systeme laut Angaben von Testern bei der Benutzung einiges flotter als mit dem alten Scheduler zu Werke gehen. Mit dem bisherigen Scheduler konnte es durchaus passieren, dass ein im Hintergrund arbeitender Prozess viel Prozessorzeit bekam und so den X-Server oder die Desktop-Oberfläche kaum mehr zum Zuge kommen ließ.

Die Idee zum strikt fairen Ansatz stammt vom Staircase-CPU-Scheduler – dessen Entwickler Con Kolivas wird auch in den Credits von CFS gewürdigt. Als sich abzeichnete, dass nicht Kolivas Scheduler, sondern CFS das Rennen machen würde, zeigte er sich allerdings enttäuscht. Da es auch einige andere seiner Ideen für Linux nicht in den offiziellen Kernel geschafft haben, will er sich von der Mitarbeit am Linux-Kernel zurückziehen und die Arbeit an seiner CK-Kernel-Serie mit der gestern veröffentlichten Version 2.6.22-ck1 einstellen.

Neben dem neuen Scheduler hat Torvalds mit dem Treiber rtl8187 für Realtek-USB-WLAN-Chips einen ersten WLAN-Treiber aufgenommen, der auf dem neuen, mit 2.6.22 aufgenommenen WLAN-Stack Mac80211 aufsetzt. Ferner gab es noch einige Änderungen an dem alten und neuen Code für FireWire-Geräte sowie einige Überarbeitungen an Netzwerktreibern. In den kommenden zwei Wochen dürften die Entwickler aber sicher noch zwei- oder dreitausend weitere Patches in den Entwicklerzweig integrieren, bevor die meist rund achtwöchige Stabilisierungsphase vor der Freigabe der nächsten größeren Kernel-Überarbeitung beginnt und schließlich der Linux-Kernel 2.6.23 freigegeben wird. (thl)

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