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Linux-WLAN-Treiber für Atheros-basierte Karten

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Nach knapp drei Jahren Entwicklung stellt das madwifi-Team mit der Version 0.9 sein erstes Release für WLAN-Karten mit Atheros-Chips bereit, das auf der aktuellen Code-Basis -ng (Next Generation) beruht. Gegenüber ihrem Vorgänger hat die ng-Version als wichtigstes Feature mehrfache Verbindungen dazu gelernt: Auf das Basis-Interface wifi0 einer Karte kann man bis zu acht virtuelle Schnittstellen ath0 bis ath7 aufsetzen. Eines der Interfaces kann im Client-Mode laufen, also als herkömmliche Station bei einer WLAN-Basisstation (Access Point, AP) angemeldet sein. Die anderen arbeiten als virtuelle APs und bedienen ihrerseits WLAN-Clients.

Als weitere Betriebsarten beherrscht der Treiber Ad-hoc (IBSS, Peer-to-Peer-Netz ohne AP), Monitor (passives Empfangen für Sniffer) und WDS (Wireless Distribution System, drahtloses Backbone zwischen mehreren APs). Wenn die anderen Basisstationen mitspielen, kann madwifi auch als Station an einem WDS teilnehmen und Pakete für andere weiterleiten.

madwifi läuft derzeit nur mit PCI-, Mini-PCI- und Cardbus-Adaptern, an der Unterstützung von USB-WLAN-Sticks arbeiten die Entwickler noch. Seit kurzem gibt es ein Online-Update-Repository für das jüngst erschienene Suse Linux 10.1. Für Debian läuft die Entwicklung auf Alioth, allerdings müssen Debian-stable-Nutzer entweder Unstable-Pakete installieren oder selbst kompilieren. Zwar ist madwifi-ng – wie jedes andere komplexe Projekt – noch nicht völlig fehlerfrei, aber dennoch empfiehlt das Entwickerteam Anwendern der älteren Version den Umstieg. madwifi-old gilt ab sofort als "deprecated" und wird nicht weitergepflegt.

So ganz "open" ist madwifi indes nicht: Der Hardware Abstraction Layer, ein vom Chiphersteller Atheros beigestelltes Binärmodul, ist nicht offengelegt. Manchen bereitet dies Bauchschmerzen: Alan Cox spricht madwifi auf der Mailing List für Fedora-Entwickler den Status als freie Software rundweg ab. David Woodhouse bezeichnet in seiner Antwort den HAL halb scherzhaft gar als illegal. Für die Verwendung des HAL gibt es indes gute Gründe, denn beliebiger Zugriff auf die Einstellungen des Hochfrequenzteils kann nicht nur Nachbars WLAN beeinträchtigen, sondern im ungünstigsten Fall auch die Bundesnetzagentur auf den Plan rufen, die dann möglicherweise das Betreiben eines Störsenders verfolgt. (ea)