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Linux-Desktop Gnome 3.32: Umbau der Oberfläche

Das Anwendungsmenü in der oberen Bedienleiste verschwindet. Mit Wayland ist eine Skalierung mit krummen Faktoren möglich, was für HiDPI-Monitore wichtig ist.

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Linux-Desktop Gnome 3.32: Umbau der Oberfläche

Gnome 3.32 bringt moderne Icons und ein überarbeites Theme.

Eines der zentralen Bedienelemente von Gnome 3 verschwindet mit Version 3.32: Das Anwendungsmenü in der oberen Bedienleiste. Hinzu kommen zentrale Einstellungen für Anwendungen und eine bessere Skalierung unter Wayland, von der HiDPI-Monitore profitieren. Außerdem haben die Entwickler das Aussehen in einigen Details aufpoliert.

Die meisten Anwendungen nutzten das vage an macOS erinnernde Anwendungsmenü am oberen Bildschirmrand kaum. Im Alltag war oft unklar, welche Funktion sich dort findet und welche im regulären "Hamburger"-Menü rechts im Fenstertitel. Die Gnome-Entwickler verlagern jetzt alle Einträge einheitlich ins Fenster-Menü, wie sie es zur Veröffentlichung von Gnome 3.30 bereits ankündigt haben.

Die krummen Skalierungsfaktoren sind weiter experimentell.

Gnome kann im Wayland-Modus jetzt die Bedienoberfläche auch mit krummen Faktoren wie 1,25 oder 1,5 skalieren. Diese Funktion wird von Nutzern hochauflösender HiDPI-Monitore seit langem vermisst, da sie damit die Bildinhalte besser an die feine Auflösung anpassen können. Nutzt man die Skalierung, zeigt Gnome die Schriften nun auch scharf an, wobei X-Anwendungen weiter verschwommen sind. Die Funktion stufen die Entwickler weiterhin als experimentell ein. Wer diese dennoch aktivieren möchte, muss in der Kommandozeile folgendes eingeben und sich neu anmelden:

gsettings set org.gnome.mutter experimental-features "['scale-monitor-framebuffer']"

Allgemeine Rechte und Informationen zu Anwendungen sind zentral unter den Gnome-Einstellungen gesammelt.

In den Einstellungen gibt es eine Unterkategorie für Anwendungen, in der Benutzer die Rechte von installierten Programme anpassen können. Dort werden sowohl Anwendungen aus den Paketquellen der Distributions als auch über Flatpak installierte Apps aufgelistet. Der Aufbau erinnert an die Einstellungsmenüs in iOS und Android. Die Gnome-Entwickler haben auch die Audio-Einstellungen überarbeitet. Statt mehrerer Tabs sind die verschiedenen Einträge zu Eingang und Ausgang übersichtlich untereinander aufgelistet.

Die Audio-Einstellungen sind deutlich übersichtlicher.

Weitere Änderungen an den Einstellungen haben die Gnome-Entwickler auf die kommende Version 3.34 verschoben, schreibt Co-Maintainer Georges Stavracas in seinem Blog. So ist die automatische Layout-Anpassung an die Fenstergröße noch nicht ganz ausgereift. Die aus der Web-Entwicklung als Responsive-Design bekannte Funktion baut auf der Bibliothek Handy (libhandy) auf, die Purism für Gtk-Anwendungen auf Mobilgeräten entwickelt. Für die krummen Skalierungsfaktoren sind zudem neue Bildschirm-Einstellungen in Arbeit.

Durch grundlegende Verbesserungen der Datenstrukturen soll Gnome spürbar schneller sein, schreiben die Entwickler in den Veröffentlichungshinweise. Die Suche nach Anwendungen sei deutlich schneller und die Animationen der Gnome-Shell liefen flüssiger.

Die Virtualisierungs-Software Gnome Boxes versucht 3D-Beschleunigung für den Gast zu aktivieren, wenn sowohl Wirts- als auch Gastsystem dies unterstützen. Dadurch soll die Leistung von Spielen und Videoschnittprogrammen im Gastsystem deutlich steigen.

Das Standard-Theme wurde leicht angepasst. Die Schaltflächen erscheinen flacher und weniger gewölbt. Während die Fensterleiste einen dunkleren Farbton hat, sind die Schaltflächen heller. Die Farben der Standard-Palette sind kräftiger, wobei das Rot im dunklen Theme weniger grell ist. Die Änderungen hatte Red Hat-Mitarbeiter Matthias Clasen im GTK-Blog Anfang des Jahres vorgestellt. Auch die Anwendungs-Icons wurden modernisiert und sollen den neuen Look abrunden. Außerdem unterstützt die Bildschirmtastatur nun auch Emojis.

Details zu diesen und weiteren Neuerungen hat das Gnome-Team in den Veröffentlichungshinweisen aufgeführt. Gnome 3.32 wird Teil der für April erwarteten Linux-Distributionen Ubuntu Desktop 19.04 und Fedora 30 sein. Nutzer von Arch Linux können es bereits in Kürze einsetzen. (ktn)