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Lotusphere: IBM erläutert Pläne für Lotus Notes und Domino

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Die am gestrigen Dienstag veröffentlichte Beta 3 von Lotus Notes/Domino 7 ist nun feature complete, enthält also alle Funktionen des endgültigen Produktes, das im Sommer dieses Jahres erscheinen soll. Die Integration in IBM Workplace kommt dabei schneller voran, als ursprünglich geplant. IBM hebt bei den Domino-Servern vor allem auf eine bessere Administrierbarkeit und eine höhere Performance ab; beide Massnahmen dienen vor allem dazu, die Kosten zu senken. Die Performance-Steigerungen fallen besonders dramatisch bei der Linux-Version ins Auge. Diese jüngste Domino-Version bietet naturgemäß das größte Optimierungspotenzial. Während IBM für Windows eine Erhöhung der Benutzerzahlen pro Server in der Größenordnung von 70% bei gleichzeitiger Minderbelastung der CPU nennt, liegen die Steigerungen für Linux bei der aktuellen Beta schon über 200%. Arthur Fontaine, Senior Offering Manager Notes und Domino, stellt in Aussicht, dass mit Version 7 nicht mehr Windows die schnellste Intelplattform für Domino bereitstellt, sondern Linux. Sollte sich diese Voraussage bewahrheiten, dann könnte sich IBM bemühen, Kunden zu einer Migration von Windows nach Linux auf der gleichen Hardwareplattform zu bewegen.

Wie bei der Eröffnungsveranstaltung der Lotusphere vorgestellt, wird sich Notes zukünftig mittels eines Plugins in den Workplace Rich Client einbetten lassen. Mit Notes 7 setzt dies jedoch eine vorhandene Notes-Installation auf dem Client voraus, die dann mittels des zusätzlich zu installierenden Plugins eingebettet wird. Da Notes 7 zunächst nur für Windows erscheinen wird, funktioniert diese Einbettung zunächst nur unter Windows. Die zweite Notes-Platform Mac OS X stand zunächst zur Disposition. Der aktuelle Mac-Client 6.5 ist nicht mehr auf dem gleichen Level wie die Windows-Version, da er zum Beispiel keinen eingebettete Instant-Messaging-Komponenten hat. Im August erklärte IBM schließlich, dass man nun doch eine Version 7 für Mac OS X entwickeln werde, mit voller Funktionsparität zu Windows. Einem Linux-Client wurde weiterhin eine Absage erteilt.

Hier öffnet sich eine interessante Lücke in der Produktstrategie, die IBM schließen muss, wenn sie andere Versprechen einhalten wollen. Der Workplace Client soll nämlich auf drei Plattformen lauffähig sein: Zunächst Windows, dann Linux, dann Mac OS X. Will IBM einen weiterentwickelten Notes-Client spätestens zur Notes-Version 8 auf Basis von Workplace anbieten, der eine volle Lauffähigkeit aller Notes-Anwendungen gewährleistet, dann ist die aktuelle Lösung nicht gangbar. IBM muss alle Notes-Subsysteme auf allen drei Plattformen bereitstellen, um einen Offline-Betrieb von Notes-Anwendungen zu gewährleisten. Für Mac OS X existieren bereits die meisten Client-Komponenten, für Linux gibt es die Server-Komponenten, aber keine Benutzeroberfläche. Die muss für Linux aber ebenfalls geschaffen werden, damit die entsprechenden Anwendungselemente dargestellt werden können. Verbindet man diese Anforderungen, dann ist IBM nur eine Haaresbreite von einem vollständigen Notes-Client für Linux entfernt, eine Option, die bisher stets verneint wurde.

An dieser Stelle wagen wir eine Spekulation: Die bisher formulierte Strategie lautet, dass Notes 8 auf Workplace aufbaut und dann für Windows, Linux und Mac OS X angeboten wird. Dennoch müssen Zweifel erlaubt sein, dass es IBM tatsächlich gelingt, die Kunden von der Nützlichkeit dieser Lösung zu überzeugen. Es gibt eine Reihe von Notes-Anwendern, die an einer Workplace-Infrastruktur nicht interessiert sind. Diese Kunden kann IBM nur mit nativen Notes-Clients zufrieden stellen. Sollte IBM an einem solchen "Plan B" arbeiten, dann wäre es keine sonderliche Überraschung, wenn plötzlich jemand einen Linux-Client aus dem Hut zaubert. (Volker Weber) (jk)

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