Livestream aus dem Körper: Magenspiegelung mit Kamerapille und Magnet

Das vom Bundesforschungsministerium mit 1,77 Millionen Euro geförderte Projekt "nuEndo" soll Medizinern helfen, eine Endoskopie schonender durchzuführen.

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Das Prinzip der Kamerapille kommt auch beim Fraunhofer-Projekt Endotrace für Darmspiegelungen zum Einsatz.

(Bild: Fraunhofer IZM/Volker Mai)

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Eine herkömmliche Magenspiegelung wird von Behandelten oft als sehr unangenehm empfunden und kann unerwünschte Folgen haben. Ein im September gestartetes Forschungsprojekt soll die Prozedur für Patienten deutlich angenehmer machen und Gefährdungen verringern: Für eine Endoskopie soll der Patient eine Kamerakapsel schlucken, die von außen mit einem magnetischen System gesteuert wird.

Das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) sieht das vom Bundesforschungsministerium mit knapp 1,77 Millionen Euro geförderte Vorhaben "nuEndo" als einer der Partner nach den ersten Monaten Laufzeit auf gutem Weg. Die Arbeit an der miniaturisierten Kapsel sei in vollem Gange, um "die diagnostische Magenspiegelung mit flexiblen Endoskopen durch ein vollkommen kabelloses Verfahren" zu ersetzen.

Es sei geplant, dass die Kapselendoskopie vom hausärztlichen Fachpersonal ohne Narkose durchgeführt werden könne, heißt es beim IZM. "Nachdem Betroffene die Kapsel geschluckt haben, dauert es circa 20 Sekunden, bis sie im Magen ankommt und die Untersuchung starten kann." Jörg Albert, Chefarzt am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart und Klinikpartner des Projekts, ist sich bereits sicher: Durch das "nichtinvasive und schmerzfreie Verfahren wird eine diagnostische Magenspiegelung schon bei geringerem Leidensdruck für Patienten akzeptabel".

Für einige Erkrankungen sei es aber nötig, anschließend doch noch eine Untersuchung mit einem herkömmlichen Schlauchendoskop durchzuführen, da diese höher aufgelöste Bilder liefere, hieß es weiter. Für eine gängige Endoskopie ist mehrjährig geschultes Fachpersonal nötig. Durch den natürlichen Würgereflex beim Schlucken des Schlauchs kann es zu Verletzungen kommen. Nachfolgende Blutungen und Keimeinschleppungen sind keine Seltenheit. Auch die oft durchgeführte Vollnarkose birgt Risiken.

Die zunächst bis 2022 laufende Forschungsinitiative koordiniert das Medizintechnikunternehmen Ovesco Endoscopy. Zu den weiteren Partnern zählt das Startup Sensodrive, das aus dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hervorgegangen ist und die externe magnetische Steuerung entwickelt. Die Partner hoffen, dass mit nuEndo die Hemmschwelle der Betroffenen sinkt und notwendige Untersuchungen etwa bei Schmerzen im oberen Bauchraum nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden.

Das Kapselverfahren wird seit mehreren Jahren auch für Darmspiegelungen eingesetzt. Das Fraunhofer IZM war dabei zuletzt mit Ovesco Endoscopy und AMS am Forschungsprojekt Endotrace beteiligt, das eine bonbongroße Pille mit fünf Kameras, einer LED-Lichtquelle und weiterer Elektronik entwickelt hat. (vbr)