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Londoner Polizisten zwingen Touristen zum Löschen von Bus-Fotos

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Die Londoner Doppeldeckerbusse sollen nach Meinung zweier Polizisten nicht fotografiert werden.

(Bild: Salim Virji (CC 2.0 by-sa))

Am Montag vor Ostern wurden die zwei Wiener Touristen Klaus Matzka und sein Sohn Loris im Stadtteil Walthamstow von zwei Polizisten beim Ablichten einiger dort verkehrender Doppeldeckerbusse beobachtet. Danach sollen die Beamten die beiden Österreicher gezwungen haben, alle auf ihren Digitalkameras gespeicherten Fotos vorzuzeigen und jene zu löschen, die mit Verkehr zu tun hatten. Darunter waren nicht nur Bilder der Autobusse, sondern auch der U-Bahn-Sation Vauxhall und des Busbahnhofs im gleichen Stadtteil. Es sei nämlich strikt verboten, irgendwelche Verkehrseinrichtungen zu fotografieren, erklärten die Ordnungshüter.

Zudem wurden die Personalien samt Passnummern und Hoteladresse aufgenommen. "Die Löschungen waren nicht nur eine erzwungene Zerstörung unseres Eigentums, sondern auch ein Eingriff in unsere Privatsphäre", schrieb der verärgerte Matzka senior an Guardian.co.uk. "Ich verstehe die Notwendigkeit von Aufmerksamkeit in einer Ära des Terrorismus. Aber ist es nicht naiv zu glauben, dass Terrorismus durch das Terrorisieren von Touristen verhindert werden kann?"

Matzka will keine offizielle Beschwerde einreichen, aber er hätte eine Entschuldigung der britischen Polizei erwartet. Diese sei jedoch bislang ausgeblieben, sagte er gegenüber heise online. Er habe gehört, dass die beiden Polizisten den Vorfall in Abrede stellten. Zur Vermeidung ähnlicher Vorfälle wäre eine offizielle Bestätigung der Polizei hilfreich, dass es nicht verboten sei, öffentliche Verkehrsmittel zu fotografieren, meint der Wiener. Gegenüber dem Guardian hatte die Polizei mitgeteilt, von keinem solchen Verbot zu wissen.

Jenny Jones, Mitglied der Aufsichtsbehörde Metropolitan Police Authority und Grüne Abgeordnete des London Assembly, hat gegenüber dem Guardian angekündigt, die Angelegenheit mit Polizeichef Sir Paul Stephenson zu besprechen. Sie habe ihm bereits einen Brief über verschiedene Vorfälle, bei denen die Polizei Kameras beschlagnahmt und Bürger am Fotografieren gehindert hatte, geschrieben. "Dies ist ein weiteres Beispiel, wie die Polizei ihre Anti-Terror-Befugnisse komplett überzieht", meint Jones. "Sie nutzen sie in einer total unangebrachten Weise." (Daniel AJ Sokolov) / (jes)

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