London: Kampagne gegen Diebstahl von schlüssellosen Autos

Eine Aktionswoche der Londoner Polizei soll Fahrer von schlüssellosen Autos auf die Gefahr von Diebstählen aufmerksam machen. Dafür gibt es einen guten Grund: Mehr als 40 Prozent aller Autodiebstähle in der Hauptstadt betreffen moderne Autos.

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(Bild: dpa, Britta Pedersen)

Von
  • Kristina Beer

Mit einem Knopfdruck startet das Auto oder wird ohne einen Schlüssel geöffnet. Was für die Fahrer von elektronisch gesicherten Autos äußerst bequem ist, ist auch für Diebe reizvoll. Mit Diagnosetools aus Autowerkstätten oder dem Anzapfen des OnBoard-Diagnose-Ports (OBD) knacken die Diebe Autos, ohne dabei groß aufzufallen oder größere Schäden zu verursachen. Das Geschäft läuft anscheinend so gut, dass die Londoner Polizei jetzt eine neue Sicherheitskampagne gestartet hat.

Die Operation "Endeavour" wird mit den Worten: "Sichere dein schlüsselloses Auto, wie du dein Heim schützen würdest" propagiert und umfasst Maßnahmen wie Überwachungen an Straßen durch Polizeibeamte und Undercover-Aktionen. Die Kampagne hält aber auch Tipps bereit, wie ein schlüsselloses Auto besser zu sichern sei.

2014 wurden in London insgesamt 6283 schlüssellose Autos gestohlen, rund 17 Autos pro Tag. 40 Prozent der Autodiebstähle betrafen schlüssellose Fahrzeuge. Es wurden sowohl luxuriöse schlüssellose Autos als auch Vans gestohlen. Unter den besonderes betroffenen Autos sind laut Engadget Ford Fiestas, einige Oberklassewagen von BMW und Land Rover. Dass BMW auf der Hitliste der gestohlenen Autos steht, dürfte das Unternehmen nicht freuen. Die c't und der ADAC haben erst in der vergangenen Woche auf eine Sicherheitslücke in den BMW-System ConnectedDrive aufmerksam gemacht, die den Diebstahl von BMWs begünstigt.

Die Londonder Polizei arbeitet eigenen Angaben zufolge mit Autoherstellern zusammen, die besonders beklagen, dass Personal aus Autowerkstätten die Diagnose- und Reparaturtools für Diebstähle missbraucht. So werden die OBD-Ports angezapft und mit den heruntergeladenen Informationen der Autos die elektronischen Schlüssel kopiert. Laut der Polizei werden auf diese Weise die meisten Diebstähle ausgeführt.

Die in London gestohlenen Autos werden in der Regel aus der City in die umliegenden Regionen gefahren, dort ausgeschlachtet oder für die Ausfuhr in andere Länder wie etwa Afrika vorbereitet. Die Behörden raten für die Sicherung der smarten Autos zu Lenkradschlössern, Gangschaltungssperren, OBD-Schlössern und Peilsendern. Außerdem sollten die Londoner ihre Autos an gut beleuchteten Plätzen parken und besonders zwischen 22 Uhr und 4 Uhr morgens von Sonntags bis Donnerstags auf ihre Autos achten, da besonders in diesen Zeiträumen viele Autodiebstähle zu verzeichnen sind.

Mit ihren Aktionen will der MPS die Zahl der Diebstähle bis 2016 um 20 Prozent senken. Die jetzt beworbenen Maßnahmen können Diebe natürlich abschrecken. Allerdings verpufft damit auch ein großer Effekt, den sich die Autohersteller von smarten Autos erhofft haben. Ein völlig bequemes Auto, das sich ohne viele Handgriffe öffnen lässt oder losfährt, ist ein Auto mit Lenkradschloss oder Gangschaltungssperre nicht mehr. (kbe)