Menü

Live-Gesichtserkennung: Orlando distanziert sich von Amazon Rekognition

Auch ein zweites Pilotprojekt für den Einsatz der Gesichtserkennungssoftware Rekognition von Amazon in Orlando in Florida endete ohne greifbares Ergebnis.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 23 Beiträge

(Bild: sxc.hu)

Von

Technische Probleme und Ungewissheiten sowie offene rechtliche Fragen haben dazu geführt, dass der zweiphasige Test der umstrittenen Software Rekognition von Amazon zur biometrischen Gesichtserkennung in Orlando Ende voriger Woche beendet wurde. Von einem ernsthaften Probebetrieb kann dabei keine Rede sein, da das Pilotprojekt auch in seiner zweiten Stufe technisch gar nicht wirklich zum Laufen gekommen war. Resultate etwa zur tatsächlichen Erkennungsquote oder zu Fehlerraten des Programms in Orlando gibt es damit auch nicht.

Aktuell sei die Stadt nicht imstande gewesen, die Ressourcen für das Vorhaben zur Verfügung zu stellen, um "erkennbare Fortschritte" zu machen, zitiert das Magazin Orlando Weekly aus einer Niederschrift der Spitze der städtischen Verwaltung. Die benötigte Technik habe nicht vollständig konfiguriert, der Test nicht zu Ende geführt werden können, heißt es demnach in dem Memo weiter. Man habe "gegenwärtig keine Pläne, künftige Pilotprojekte durchzuführen, um diese Form von Gesichtserkennungstechnologie zu erproben". Dies schließe Experimente mit anderen Technologien nicht aus, um die Stadt "zukunftstauglich" zu machen.

Das unvermittelte Ende der Initiative überrascht, da Amazon die Stadt Orlando voriges Jahr noch als eine Art Vorzeigekunden für Rekognition präsentiert hatte. Es handle sich um eine Smart City, in der überall Überwachungskameras aufgestellt seien, freute sich damals noch der Leiter der Sparte des Konzerns, Ranju Das. Autorisierte elektronische Augen lieferten Videostreams an Amazon, die dort "in Echtzeit" analysiert würden. Amazon wirbt damit, dass das System über die eigene AWS-Cloud selbst in großen Menschenansammlungen bis zu hundert Personen auf einmal erkennen können soll.

Obwohl Amazon wiederholt kostenlos Techniker nach Orlando schickte, um Rekognition einzurichten und mit dem Kameranetzwerk der Stadt zu verknüpfen, kamen die praktischen Tests überhaupt nicht in die Gänge. Selbst nach einem Jahr der Kooperation sei es nicht gelungen, einen funktionierenden und zuverlässigen Fluss an Videoaufnahmen zu etablieren, erklärte die IT-Beauftragte Orlandos, Rosa Akhtarkhavari, während der zweiten Pilotphase gegenüber der Zeitschrift. Man sei nie an einen Punkt gelangt, um mit Testbildern zu arbeiten.

Es habe unter anderem Probleme mit der erforderlichen Bandbreite gegeben, um die Software mit mehr als einer Kamera zum Laufen zu bringen, führte die kommunale Expertin aus. Teils hätten die gesendeten Signale auch nicht erwartungsgemäß funktioniert.

Dem Bericht nach haben die in Orlando installierten Kameras keine ausreichend hohe Auflösung, um klar umrissene Bilder von den Polizeibeamten zu erzeugen, die sich als Freiwillige für die Testläufe zur Verfügung gestellt hatten. Die Beobachtungsgeräte seien zudem so hoch angebracht, dass sie nur Aufsichten der Erfassten lieferten, die sich nicht für eine Gesichtserkennung eigneten. Das Angebot Amazons, gratis neuere Kameratechnik mit günstigeren Aufnahmewinkeln zu installieren, habe die Stadt abgelehnt. Vor dem Start der zweiten Testperiode hatte sich Orlandos Polizeichef John Mina trotzdem noch optimistisch gezeigt und betont, die Stadt habe "gute Fortschritte beim Test dieser Technologie" von Amazon erzielt.

Neben Orlando experimentiert in den USA auch eine Polizeibehörde im Bundesstaat Oregon mit Rekognition. Ein Sheriff hat dazu Amazon 300.000 Fahndungsfotos zum Abgleich zur Verfügung gestellt. Beamte sollen damit herausfinden können, wenn einmal Festgenommene ins Visier einer an das Netzwerk angeschlossenen Kamera geraten. US-Bürgerrechtsorganisationen wie die American Civil Liberties Union (ACLU) laufen Sturm gegen derlei Projekte und Rekognition an sich. Sie warnen vor einer automatisierten "Rundum-Überwachung" durch derlei Erkennungstechniken. Auch Amazon-Mitarbeiter haben bereits gegen den Einsatz des Programms in Städten protestiert. (olb)