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Lotusphere: IBM feiert sich selbst

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IBM feiert sich selbst mit der Devise "Lotus is back". Voller Selbstbewusstsein verkündete Lotus-Chef Ambuj Goyal bei der Eröffnungsveranstaltung der diesjährigen Lotusphere in Orlando ein zweistelliges Umsatzwachstum für 2004 in einem verhaltenen Markt sowie 1500 neue Kunden, die von konkurrierenden Plattformen zu Lotus Notes gewechselt seien.

Ray Ozzie, einer der Notes-Erfinder, wurde auf der Lotusphere mit Standing Ovations gefeiert. (Foto: Ute Breitinger)

Traditionell tritt bei der Eröffnung der Lotusphere stets ein Gastredner auf, der die Zuhörer ein wenig aufwärmt -- dieses Jahr war diese Rolle bestens besetzt durch Monty-Python-Star John Cleese. So richtig Stimmung kam jedoch erst auf, als überraschend Ray Ozzie, einer der Notes-Erfinder, die Bühne betrat. Nach lang anhaltenden Standing Ovations bot er einen anekdotenhaften Überblick der 15-jährigen Notes-Geschichte und einen Ausblick auf die Zukunft. Als IBM im Jahr 1995 Lotus aufkaufte, gab es rund 2 Millionen Notes-Benutzer. Mit dem gleichzeitigen Durchbruch des Webbrowsers wurde Notes totgesagt; dann kam alles doch ganz anders. 2000 hatte IBM immerhin schon mehr als 56 Millionen Lizenzen verkauft und aktuell sollen es 118 Millionen sein. Goyal nimmt als Ziel für Lotus Notes und IBM Workplace nun die Marke von 200 Millionen ins Visier.

Vor drei Jahren hatte IBM die Zukunft von Notes und Workplace noch als zweispurige Autobahn gezeichnet. Auf der einen Spur sollte das eingeführte Produkt Notes weitergeführt werden, auf der anderen eine neue, damals noch "NextGen" genannte Plattform aufgesetzt werden. Der damalige Chef Al Zollar schockte die Kunden mit der Aussage "Die Zukunft von Lotus liegt in J2EE", ohne dieser Aussage zu etwas Substanz verhelfen zu können. Die damit geschürte Unsicherheit unter den Notes-Kunden nutzte Microsoft weidlich aus. IBM bemüht sich mittlerweile sichtlich, und das anscheinend durchaus mit zunehmendem Erfolg, der Stammkundschaft die Sorgen um das Weiterbestehen der Plattform zu nehmen.

Goyal hob erneut explizit auf eine Microsoft-Kampagne ab, die Lotus-Kunden zu überzeugen versuche, sie müssten ohnehin wechseln: "Nothing could be further from the truth. Repeat: Nothing could be further from the truth." Notes sei ein Mitglied der neuen Workplace-Familie und werde weiterentwickelt. Als Beispiel nannte Goyal das Notes-Plug-in für die auf Eclipse basierenden Workplace Client Platform, das nun bereits mit der Notes-Version 7 in diesem Jahr ausgeliefert werde statt wie noch letztes Jahr angekündigt mit Version 8. Dieses Plug-in kapselt einen vollständigen Notes-Client, sodass ein Workplace Client damit bestehende Notes-Anwendungen ausführen kann, inklusive der bestehen Mail- und Kalenderfunktionen.

Die zugehörigen Server setzen auf WebSphere respektive WebSphere Portal auf. Während die Versionen 1.x und 2.0 der Workplace Server von den Business-Partnern noch sehr verhalten aufgenommen wurden, kam der eigentliche Durchbruch mit dem vor wenigen Monaten vorgestellten Workplace Services Express 2.0 (WSE), das sich nach IBM-Angaben innerhalb von 30 Minuten von 3 CDs installieren lässt. Im zweiten Quartal will IBM eine Version 2.5 liefern, die als "Workplace Collaboration Services" nicht an den Bedürfnissen der SMB-Kunden, zu denen IBM durchaus auch Unternehmen mit mehr als 5000 Mitarbeitern zählt, ausgerichtet ist, sondern eine hoch skalierbare Lösung bieten soll.

Mit mehr als 5000 Teilnehmern kann IBM die Lotusphere wieder einmal als Erfolg verbuchen. Während andere Veranstaltungen der IBM Software Group mehrfach umbenannt (IBM Solutions), mit eigenen Mitarbeitern ausstaffiert und dann eingestellt (IBM developerWorks) wurden, lockt die Lotusphere weiterhin eine große Zahl von Teilnehmern. Goyal sprach davon, dass dieses Jahr 40 Prozent mehr Business-Partner teilnehmen als noch 2004. Ex-Lotus-CEO Mike Zisman brachte es mit einem Gates-Zitat auf den Punkt: "Wir überschätzen stets den kurzfristigen Fortschritt, aber wir unterschätzen zugleich den langfristigen Erfolg." (Volker Weber) / (jk)

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