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Linux 4.19: Support für schnelleres WLAN und AVM-Fritz-Sticks

Linux 4.19 soll den nächsten WLAN-Standard IEEE 802.11ax unterstützen. Die Aufsehen erregende VPN-Lösung Wireguard folgt wohl frühestens bei Linux 5.0.

Linux 4.19

Nach der Sonntagnacht erfolgten Freigabe von Linux 4.18 hat Linus Torvalds begonnen, die ersten Änderungen für Linux 4.19 in den in den Hauptentwicklungszweig von Linux einzupflegen. In diese Version soll unter anderem Support für den nächsten WLAN-Standard IEEE 802.11ax einziehen, der WLAN-Übertragungen um Faktor vier zu beschleunigen verspricht. Die entsprechenden Kernel-Erweiterungen haben Intel-Entwicklern geschrieben. Die erweitern auch gleich ihren WLAN-Treiber um Unterstützung für einen neue, wohl Intel Wireless-AX 22560 genannte Serie von WLAN-Chips, die den Nachfolger des derzeit gängigen Funkstandards nutzt.

Einige unabhängig von Mediatek arbeitende Entwickler dürften einen Treiber beisteuern, der Mediateks WLAN-Chips der Reihen MT76x0U und MT76x2u unterstützt. Durch ihn wird Linux in Zukunft von Haus aus einige Varianten der USB-WLAN-Sticks AVM FRITZ! AC 430 und 860 verwenden können.

Bei Linux 4.19 sollen endlich Maßnahmen in den 32-Bit-x86-Code (aka "x86-32") des Kernels einfließen, damit auch er vor der zu Jahresanfang publik gewordenen Prozessorsicherheitslücke "Meltdown" schützt. Ferner sollen Treiber für den Qualcomm Snapdragon 845 zum Kernel stoßen, der in einigen mit Windows ausgelieferten ARM-Notebook steckt, die es mit x86-Geräten aufnehmen können. Darunter auch ein Grafiktreiber für die in diesem SOC verbauten Adreno 630, der auch andere GPUs der A6XX-Familie unterstützt.

Linus Torvalds beendet die Aufnahme aller größeren Neuerungen typischerweise nach zwei Wochen, indem er die erste Vorabversion einer neuen Kernel-Version veröffentlicht. Das läutet zugleich die Stabilisierungsphase ein, die derzeit fast immer sieben Wochen dauert; gelegentlich sind es auch mal acht, in seltenen Fällen nur sechs. Linux 4.19 erscheint daher wahrscheinlich am 15. oder 22. Oktober. Sofern Torvalds seine Andeutungen wahr macht und den Rhythmus beibehält, folgt zum Jahreswechsel dann Linux 5.0.

Wohl erst bei einem Nachfolger von 4.19 dürften die jüngst vorgestellten Patches zum Support der VPN-Lösung Wireguard einziehen. Einige Distributionen liefern den jungen Ansatz bereits mit, der bei einigen größeren Firmen bereits im Einsatz sein soll und in Kernel-Kreisen einiges Aufsehen erregt hat.

Der für WireGuard zuständige Netzwerkcode ist dabei vergleichsweise klein, was die Begutachtung durch die Entwickler des Netzwerksubsystems erleichtert. An anderer Stelle wird es dafür schwieriger, denn der Code greift auf eine neue, noch nicht im offiziellen Kernel enthaltene Programmierschnittstelle für das Crypto-Subsystem zurück. Die haben die WireGuard-Entwickler eigens für ihre VPN-Lösung geschaffen, weil ihnen das bisherige Crypto-API missfiel. Das Review macht aber mehr Arbeit, denn der Code ist deutlich umfangreicher als die Netzwerkcode-Erweiterungen von WireGuard.

Außerdem schauen die Entwickler bei Crypto-Code auch genauer hin. Ferner sind die Crypto-Subsystem-Entwickler auch nicht gerade erpicht darauf, eine weitere Programmierschnittstelle betreuen zu müssen. Einige mit der Materie vertraute Kernel-Entwickler sind der Aufnahme aber trotzdem nicht abgeneigt, weil sich das bisherige API für manche Verwendungszwecke schlecht eignen soll; das neue deckt dafür einige Fälle nicht ab, für die sich das bisherige API gut eignet. Die Entwickler sind bereits dabei, sich und den Code abzustimmen, um letztlich alle involvierten Parteien zufrieden zu stellen. Das dürfte auch eine Aussage von Torvalds zu verdanken sein, der sich für Wireguard stark gemacht hat – das ist mehr als ungewöhnlich: Normalerweise mischt er sich nicht mit solch positiven Aussagen in die Arbeit der Subsystem-Entwickler ein, um sie nicht unter Druck zu setzen. (thl)

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