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Linux-Migration im Bundestag: Kommando zurück beim Anmeldedienst

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Nach schweren Problemen bei der Verbindung der Windows-Clients mit den bereits laufenden Open-Source-Servern im Bundestag haben die Verwaltung und der verantwortliche IT-Dienstleister CC CompuNet zunächst die alte Windows-Lösung reaktiviert. Die mit der Migration beauftragte Firma untersucht derzeit die Ursache für den Leistungsseinbruch, der sich allein auf den Anmeldedienst der Windows-Rechner über den Verzeichnisdienst OpenLDAP bezog und am gestrigen Montagvormittag unter anderem die Internet-Nutzung in den Abgeordnetenbüros verhinderte. In einer Stellungnahme zeigt sich der IT-Infrastrukturdienstleister zuversichtlich, "das Problem zeitnah zu beheben und die Migration zum Abschluss zu bringen".

Die fehlgeschlagene Überführung der zentralen Serversysteme von Windows NT auf Linux sollte die Krönung der Umrüstung auf freie Software darstellen. Während viele Backend-Rechner wie beispielsweise die Mail-Server schon seit längerem unter dem frei verfügbaren Betriebssystem laufen und auch OpenLDAP selbst schon seit über einem Jahr funktioniert, klappte die geplante Integration des offenen Verzeichnisdienstes mit der verbliebenen Windows-Welt auf den Rechnern der Abgeordneten nach dem Wochenende nicht. Laut CompuNet war der vorläufig letzten Stufe der Migration eine "umfangreiche Pilotierungs- und Testphase" vorangegangen, doch als sich zwischen 8 und 9 Uhr morgens immer mehr Windows-XP-Nutzer über die Open-Source-Implementierung für LDAP (Lightweight Directory Access Protocol) ins Netz einklinken wollten, quittierte der Anmeldeservice auf den Linux-Servern seinen Dienst.

"Der Deutsche Bundestag und CC CompuNet haben umgehend reagiert und die Systeme am selben Tag bis 14 Uhr auf das alte Betriebssystem zurückgeführt", schildert der Vertragspartner die weitere Entwicklung. Die gewohnte Leistung der IT-Infrastruktur sei damit zunächst sichergestellt. Eine eventuelle Rückführung auf das Windows-System in diesem Bereich sei von Anfang an Teil des Gesamtkonzeptes gewesen, solle aber nicht die endgültige Lösung darstellen.

Beobachter der Migration berichten derweil von Nachlässigkeiten bei der Vorbereitung der Operation am Wochenende. Demnach soll der Zugriff auf die Linux-Serverdienste nur von Linux-Clients selbst, nicht jedoch von den in der Praxis zum Einsatz kommenden Windows-Rechnern getestet worden sein. Auch eine Simulation der tatsächlichen Auslastung -- in den Abgeordnetenbüros allein stehen etwa 1200 PCs, dazu kommen weitere Clients in der Verwaltung -- sei nicht erfolgt. Ob es in den Verträgen zur Linux-Umrüstung des Bundestags mit CompuNet Haftungsklauseln für die aufgetretenen Schwierigkeiten und den damit verbundenen Imageschaden rund um das viel beachtete Open-Source-Vorzeigeprojekt gibt, ist bislang nicht bekannt. (Stefan Krempl) / (jk)