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Linux-Verband: "Bill Gates belügt Spiegel-Leser"

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Microsoft-Gründer Bill Gates hat in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel zum Thema Sicherheitsrisiken bei Betriebssystemen durch Virenattacken gesagt, Linux sei "in vielerlei Hinsicht sogar stärker betroffen". Das will der deutsche Linux-Verband so nicht stehen lassen. Elmar Geese, Vorsitzender des Verbandes, bezeichnete Gates' Aussage als "nachweisliche Lüge". Jeder könne sich auf den Webseiten des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) über die unsicheren MS-Programme informieren, während Linux-Betriebssysteme von Red Hat und Suse als sichere Software zertifiziert worden seien. "Auch die neuesten Wurm-Warnungen richten sich wie viele vorher ausschließlich an Nutzer von Microsoft-Systemen", stellte Geese fest.

Gates, der heute in München zusammen mit anderen die Initiative "Deutschland sicher im Netz" gestartet hat, behauptete in dem Nachrichtenmagazin, die zunehmenden Probleme mit Computersicherheit "haben eher mit dem unglaublichen Erfolgs des Computers an sich zu tun" als damit, dass die Branche das Problem noch vor dem 11. September 2001 unterschätzt habe. Als eine der größten Herausforderungen sieht Gates die Belästigung durch "Marketing-Kram". Spam oder Datenklau, das der Microsoft-Chairman ebenfalls als bedeutende Bedrohungen sieht, "sind aber keine Frage des Betriebssystems. Dafür brauchen Sie auch Gesetze und globale Standards".

Natürlich sei Microsoft das größte Ziel von Attacken, weil das Unternehmen das am weitesten verbreitete System habe, meint Gates. Das sieht der Linux-Verband anders. Das Problem liege nicht in erster Linie an der Verbreitung der Microsoft-Programme, "sondern an systemimmanenten Schwachstellen der Programmarchitektur und der fehlenden Offenheit der Codes", kontert Geese weiter. "Wer in der digitalen Welt sicher gehen möchte, sollte auf Offenheit der Standards und 100prozentige Offenheit der eingesetzten Codes achten, wie sie das Betriebssystem Linux und Open-Source-Software insgesamt garantieren."

Gates sagte weiter in dem Interview, insgesamt sei es unter Sicherheitsaspekten besser, je weniger Betriebssysteme es innerhalb eines Unternehmens gebe. Die Geschwindigkeit, mit der die Linux-Gemeinde auf Probleme reagiert, sei nicht sonderlich hoch. "Auch weil dieses System einfach nicht wie wir Tausende Mitarbeiter bereithält, um damit umzugehen", meint Gates. Linux sieht er beispielsweise auch seit den Migrationsplänen der Stadt München nicht als Bedrohung, sondern lediglich als einen Konkurrenten.

Die Auflage der EU-Kommission, ein um Mediaplayer-Software abgespecktes Windows anzubieten, sieht Gates nicht als Anlass, die Strategie ändern zu müssen. Windows gebe es schon heute in unterschiedlichsten Versionen. "Neu ist allenfalls, dass von uns nun eine Version verlangt wird, nach der noch kein Verbraucher gefragt hat", meinte Gates. Inzwischen wird berichtet, dass die Europäische Kommission in dieser Angelegenheit mit Zwangsgeldern droht, da Microsoft versuche, die Windows-Version ohne Mediaplayer "diskriminierend zu gestalten". (anw)