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Lootboxen: ESRB will alle Videospiele mit Mikrotransaktionen kennzeichnen

Das Entertainment Software Rating Board will künftig alle Videospiele, die Mikrotransaktionen beinhalten, kennzeichnen. Differenzieren wird der Pauschal-Sticker aber nicht. Auch die Einschätzung des ESRB zu Lootboxes ist ernüchternd.

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Lootboxen in Battlefront 2

(Bild: heise online)

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Die US-amerikanische Regulierungsorganisation für Videospiele ESRB will künftig alle Spiele kennzeichnen, in denen Mikrotransaktionen vorkommen. Wie das Spiele-Blog Kotaku berichtet, spielt es für das Entertainment Software Regulation Board dabei keine Rolle, um welche Art der Mikrotransaktion es sich handelt. Die Kennzeichnung wird stattdessen einfach auf jeden Titel gepappt, der Inhalte im Spiel gegen Echtgeld anbietet. Dabei kann es sich um Lootboxes, kleine Zusatzinhalte wie Kostüme, vollwertige Inhalts-Erweiterungen oder sogar den digitalen Soundtrack handeln.

Bei einem Blick auf die Spiele, die in den vergangenen Monaten und Jahren in den Handel kamen, fällt schnell auf: So ein Sticker würde praktisch alle von ihnen betreffen. Denn die neue ESRB-Kennzeichnung differenziert nicht ausreichend. Ingame-Zahlungen sind nicht per se schlecht. Große Erweiterungspakete etwa können für mehrere Stunden zusätzlichen Spielspaß sorgen – im Gegensatz dazu stehen Mikrotransaktions-Farmen wie 2Ks NBA 2k18, wo man sogar für einen Haarschnitt mit Ingame-Währung zahlen muss, die auch für Echtgeld angeboten wird. Alle Formen der Mikrotransaktionen über den gleichen Kamm zu scheren, verharmlost die schlimmeren Übeltäter, befürchten Kritiker.

ESRB-Präsidentin Patricia Vance erklärte den undifferenzierten Pauschal-Sticker im Gespräch mit Kotaku damit, dass er vor allem als Orientierung für die Eltern gedacht sei: "Eltern brauchen einfache Informationen. Wir können sie nicht mit Details überfordern." Ein nachvollziehbarer Gedanke. Doch was haben Eltern davon, wenn künftig einfach auf jedem Spiel derselbe Sticker klebt?

Ähnlich enttäuschend fällt auch die Einschätzung des ESRB zu Lootboxen, käuflichen Inhaltspaketen mit zufälligen Inhalten, aus. "Wir haben uns angeschaut, ob Lootboxen Glücksspiel sind", sagte Vance im Gespräch mit Reportern. "Wir glauben nicht, dass das so ist. Wir halten Lootboxen für eine spaßige Art, virtuelle Gegenstände für Spiele freizuschalten." Ob Lootboxen zum Glücksspiel zählen, ist umstritten. In Deutschland wird die Einordnung aktuell von den Landesmedienanstalten geprüft.

Das ESRB übernimmt in den USA und Kanada in etwa die Aufgaben, die in Deutschland die USK ausführt. Sie bewertet Videospiele nach deren Eignung für Kinder und Jugendliche. Die Einstufung durch das ESRB ist zwar freiwillig, in der Industrie aber Standard. Während die USK unabhängig ist, gibt es beim ESRB klare Verbindungen zur Videospiel-Industrie. Das Rating-Board ist eine Tochtergesellschaft des Branchenverbands ESA, dem große Publisher wie Electronic Arts, Nintendo oder Microsoft angehören. (dahe)