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LinuxCon: Torvalds will mehrere Betreuer für Linux-Kernel

Linus Torvalds möchte Verantwortung und Arbeitslast bei der Kernel-Entwicklung auf mehr Schultern verteilen. Das erklärte er auf der LinuxCon Europe, die nächstes Jahr nach Berlin kommt.

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Linus Torvalds (links) und Dirk Hohndel beim Podiumsgespräch auf der LinuxCon Europe.

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Linus Torvalds will die anderen Kernel-Entwickler dazu animieren, Teams zur Pflege und Weiterentwicklung der verschiedenen Bereiche des Kernels zu bilden. Die meisten der Kernel-Subsysteme werden derzeit von einzelnen Entwicklern betreut. Diese Maintainer begutachten und testen die Änderungen, die sie selbst oder andere für diesen Bereich einreichen; die für gut befundenen Änderungen schickt der Maintainer dann gesammelt an Torvalds, damit er sie in den offiziellen Linux-Kernel integriert.

Der x86- und ARM-Code hingegen wird jeweils von kleinen Maintainer-Teams gepflegt, was Arbeitslast, Verantwortung und Kontrolle auf mehrere Schultern verteilt. Das gefällt Torvalds gut, wie er in einem Podiumsgespräch auf der LinuxCon Europe erklärte; er will darauf hinarbeiten, dass größere Subsysteme diesen Ansatz übernehmen. Er verspricht sich davon, dass sich mehr Entwickler dauerhaft bei der Weiterentwicklung engagieren, statt nur einzelne Änderungen beizusteuern und dann wieder von der Bildfläche zu verschwinden.

Das Podiumsgespräch fand fast einen Tag nach einer von Torvalds besuchten Podiumsdiskussion statt; bereits dort hatten einige Kernel-Entwickler angemerkt, es mangle weniger an Entwicklern, die Änderungen beisteuern, sondern vor allem an Maintainern.

Kernel-Entwicklern bei der Podiumsdiskussion.

Weder im Podiumsgespräch noch der Podiumsdiskussion kam Sarah Sharp zur Sprache, die Anfang der Woche verkündet hat, wegen des rauen Umgangstons aus der Kernel-Entwicklung ausgestiegen zu sein. Auf den Gesprächen zwischen den Konferenz-Teilnehmern war der Ausstieg mehrfach ein Thema. Dabei war auch von Kernel-Entwicklern zu hören, es gäbe durchaus verbesserungswürdige Dinge; es war häufig aber auch zu hören, man könne es nicht allen recht machen.

Torvalds wurde im Podiumsgespräch auch gefragt, ob er sich für Container interessiert, die derzeit in aller Munde seien. Darauf antwortete er kurz und knapp "Nein". Bereits zuvor hatte er erklärt, Hardware sei, was ihn begeistere. Er freue sich über die Fortschritte bei ARM/ARM64-Prozessoren und deren Unterstützung in Linux. Er hätte allerdings schon vor vier Jahren auf einer Konferenz gesagt, im nächsten Jahr würden Notebooks auf den Markt kommen, die nicht x86-, sondern ARM-Prozessoren enthalten. Das sei aber nicht passiert; er witzelte, vielleicht werde 2016 dann zum "Jahr der ARM-Notebooks".

Das Podiumsgespräch mit Torvalds war das Highlight des zweiten Tags der LinuxCon Europe 2015. Auf der wurde auch der zehnte Geburtstag des Open Invention Network (OIN) gefeiert. Dieser 2005 von IBM, NEC, Novell, Philips, Red Hat und Sony gegründete Patentschutzschirm hat mittlerweile über 1700 Mitmacher angelockt.

Die LinuxCon Europe zählte dieses Jahr knapp 1500 Besucher. Im nächsten Jahr soll die Konferenz im Oktober in Berlin stattfinden, wie Jim Zemlin erklärte. Nach Düsseldorf im vergangenen Jahr kommt die Konferenz damit zum zweiten Mal nach Deutschland; ein genaues Datum nannte der Leiter der Linux Foundation allerdings nicht.

Konkreter ist es schon bei der Embedded Linux Conference Europe, denn die soll zum Ende der ersten Oktoberwoche in Berlin stattfinden. Diese auf Embedded-Linux-Entwickler ausgerichtete Konferenz fand bislang traditionell parallel zur LinuxCon am selben Ort statt. Im nächsten Jahr soll sie allerdings nicht überlappen, sondern offenbar im Anschluss an die LinuxCon abgehalten werden; die Konferenz soll zudem aus Kostengründen nur noch zwei statt drei Tage dauern. (thl)