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Telepolis

LiveLeak nimmt Anti-Islam-Film aus dem Netz

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Nicht einmal einen Tag lang war der Anti-Islam-Film Fitna von Geert Wilders auf dem britischen Videoportal LiveLeak.com abzurufen, wo dieser ihn gepostet hatte, nachdem die Website seiner Freiheitspartei aufgrund der Nachfrage nach dem Film zusammen gebrochen war. Der weithin kritisierte Film, der mit kruden Mitteln versucht, den Koran als Grundlage einer faschistischen Ideologie darzustellen, die nach der Weltmacht strebt, hat zumindest nach außen hin nicht den von Wilders bezweckten Aufruhr provoziert.

Aus dem Film Fitna von Wilders

Wie anstelle des Videos bei LiveLeak mitgeteilt wird, habe man den Film aufgrund von nicht näher benannten Drohungen gegenüber den Mitarbeitern vom Netz genommen. Man habe keine andere Wahl gehabt, heißt es in dem Statement, das sei ein schlechter Tag für die Meinungsfreiheit. Allerdings ist der Film dutzendfach auf YouTube (wenn auch meist nur für Internetnutzer, die sich angemeldet haben) und auf vielen anderen Webseiten zugänglich. Henryk Broder, der muntere Kämpfer für die anti-islamische "Achse des Guten", gibt auch einen Link zum Film an.

Statement von Liveleak

Muslime in den Niederlanden sind ruhig geblieben und haben Muslime in anderen Ländern gebeten, nicht gegen holländische Botschaften und Bürger vorzugehen. Der niederländische Regierungschef, der den Film als unnötige Provokation verurteilt hat, zeigte sich erfreut über die ruhige Reaktion der muslimischen Bürger. Wilders wird auch von unerwarteter Seite kritisiert. So fordert der dänische Karikaturist Kurt Westergaard, dass seine Mohammed-Karikatur mit der Zündschnur im Turban aus dem Film entfernt werden muss. Er sei von Wilders nicht um Erlaubnis gefragt worden. Wilders scheint auch den Radiojournalisten Robbie Muntz nicht gefragt zu haben, der nun klagen will, weil Teile eines von ihm geführten Gesprächs mit Theo von Gogh in Fitna auftaucht. Und auch der Rapper Salah Edin droht mit einer Klage, weil Wilders ihn als den Mörder von van Gogh zeigt.

Bei der Auseinandersetzung um den Film wird von den islamophoben Parteigängern Wilders weniger der Inhalt des Films diskutiert, sondern meist nur die Behauptung der Meinungsfreiheit ins Feld geführt. Gelegen kommt da nun, dass LiveLeak das Video vom Netz genommen hat. Daran sehe man, welche Macht die Muslime bereits haben. Angefangen von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sehen viele in dem Film allerdings weniger als einen Fall für die Meinungsfreiheit, sondern als einen Aufruf zur Gewalt und eine Hasspropaganda. Auch die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Louise Arbour, verurteilte den Film. Von der slowenischen EU-Präsidentschaft wurde erklärt, der einzige Zweck des Filmes sei es, Hass zu schüren. Meinungsfreiheit beinhalte den Resprekt vor anderen Religionen, Traditionen und Werten. (fr)

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