Linux-Kernel 4.3 wird neue AMD- und Intel-Grafikprozessoren unterstützen

Linux 4.3 wird von Haus aus Skylake- und Fiji-GPUs unterstützen; dem Treiber für AMDs neue Grafikchip-Generation fehlt aber noch eine wichtige Funktion. Außerdem werden die Kernel-Entwickler den Ext3-Dateisystemcode entfernen.

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Linux-Kernel 4.3
Von
  • Thorsten Leemhuis

Der Anfang November erwartete Linux-Kernel 4.3 wird Treiber für den Grafikprozessor in Intels kürzlich vorgestellter Prozessorgeneration "Skylake" mitbringen. Außerdem wird er Fiji-Chips unterstützen, die auf einigen der im Hochsommer eingeführten Radeon-Grafikkarten von AMD sitzen. Entfernt wird indes der Code für das Dateisystem Ext3, das vielen Linux-Distributionen jahrelang als Standard-Dateisystem diente, bevor es vor einigen Jahren durch Ext4 verdrängt wurde.

Zu den Skylake-Prozessoren gehören unter anderem die Core-i-Modelle der 6000er-Reihe; diese im August mit einer kleinen Vorhut gestartete Prozessorserie hat Intel zum Start der IFA 2015 um einen ganzen Schwung von Desktop- und Notebook-Prozessoren erweitert. Der Treibercode für deren Grafikprozessoren steckt bereits in älteren Kernel-Versionen, gilt dort aber als unfertig und muss daher explizit aktiviert werden.

Zusätzlich zum Kernel müssen Linux-Distribution wie üblich auch neue oder aktualisierte 3D-, Video- und X-Server-Treiber einbauen, um die Fähigkeiten von Intels neue Intel-Grafikhardware adäquat zu nutzen – noch ist daher nicht absehbar, wann Debian, Fedora, OpenSuse, Ubuntu und Co. die neuen Chips von Haus aus ansprechen können.

Der erst bei Linux 4.2 integrierte Amdgpu-Treiber wird durch einige für Linux 4.3 aufgenommene Änderungen auch die AMD-Radeon-Grafikkarten wie die R9 Fury oder die R9 Fury X unterstützen. Der Treiber ermöglicht aber vorerst keine Änderungen der Geschwindigkeitsstufe – der Kernel kann die Grafikprozessoren daher weder in die schnellsten noch in die stromsparendsten Betriebsmodi schalten. Deshalb verbrauchen sie unnötig Strom und schöpfen das 3D-Leistungspotenzial nicht aus.

Mit dem Rauswurf des Ext3-Dateisystemcodes wollen die Entwickler die Wartung des Linux-Kernels vereinfachen. Ext3-Dateisysteme lassen sich aber wie gewohnt nutzen, weil das aus Ext3 hervorgegangene Ext4 bereits eine Weile auch Ext2- und Ext3-Dateisysteme ansprechen kann. Für Anwender sollten dadurch keine Nachteile entstehen, was sich Linus Torvalds explizit bestätigen ließ, bevor er den Code entfernte. Der Ext2-Code verbleibt allerdings im Kernel, denn er unterscheidet sich stärker von Ext4 als der Ext3-Code; Ext2 ist zudem simpler und arbeitet ressourcenschonender.

Diese Neuerungen von Linux 4.3 sind jetzt absehbar, da sie im Hauptentwicklungszweig des Linux-Kernels bereits umgesetzt wurden – direkt nach der Freigabe von Linux 4.2 vor einigen Tagen begann nämlich wie üblich das zweiwöchige "Merge Window". In diesem Zeitraum nehmen die Kernel-Entwickler das Gros der Änderungen für den Nachfolger vor, bevor sie sich dann einige Wochen auf Fehlerkorrekturen konzentrierten. (thl)