Menü

Literaturagentin klagt gegen Wikipedia

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 109 Beiträge

Wegen angeblich verleumderischer Aussagen in der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia hat die Literatur-Agentur Barbara Bauer die Wikimedia Foundation verklagt. In den Rechtsstreit hat sich auch die Electronic Frontier Foundation eingeschaltet.

In dem Streit geht es um eine Liste der schlechtesten Literaturagenturen, die bereits vor zwei Jahren von Mitgliedern der Autoren-Organisation Science Fiction and Fantasy Writers of America aufgestellt wurde. Die darin aufgeführten Unternehmen – so kritisieren die Autoren – seien fragwürdig, da sie von ihren Klienten Gebühren verlangten, gleichzeitig aber keine nennenswerten Verkaufserfolge vorweisen könnten. In der Liste taucht auch die klagende Literatur-Agentur mit Sitz in New Jersey auf.

Laut dem von der EFF veröffentlichten Schriftsatz beantragen Wikimedia und die EFF eine Abweisung der Klage, da die Wikimedia gemäß Paragraph 230 des Communications Decency Acts als Dienstebetreiber nicht für die Inhalte haften müsse, die die Autoren in der Mitmach-Enzyklopädie einstellen. Desweiteren seien die in Frage stehenden Äußerungen nicht vom Wikipedia-Autoren selbst getätigt worden, in dem Artikel seien nur Äußerungen eines Dritten zitiert worden. Diese Äußerungen seien zudem von dem Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt.

Wikimedia-Jurist Mike Godwin führt aus, dass sich die Beschwerde offenbar auf eine Artikelfassung von 2006 bezieht. Aktuell ist in der englischsprachigen Wikipedia kein Artikel über die Literatur-Agentur enthalten. Laut Löschhistorie wurde der Artikel in den letzten zwei Jahren mehrfach gelöscht, zuletzt im März dieses Jahres. Nach den von Wikimedia vorgelegten Dokumenten seien aber nicht alle von der Agentur monierten Äußerungen in der Wikipedia zu finden gewesen.

Der Fall ist nicht die erste Klage gegen Wikimedia. So scheiterten die Angehörigen des verstorbenen Hackers Tron vor zwei Jahren mit einer Klage gegen den Verein Wikimedia Deutschland, mit der sie die Löschung des Familiennamens aus der Wikipedia erreichen wollten. Vor einem halben Jahr sprach auch ein französisches Gericht die Wikimedia Foundation von der Haftung frei. Damals hatten drei Franzosen geklagt, die in der wikipedia als Aktivisten der Schwulenbewegung bezeichnet worden waren. (Torsten Kleinz) / (jk)

Anzeige
Anzeige