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Linux: Wayland und Weston 1.9 korrigieren Lizenz-Missgeschick

Die neue Version des designierten X11-Nachfolgers korrigiert Unklarheiten bei der Lizenz. Weston unterstützt nun drei Monitore. Parallel zur Entwicklung der neuen Versionen ist die Wayland-Unterstützung bei den Linux-Desktops von Gnome und KDE gereift.

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Wayland und Weston 1.9 freigegeben

Die Wayland-Entwickler haben die Version 1.9 der Display-Server-Architektur Wayland und der darauf aufbauenden Desktop-Oberfläche Weston freigegeben. Zu den wichtigsten Neuerungen der Linux-Software zählt eine Anpassung der Lizenz, durch die Wayland und Weston jetzt der Expat-Variante der MIT-Lizenz unterstehen. Zuvor war es die X11-Variante der MIT-Lizenz gewesen, die nahezu identisch ist, aber eine Verwendung der Programmnamen in Werbetexten untersagte. Diese Lizenzunklarheiten bei Wayland und Weston waren im Sommer aufgefallen und so nie beabsichtigt gewesen.

Weston, das das Gesamtbild mit den Bibliotheken von Wayland zusammensetzt und ausgibt, beherrscht nun auch die Bildausgabe über Kernel-Grafiktreiber, die drei oder mehr Monitore gleichzeitig ansteuern. Der "Wayland Compositor" bringt mit der neuen Version zudem erste Grundlagen einer Libweston. Mit Hilfe dieser noch unfertigen und nicht nutzbaren Bibliothek sollen Entwickler zukünftig Bausteine von Weston wiederverwenden können, wenn sie selbst einfache Desktop-Oberflächen schaffen wollen.

Über eine mit Weston 1.9 neue und noch experimentelle Erweiterung kann der Wayland Compositor die Dmabuf-Infrastruktur des Kernel nutzen. Über sie lässt sich der Arbeitsaufwand für Prozessor und Arbeitsspeicher reduzieren, wenn ein oder mehrere Programme einen Bilddatenstrom unverändert verarbeiten. Das ist beispielsweise der Fall, wenn das von einer Webcam aufgezeichnete Bild sowohl gespeichert als auch wiedergegeben wird.

Bei Wayland 1.9 gab es nur Detailänderungen. Das ist beim vor knapp drei Jahren als stabil deklarierten Wayland 1.0 seit einer Weile der Normalfall. Wayland, das als Nachfolger des von Linux-Distributionen derzeit für grafische Bedienoberflächen genutzten X11 entwickelt wurde, hat bei PC-Linuxen aber derzeit noch nur Nischenbedeutung.

Hauptursache dafür sind Funktionslücken bei der Infrastruktur, die Wayland Compositor benötigt. Es fehlte beispielsweise eine universelle Bibliothek zur Handhabung von Eingabegeräten; diese wurde mit dem aus Weston hervorgegangenen Libinput geschaffen, das kürzlich die Version 1.0 erreicht hat und von einigen Distributionen auch bei X11-Desktop-Oberflächen eingesetzt wird. Ferner war Xwayland lange in Entwicklung, mit dem sich nicht auf Wayland portierte X11-Anwendungen unter einem Wayland Compositor betreiben lassen.

Die für die meisten Anwender wesentliche Infrastruktur ist mittlerweile entstanden. Zudem haben die Gnome- und KDE-Entwickler ihre Compositing Window Manager (Gnome-Shell bzw. Kwin) zu Wayland Compositoren ausgebaut. Beim dieser Tage erwarteten Gnome 3.18 soll die Wayland-Unterstützung langsam reif für den Alltagseinsatz werden; auch die Entwickler von KDE Plasma verbessern den dort noch jungen Wayland-Support derzeit weiter.

Nach wie vor gibt es bei der Wayland umgebenden Infrastruktur aber noch einiges zu verbessern; einer der derzeit führenden Wayland-Entwickler erwähnte beispielsweise kürzlich in einem Status-Bericht zum Entwicklungstand von Wayland, es würde jemand gebraucht, der den Xwayland-Code vorantreibe. (thl)

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