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Linux: Kdbus soll universeller werden, Videos von Systemd-Konferenz

Der IPC-Dienst Kdbus wird umgebaut, damit er einige von D-Bus übernommene Schwächen ablegt. Das wurde auf der ersten Systemd-Konferenz bekannt; Mitschnitte der dort gehaltenen Vorträge gibt es bei YouTube.

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Linux: Kdbus soll universeller werden, Videos von Systemd-Konferenz

Lennart Poettering bei der Eröffnung der ersten Systemd-Konferenz.

Die Programmierer des für Linux entwickelten Kdbus wollen ihren Interprozess-Kommunikationsdienst universeller machen. Dadurch soll der im Systemd-Umfeld vorangetriebene IPC-Dienst die Arbeitsweise von D-Bus weniger nachbilden, den das im Kernel arbeitende Kdbus zu ersetzen versucht. Der D-Bus-Ansatz soll nämlich einige problematische Eigenschaften mit sich gebracht haben, die bislang zu einer ineffizienten Kommunikation führen kann.

Das wurde im Rahmen der ersten Konferenz zum System- und Service-Manager Systemd bekannt, die am heutigen Samstag in Berlin zu Ende geht. Mitschnitte aller Konferenz-Vorträge sind in einem YouTube-Channel abrufbar.

Das Redesign von Kdbus ist der Grund, warum kürzlich die Integration von Kdbus in den Linux-Kernel vertagt wurde. Systemd-Erfinder Lennart Poettering sagte in seinem Eröffnungsvortrag, Kdbus sei nicht gerade eine Erfolgsstory. Mit dem Erfolg von Systemd selbst zeigte er sich überaus zufrieden: Das Init-System Systemd werde jetzt in allen größeren Linux-Distributionen eingesetzt, wenn man von Gentoo absehe.

In seinem Eröffnungsvortrag, der zu den Highlights des Vortragsabschnitts der Konferenz gehörte, lieferte Poettering einen Überblick über die jüngst vorgenommenen oder in Arbeit befindlichen Verbesserungen. Er zeigte sich dabei erfreut, dass auf den Einsatz in Clouds ausgerichteten Distributions-Varianten von Fedora und Ubuntu dieser Tage Systemd-Networkd verwenden, um das Netzwerk einzurichten. Er stellte dabei klar, die Entwickler würden derzeit nicht an WLAN-Unterstützung arbeiten; auf absehbare Zeit bleibe der Netzwerkkonfigurations-Dienst von Systemd daher etwas, was nicht auf Endanwender ziele.

Video der Konferenz-Eröffnung; der Vortrag zu aktuellen Entwicklungen bei Systemd startet bei Zeitcode 10:10.

Poettering hob auch hervor, das unter anderem bei CoreOS eingesetzte Rkt ("rock-it") starte Container standardmäßig mit Hilfe von Systemd-Nspawn. Die Entwickler des zum Container-Betrieb ausgelegten Linux-Distribution CoreOS haben auf der Konferenz gleich mehrere Vorträge gehalten; einer davon geht auf die Hintergründe ein, warum die Distribution um Systemd herum gebaut ist und sehr stark auf Systemd zurückgreife.

Michael Biebl, der zu den Systemd-Betreuern des Debian-Projekts gehört, lieferte Hintergründe zum Einsatz von Systemd in Debian. Dabei ging er auch auf die Streitereien ein, die es rund um den Wechsel auf Systemd als Standard-Init-System der Linux-Distribution gegeben hat. Den hat Debian im Frühjahr mit Debian 8.0 (Jessie) vollzogen.

Nach all dem Hin und Her hätte es dabei wenig Klagen über Probleme gegeben, was die Konferenzbesucher beklatschten. Biebl beschrieb zudem eine zwischenzeitlich innerhalb von Debian geschaffene Test-Infrastuktur. Aktualisierte Systemd-Versionen oder Änderungen an den Debian-Paketen müssen dort automatisch Tests durchlaufen, um ihr Können zu beweisen, bevor sie an die Anwender ausgeliefert werden.

Vortrag zu Systemd in Debian.
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Gleich zwei Vorträge gab es von Entwicklern, die Systemd erfolgreich in schwachbrüstigen Embedded-Systemen einsetzen. Michael Olbrich von Pengutronix ging dabei auf den Watchdog-Code ein. Diesen hat er zu Systemd beigesteuert, damit es das System notfalls neu startet, falls es seiner regulären Aufgabe nicht mehr nachgeht. Vollkommen unerwartet zeigte sich wenig später, dass auch Server-Admins so eine Funktion wünschten und erfreut annahmen. Olbrich geht auch auf den Einsatz der Systemd-eigenen Protokollinfrastruktur Journal ein, auf die Pengutronix bei neuen Produkten vielfach zurückgreift, obwohl diese mit etwas Overhead verbunden ist.

Michael Olbrich hat über den Einsatz von Systemd in Embedded-Systemen vorgetragen.

Mitschnitte anderer Konferenz-Vorträge finden sich im YouTube-Channel der Konferenz; Links zu den Vortragsfolien sollen im Laufe des letzten Konferenztages zu den Video-Beschreibungen hinzugefügt werden.

Die in Berlin abgehaltenen Systemd.conf war die erste ihrer Art. Die ausverkaufte Veranstaltung zählte rund hundert Besucher; die Veranstalter schätzen, sie hätten vermutlich noch fünfzig weitere Ticket verkaufen können. Es gibt Überlegungen, die auf Entwickler, Distributions-Macher und "devops professionals" ausgerichtete Konferenz im nächsten Jahr zu wiederholen.

Zu Systemd siehe auch diese beiden heise-open-Artikel, die sich mit Herangehensweise und Einsatz des Init-Prozess beschäftigen, das die Hauptkomponenten des System- und Service-Managers darstellt:

(thl)

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