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Linux 5.0 vertagt, Neuerungen von 4.20 absehbar

Linux 5.0 soll doch erst nächstes Jahr erscheinen. Linux 4.20 bringt Unterstützung für zwei Prozessor-Reihen chinesischer Unternehmen.

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Linux 5.0 vertagt, Neuerungen von 4.20 absehbar

Linus Torvalds leitet die Linux-Entwicklung wieder mit gewohntem Schwung und hat zwei Wochen nach seiner Rückkehr die Hauptentwicklungsphase von Linux 4.20 abgeschlossen. Das wird eine neue Infrastruktur mitbringen, durch die man schneller erkennen kann, warum ein System plötzlich lahmt. Anders als erwartet, wird die nächste Version indes nicht Linux 5.0 heißen, denn Torvalds wollte das beim Sprung von 3.19 auf 4.0 verwendete Schema nicht wiederholen und damit ein Muster festlegen. Er will den Versionssprung auf 5.0 aber im nächsten Jahr angehen.

Linux 4.20 hätte beinahe die Versionsnummer 5.0 bekommen.

(Bild: Freigabemail zu Linux 4.20-rc1 auf lore.kernel.org )

Diese und viele weitere Neuerungen der nächsten Kernel-Version sind jetzt absehbar, denn Linus Torvalds hat in der Nacht auf Montag die erste Vorabversion des neuen Kernels freigegeben; wie gewohnt endet damit das "Merge Window", in der er die wesentlichen Neuheiten für eine neue Version integriert. Linux 4.20 dürfte zu Heiligabend oder Silvester erscheinen, sofern der Linux-Schöpfer und seine Mitstreiter in gewohnter Manier vorgehen.

Alles läuft weitgehend normal, nachdem Torvalds seine Auszeit, wie von Anfang an geplant, mit der Freigabe von Linux 4.19 beendete und damit vor zwei Wochen ans Ruder der Linux-Entwicklung zurückkehrte. Er nahm sich aber ein Beispiel an Greg Kroah-Hartman, der ihn während seiner Auszeit vertreten hatte: Torvalds liefert jetzt Subsystem-Maintainer kurze Rückmeldungen auf die Mails, mit denen Betreuer der verschiedenen Kernel-Bereiche ihn bitten, die von ihnen gesammelten und begutachteten Änderungen in den Hauptentwicklungszweig aufzunehmen.

In gewohnter Weise lehnte Torvalds auch einige Änderungen ab oder meldete sich in Diskussionen zu Wort, wenn ihm irgendetwas missfiel. Dabei hielt er keineswegs mit Hinweisen auf technische Mängel hinterm Berg, wie einige Kritiker des bei Linux 4.19 eingeführten Verhaltenskodex befürchtet hatten; Torvalds Tonfall war nun aber noch ein wenig freundlicher, als er in den letzten Jahren ohnehin schon geworden war.

Torvalds hat seit seiner Rückkehr mehr als zwölftausend Änderungen integriert, durch die der Quellcode um rund 350.000 Zeilen angewachsen ist – beides Werte im üblichen Bereich. Zwischen diesen Umbauten stecken eine "Pressure-stall Information" (PSI) genannten Erweiterung. Durch sie sollen Admins die verfügbaren Systemressourcen besser ausschöpfen können; zugleich sollen sie aber auch die Ursache leichter eingrenzen können, falls ein System plötzlich langsamer als gewohnt arbeitet. Dazu finden sich im neuen Verzeichnis /proc/pressure/ drei an /proc/loadavg erinnernde Dateien, die Informationen zur momentanen Auslastung von Prozessor, Arbeitsspeicher und I/O-Subsystem liefern. Details zum von Facebook-Entwicklern beigesteuerten Feature liefern ein LWN.net-Artikel oder ein Abschnitt eines jüngst gehaltenen Vortrags.

Linux 4.20 wird zudem PCIe-Geräten erlauben, Daten direkt auszutauschen, was die Kommunikation beschleunigt sowie CPU und Arbeitsspeicher entlastet. Apropos Prozessoren: Linux 4.20 wird die chinesische CPU-Reihe Dhyana von Hygon unterstützen, die AMDs Zen-Technik verwenden und daher enge Verwandte des AMD Epyc sind. Neu dabei ist Support für die 32-Bit-Prozessor-Architektur C-Sky. Arnd Bergman, der zu den wichtigsten Entwickler des Linux-Kernels zählt und viel zum ARM/ARM64-Support beigetragen hat, merkte dazu an: Die Unterstützung für C-Sky sei vermutlich eine der letzten neuen Architekturen, für die Support zum Linux-Kernel stoße, weil das quelloffene RISC-V offenbar weniger wichtige Architekturen verdränge.

Ein bekannter Linux-Entwickler erwartet, dass RISC-V die kleineren Architekturen verdrängt.

(Bild: Arnd Bergmann auf der LKML )

Der umstrittene und von der NSA entwickelte Verschlüsselungsalgorithmus Speck wurde wie erwartet entfernt. Neue und erweiterte Treiber verbessern den Hardware-Support, daher wird Linux etwa 2.5-Gigabit-Netzwerkchips von Intel, die Creative Sound Blaster ZxR oder die GPU einer neuen AMD-Ryzen-Generation unterstützten. Die vor einigen Monaten von Linus Torvalds erwähnte VPN-Lösung Wireguard hat es nicht in Linux 4.20 geschafft: Sie bringt viel neuen Crypto-Code mit, den die zuständigen Entwickler noch begutachten müssen. (thl)

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