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Linux als Kostendrücker

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Eine Studie der amerikanischen Robert Frances Group (RFG), die von IBM unterstützt wurde und heise online vorliegt, sieht Linux als Preisbrecher im gewerblichen Einsatz auf Servern. Erstmals haben die Marktforscher aus Connecticut, die auf die IT-Beratung von Konzernen und Unternehmen mittlerer Größe spezialisiert sind, dabei nicht nur Lizenzgebühren verglichen. Über einen Zeitraum von drei Jahren haben sie auch die Kosten für Implementierung, Betrieb und Support, die so genannten Total Costs of Ownership (TCO), der Plattformen Linux (mit Apache-Server), Solaris auf einer SPARC-Architektur und Windows in Verknüpfung mit Microsofts Internet Information Server (IIS) unter die Lupe genommen. Bei den Gesamtkosten lag die Open-Source-Variante dabei deutlich günstiger als ihre Konkurrenten: Im ersten Jahr schlug demnach Linux durchschnittlich mit knapp 50.000 US-Dollar zu Buche, Windows mit rund 92.000 US-Dollar und die Highend-Lösung Solaris mit etwa 422.000 US-Dollar. Im dritten Jahr mussten die Firmen für Linux 74,475 US-Dollar, für Windows 190,662 US-Dollar und für Solaris 561,520 US-Dollar ausgeben.

Als Maßstab legte RFG das Konzept einer "Prozesseinheit" zu Grunde, die 100.000 Zugriffe auf eine Website pro Tag bearbeiten musste. Sie wurde auf die tatsächlich installierten Server umgerechnet. Am besten schnitt Linux naturgemäß bei den Lizenzkosten ab. Hier kamen die Analysten auf einen Preis von 400 US-Dollar pro Prozesseinheit, was an der Red-Hat-Distribution ausgerichtet ist. Diese wurde von den 14 Unternehmen, die Daten für die Studie zur Verfügung stellten, leicht bevorzugt. Bei den Anschaffungskosten für Windows stehen dem von Anfang an 5.320 US-Dollar gegenüber. Diese erhöhen sich auf Grund des neuen, heftig umstrittenen Microsoft-Lizenzprogramma "Software Assurance", das RFG bereits zu Grunde legt, um 1.330 US-Dollar pro Jahr. Solaris wird mit einmalig 27.500 US-Dollar berechnet.

Bei den Hardwarekosten schlagen die SPARC-Workstations bei Solaris voll zu mit 387.566 US-Dollar, während Linux und Windows mit 38.015 beziehungsweise 39.042 US-Dollar fast gleichauf liegen. Bezahlt macht sich Linux dagegen wieder voll bei den Support- und Administrationskosten. Überraschenderweise ergab die Umfrage von RFG, dass die beteiligten Unternehmen bei Linux weniger als 10 Dollar im Gesamtzeitraum der drei Jahre für externe Beratung bei Migration und Implementierung pro Prozesseinheit ausgaben. "Viele Administratoren bedienten sich der kostenlosen Support-Ressourcen, die Mailinglisten, Newsgruppen und Websites einschließen", erklären die Marktforscher die läppische Summe. Firmen mit Windows-Ausrüstung mussten 1.520 US-Dollar, Solaris-Kunden 19.309 US-Dollar für Beratung und Hilfe berappen. Die gesamten Administrations- und Supportkosten liegen laut RFG für Linux bei 36.060 US-Dollar, bei Windows bei 143.640 US-Dollar und bei Solaris bei 146.454 US-Dollar. Das Server-Personal sei bei Linux und Solaris zwar zunächst teurer zu entlohnen, dafür könnten die Admins aber mehr Server in gleicher Zeit warten als ihre Windows-Kollegen.

Gravierende Vorteile für Linux und Solaris sehen die Analysten auch im Bereich Sicherheit. Microsoft ist ihrer Ansicht nach momentan "ein politisches Ziel für Hacker." Das mache die Windows-Produkte daher zu einem "höherem Risikosystem für die Kunden". Die Umfragedaten hätten gezeigt, dass Windows-Installationen doppelt so viele Administratorstunden für das Einspielen von Sicherheits-Updates und das Abdichten der Server erforderten als die Konkurrenzsysteme. Microsoft hat zwar inzwischen eine hoch aufgehängte Sicherheitsinitiative mit dem Programm "Trustworthy Computing" gestartet. Doch die Macher der Studie glauben, dass der Vorstoß frühestens in einigen Jahren greifen wird. Eine Warnung spricht RFG auch vor den kommenden .NET-Webservices aus, da deren Sicherheitsimplikationen noch größtenteils unerforscht seien.

Die Ergebnisse der Studie, die unter dem Titel "Total Cost of Ownership for Linux in the Enterprise" läuft, sind ein Schlag ins Gesicht des IBM-Konkurrenten Microsoft. In Redmond wird seit langem Windows als besser und sicherer als Linux verkauft, wobei die ins Gerede gekommene Firma Hunzinger PR auch den Bundestag von diesen Argumenten zu überzeugen suchte. Noch vor wenigen Tagen hatte der Chef des Software-Giganten, Steve Ballmer, für Windows mit dem Argument geworben, mit dem System langfristig weniger Kosten zu verursachen. RFG empfiehlt dagegen nun klar, "angesichts der tiefpreisigen und flexiblen Lizenzanforderungen, dem Verzicht auf proprietäre Verkaufsziele, dem hohen Sicherheitsgrad und der generellen Stabilität und Nutzbarkeit den Umstieg auf Linux für alle Sorten von Server-Anwendungen zu erwägen." (Stefan Krempl) / (jk)

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