Long Term Evolution: T-Mobile zeigt in Tirol die nächste Mobilfunkgeneration

"Soweit wir wissen, ist dies das größte LTE-Netz der Welt": T-Mobile Austria führt für die Telekom umfangreiche Versuche mit LTE und einem Glasfasernetz für die Anbindung der Sendestationen durch.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 55 Beiträge
Von
  • Daniel AJ Sokolov

Aus dem Kofferaum eines der LTE-Demonstrationsfahrzeuge (ein VW-Kleinbus): Die Batterien dienen der Stromversorgung des Modems (der graue Kasten links).

(Bild: heise online / Daniel AJ Sokolov)

T-Mobile Austria führt derzeit in der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck für den gesamten Deutsche-Telekom-Konzern umfangreiche Versuche mit der nächsten Mobilfunkgeneration LTE (Long Term Evolution) und einem Glasfasernetz für die Anbindung der Sendestationen durch. Neudeutsch wird die Kombination als Next Generation Mobile Network (NGMN) bezeichnet. "Soweit wir wissen, ist dies das größte LTE-Netz der Welt", sagte Christian Laqué, Netzwerk-Vizechef bei T-Mobile Austria. Der Techniker betonte, dass netzseitig bereits kommerzielle Hardware und keine Laborgeräte zum Einsatz kommen. Der Ausrüster ist Huawei.

Seit etwa zwei Monaten ist in der Stadt am Inn ein LTE-Netz mit 20 Sendestandorten zu je drei Sektoren in Betrieb. Am gestrigen Montag wurde es erstmals einer Schar Journalisten präsentiert. Zu den in durch die Stadt fahrenden Fahrzeugen demonstrierten Fähigkeiten des Netzes gehörten mehrere parallele High-Definition-Streams, der Aufruf diverser Webseiten, Down- und Uploads großer Dateien sowie Videokonferenzen, wobei zwei Partner getrennt unterwegs waren und ein Dritter von einem fixen Standort zugeschaltet war. Im Zuge der Testfahrt des Autors wurden im Download bis zu gut 35 Mbit/s, im Uplink bis zu gut 32 Mbit/s erreicht. Die Roundtriptime (RTT) zu einem im Wiener Hauptquartier von T-Mobile installierten Server betrug rund 21 ms.

Bei einem LTE-Showcase vor einigen Wochen im Wiener Hauptquartier selbst hatte die Verzögerung gar nur 4 ms betragen. Vier Endgeräte erreichten damals in einer Zelle zusammengenommen 130 MBit/s. Bei der Bonner T-Mobile-Zentrale besteht seit vergangenem Jahr eine Teststellung von Nortel mit je einem Sendestandort auf den beiden Ufern des Rhein. Dort wurden Übertragungsraten von bis zu 150 Mbit/s vorgeführt. Im kommerziellen Ausbau sollen Endkunden 30 bis 40 Mbit/s übertragen können, auch wenn noch andere Nutzer in der gleichen Zelle aktiv sind.

Als Standorte für die Innsbrucker Sender wird ein Teil des bestehenden 3G-Netzes verwendet. Gefunkt wird mit 20 MHz breiten Trägersignalen im Bereich 2,6 GHz. Für den Backhaul (Anbindung der Sendestandorte an den Backbone) haben die Innsbrucker Kommunalbetriebe unbeleuchtete Glasfaserleitungen (Dark Fibre) zur Verfügung gestellt. Diese wurden von T-Mobile mit 200 Mbit/s beschaltet. Das gut ausgebaute Glasfasernetz ist auch der Hauptgrund, warum Innsbruck als Testfeld gewählt wurde. Die Frequenzen stehen aber nur für einen beschränkten Zeitraum für Testzwecke in Wien und Innsbruck zur Verfügung. Hinzu kommt, dass die Endgeräte bislang unhandliche Quader mit noch zu optimierendem Stromverbrauch sind. Aus diesen Gründen lässt ein Friendly User Test mit "normalen" Nutzern noch auf sich warten.

Bevor es zu einer kommerziellen Einführung kommen kann, muss die Frequenzfrage geklärt werden. Die österreichischen Netzbetreiber wünschen sich eine Umwidmung ("Refarming") der bislang für GSM reservierten Frequenzen um 900 und 1800 MHz noch vor dem Auslaufen der aktuellen Frequenznutzungsrechte 2015. Der Vorteil dabei wäre, dass das bestehende Netz aus Sendestandorten, Antennen und Leitungen im Wesentlichen weiter genutzt werden könnte. Der teure und häufig unpopuläre Aufbau neuer Sendestandorte würde reduziert. Der juristische und wirtschaftliche Weg zum Refarming ist aber umstritten.

Klar ist, dass diese Frequenzkapazitäten nicht ausreichen werden. Für ländliche Gebiete möchten die Netzbetreiber auf die im Rahmen der Abschaltung der analogen TV-Sender freiwerdenden Frequenzbereiche um 800 MHz zugreifen ("Digitale Dividende"). Das 2,6-GHz-Band, in dem jetzt getestet wird, eignet sich vorrangig für sogenannte Femtozellen für die Versorgung von Innenräumen und möglicher Weise für sehr dicht besiedelte Stadtteile.

Bis Frequenzen und Endgeräte klar gemacht sind, wird auch T-Mobile Austria – entgegen ursprünglicher Pläne – das UMTS-Netz mit HSPA+ (bis 28,8 Mbit/s im Downlink) ausreizen. Der Mobilfunk-Anbieter wartet hier nach eigenen Angaben aber noch auf ausreichende Stückzahlen zuverlässiger Endgeräte. (Daniel AJ Sokolov) (jk)