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"Living Lab": Uni-Projekt untersucht Alltag in vernetzten Städten und Wohnungen

Im Chemnitzer "Living Lab" untersuchen Forscher der TU Chemnitz, wie sich Menschen unterschiedlichen Alters ein vernetztes Leben in Zukunft vorstellen.

"Living Lab": Chemnitzer Uni-Projekt untersucht Alltag in vernetzten Städten und Wohnungen

Chemnitzer Innenstadt

(Bild: C MB 166 - CC BY-ND 2.0 )

Balkonpflanzen, die per Smartphone-Nachricht "Gieß mich" fordern, oder ein Briefkasten, der während des Urlaubs der Nachbarn seinen Füllstand angibt: Mit dem Internet der Dinge sind solche Szenarien längst möglich. Damit die Technik aber nicht nur um ihrer selbst willen entwickelt wird, erkunden Wissenschaftler der TU Chemnitz derzeit, was im Alltag tatsächlich genutzt wird.

Dafür hat eine interdisziplinäre Nachwuchsforschergruppe aus zwei Designern, einem Ingenieurwissenschaftler, zwei Informatikern und einem Soziologen ein "Living Lab" (lebendiges Labor) in der Chemnitzer Innenstadt eingerichtet. Seit Anfang Juni kamen die Wissenschaftler mit mehr als 100 Chemnitzern jeden Alters in Workshops, Vorträgen und Gruppendiskussionen ins Gespräch, sagt Projektleiter Arne Berger.

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"Ein zentraler Aspekt dabei ist das Thema Nachbarschaft", so der promovierte Designforscher. Ziel des fünf Jahre laufenden Projekts sei es, herauszufinden, wie technische Entwicklungen helfen könnten, das Miteinander in Mietshäusern, Nachbarschaften und Städten zu fördern. Das Bundesforschungsministerium unterstützt das Vorhaben mit 2,5 Millionen Euro.

In dem Stadtlabor in unmittelbarer Nähe zum Rathaus sollen die Chemnitzer verraten, welche technischen Neuerungen sie im Alltag gebrauchen könnten – und welche nicht. "Was sind wirkliche lebensweltliche Probleme, bei denen wir mit Technik ansetzen können, wo sollten wir sie bewusst weglassen?", erklärt Berger.

Gerade in der Zusammenarbeit mit älteren Probanden zeigten sich deutlich die Vorbehalte, so Projektkoordinator Andreas Bischof. Zwar wollen viele so lang wie möglich in den eigenen vier Wänden leben, gern auch mittels technischer Hilfsmittel. "Eine Totalüberwachung wollen die Menschen aber nicht", meint er. "Zudem ist es vielen wichtig, die verschiedenen technischen Möglichkeiten trotz aller Automatisierung noch selbst steuern zu können und damit die Kontrolle zu behalten." Auch Datenschutz sei ein Thema.

So ist Rentnerin Brigitte Würz Kameras gegenüber skeptisch, wie sie den Forschern erzählt. Eine sensorgesteuerte automatische Bewässerungsanlage für Grünpflanzen hingegen fände sie toll. "Ich finde es gut, dass auch wir Älteren gefragt sind. Ich bin sehr interessiert an Technik, aber im Gegensatz zu den Jüngeren bin ich nicht hineingewachsen", sagt die 67-jährige Chemnitzerin.

Um den Menschen die Technologie näher zu bringen, haben die Wissenschaftler unter anderem zwei Würfel entwickelt, die über Sensoren miteinander kommunizieren können. Legt man auf eines der Geräte eine warme Hand, leuchtet oder vibriert der zweite Würfel. "Auf diese Weise wird auch ohne technischen Hintergrund erfahrbar, wie diese Technik funktioniert", so Berger.

Gleiches Prinzip, anderes Werkzeug: Im "Living Lab" können Probanden mithilfe von Lego in das Internet der Dinge eintauchen. Anhand des Smart Home als Lego-Modell diskutieren die Forscher mit den Teilnehmern, wie das Idealbild eines technikgestützten Wohnhauses aussehen könnte. Die aufgezeichneten Gespräche werden anschließend für den weiteren Forschungsprozess ausgewertet. Mit ersten vorzeigbaren Ergebnissen ist laut der Forscher im kommenden Jahr zu rechnen. (dpa) / (acb)

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