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Linux-Kernel 2.6.13 veröffentlicht

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Mit Kernel 2.6.13 hat Linus Torvalds etwas über zwei Monate nach 2.6.12 eine neue Version von Linux freigegeben. Zu den größten Neuerungen zählen neben den in der Ankündigung beschriebenen Änderungen bei der Initialisierung des PCI-Bus Teile des Projekts Voluntary Kernel Preemption. Sie ermöglichen ein besseres Re-Scheduling von User- und Kernel-Tasks, um Latenzen zu verkürzen. Das soll die von den Anwendern wahrgenommene Interaktivität von Linux im Desktop-Einsatz verbessern und ist insbesondere für Audio-Bearbeitung von Vorteil.

Teile des von dem Red-Hat-Entwickler Ingo Molnar geleiteten Projekts waren bereits in den vorherigen Kernel-Version eingeflossen, nun finden sich auch die Optionen zum Aktivieren von Voluntary Preemption in der Kernel-Konfiguration. Die Entwicklung des Preemption-Projekts, das sich Echtzeit-Fähigkeiten für Linux auf die Fahnen geschrieben hat und die Basis für die vor kurzem veröffentlichten Echzeit-Patches von Montavista bildet, ist jedoch schon wieder weiter und enthält experimentellere Komponenten.

Im Kernel 2.6.13 wurde die Frequenz des internen Timers modifiziert: Beim Kernel 2.4 lief sie noch mit 100 Hertz, beim 2.6er zuletzt mit 1000 Hertz, um ebenfalls bessere Antwort-, und Reaktionszeiten im Desktopbetrieb zu ermöglichen. Nun lässt sich der Wert über die Kernel-Konfiguration anpassen, voreingestellt sind 250 Hertz.

Auch beim Disk-Scheduling gab es Änderungen, eine neue Version des CFQ-Schedulers wartet jetzt ähnlich wie der Anticipated Disk Scheduler kurzzeitig auf weitere Anfragen -- das steigert den Durchsatz bei in vielen kleinen Einzelabfragen gestellten Lese- oder Schreib-Anforderungen. Das neu aufgenommene Inotify versucht die Nachfolge von dnotify anzutreten. Inotify kann Programme wie beispielsweise einen File-Manager über Änderungen an Dateien oder in Verzeichnissen informieren.

Schnelleres Neubooten im Fehlerfall soll das hinzugekommene kexec ermöglichen. Falls auf Grund eines Fehlers in Hard- oder Software ein Neustart des Systems erforderlich sein sollte, kann nun ein Kernel direkt einen anderen starten -- der bei einigen Servern mehrere Minuten dauernde Power-on-Self-Test des BIOS wird so ausgespart. Bessere Diagnosemöglichkeiten in einem solchen Fehlerfall soll das auf kexec aufsetzende und ebenfalls neu aufgenommene kdump ermöglichen -- Informationen zum aufgetretenen Fehler werden hier in einem geschützten Speicherbereich vom alten an den neuen Kernel übergeben und können später analysiert werden.

Das Kernel-Buildsystem bietet jetzt einfacher das Nachkompilieren einzelner Kernel-Module. Die Unterstützung von devfs ist noch im Kernel, jedoch mit 2.6.13 nicht mehr konfigurierbar; die Kernel-Gemeinde setzt hier auf Udev. Bei vielen der im Kernel enthaltenen Treibern hat es wie mit jeder neuen Kernel-Version Neuerungen geben -- größere unter anderem bei den Subsystemen für ACPI,IDE, Infiniband, PCI, SATA, SCSI und USB. Viele der bestehende Treiber unterstützen nun mehr Hardware, darunter etwa die SATA-Treiber für Serverworks/Broadcom, Promise und Nvidia-Chipsätze. Native Command Queueing (NCQ) bleiben dem SATA-Treiber für den Nforce4 jedoch aufgrund einer restriktiven Informationspolitik seitens Nvidia verwehrt. Und auch Treiber für die vor kurzem vorgestellten X-Fi-Soundkarten von Creative scheinen erstmal nicht in Sicht.

Die Soundtreiber wurden auf die Version 1.09b des Alsa-Projekts aktualisiert. Sie kennen unter anderem mehr Varianten der Creative Sound Blaster Live und beherrschen nun HD-Audio einiger ATI und VIA-Chipsätze. Größere Aktualisierungen erfuhren auch die bttv, CX88 und saa7134 Treiber für analoge TV-Karten. Auch bei DVB tat sich einiges, unter anderem wurde ein generischer DVB-USB-Treiber in den Kernel aufgenommen, der verschiedene über USB angeschlossene DVB-Empfänger etwa von Kworld, Twinhead oder Avermedia unterstützt. Auch mit der Technotrend/Hauppauge DVB-S SE und der Hauppauge/TT DVB-C kann der Kernel nun umgehen.

Bei den Netzwerktreibern kam mit dem Treiber skge eine neu geschriebene Fassung des sk98lin Treibers für die Gigabit-Netzwerkkarten Marvell Yukon oder SysKonnect SK-98xx/SK-95xx hinzu. Der forcedeth-Treiber unterstützt nun zwei neue Chipsätze von Nvidia, der tg3 Treiber die Broadcom 5780 Chips. Größte Neuerung im Netzwerkbereich dürfte Version 18 der Wireless Extensions sein, die die Unterstützung von WPA und WPA2 mitbringt.

Zu den mit Kernel 2.6.12 eingeführten TPM-Unterstützung kamen Treiber für TPM-Chips von Infineon und National hinzu. Beim Sis 760 funktioniert mit dem neuen Linux die AGP-Beschleunigung. Der Direct Rendering Manager (DRM) unterstützt nun die Unichrome-Chipsätze von VIA.

Beim Powermanagement wurde auch wieder fleißig geschraubt: So sollen Software-Suspend, ACPI-Suspend-to-RAM und die CPU-Stromsparmodi C2 und C3 jetzt auch auf SMP-Systemen funktionieren. Die letzen Reste der Software-Suspend-Implementation pmdisk wurden entfernt. Die Funktionstasten von Notebooks lassen sich mit der neuen Version über ein generisches Hotkey-Interface konfigurieren. Auch das PCMCIA-Subsystem für PC-Cards wurde in weiten Teilen stark überarbeitet. Um PC-Cards und Co korrekt einzusetzen braucht man mit dem neuen Kernel die PCMCIAutils. Zudem können die Device-Namen mit dem neuen Kernel durch eine geänderte Initialisierungsreihenfolge anders lauten als mit älteren Kerneln.

Reiser4 und das Filesystem in Userspace (Fuse) haben es wieder nicht in den Kernel geschafft -- beide warten schon länger auf die Integration in den offiziellen Kernel. Zu Beginn der Entwicklung von 2.6.13 gab es erneut eine längere Diskussion zwischen Befürwortern und Kritikern der beiden Dateisysteme.

Was in Kernel 2.6.14 aufgenommen werden soll, wurde bisher nicht öffentlich diskutiert -- in dem dem offiziellen Kernel vorgeschalteten experimentellen Kernel-Zweig 2.6.13-rc6-mm2 von Andrew Morton lauern derzeit über 1000 Patches auf die Integration in den Standard-Kernel. Neben den beiden erwähnten Dateisystemen liegen dort auch die beiden Cluster-Dateisysteme Global File System (GFS) und Oracle Cluster File System 2 (OCFS2). Bei letzterem stehen die Aussichten auf eine Aufnahme in 2.6.14 laut Oracle nicht schlecht.

Etwas anders als bei früheren Kernel dürfte die Entwicklung ab 2.6.14 verlaufen: Auf dem vor kurzem beendeten Linux Kernel Developers' Summit 2005 in Ottawa einigten sich die Entwickler auf ein leicht modifiziertes Entwicklungsmodell. Größere Änderungen mit neuen Funktionen für die nächste Kernel-Version sollen demnach nur in den ersten zwei Wochen nach dem Release eines neuen Kernels in die nächste Entwicklerversion aufgenommen werden. Danach will Torvalds ausschließlich Bug-Fixes akzeptieren. Die im März gestartete parallel Weiterentwicklung und Korrektur der jeweils aktuellen Kernel-Version mit einem neuen Nummerierungsschema hat sich nach Berichten von der Konferenz jedoch etabliert und soll fortgeführt werden. (thl)

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