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Lotusphere: Lotus detailliert Pläne für Notes und Domino

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Die alljährliche Lotusphere ist für IBM stets eine gute Gelegenheit, eine Roadmap für die nahe Zukunft von Notes und Domino zu beschreiben. Entgegen anders lautender Gerüchte meldet Lotus ein seit 13 Quartalen kontinuierlich wachsendes Notes-Geschäft und entwickelt das Produkt entsprechend weiter. Für 2008 stehen zwei neue Releases ins Haus: Im Februar soll die Version 8.0.1 erscheinen, mithin ein Maintenance Release von 8.0, das jedoch entgegen dem üblichen Gebaren zusätzliche Funktionen nachliefert, die bis zum Erscheinen von 8.0 im August letzten Jahres nicht fertig wurden. In der zweiten Jahreshälfte steht dann 8.5 ins Haus, das vor allem Erweiterungen des Domino-Server mit sich bringen wird. Für den Zeitraum 2009/2010 plant Lotus die Nachfolgegeneration, die noch keinen Namen trägt, aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit 9.0 heißen wird.

Notes 8.0.1 bringt vor allem eine Traveler genannte Unterstützung mobiler Geräte mit Windows Mobile 5 und 6, die im Produkt enthalten ist und nicht zusätzlich lizenziert werden muss. Der Funktionsumfang sowie die Architektur gleicht weitgehend dem von Microsoft für Exchange gelieferten ActiveSync. Der Domino-Server erhält einen zusätzlichen Task, der mit einer Client-Komponente im Smartphone über TCP/IP---Sockets kommuniziert und bei Bedarf Mails, To-Dos, Termine und Adressen auf das Gerät schiebt bzw. von dort abholt. Als Formate verwendet Lotus dabei die üblichen Verdächtigen wie RFC822 für Mails, vCard für Adressen und iCal für Termine. Zunächst soll nur Windows Mobile unterstützt werden, die Architektur lässt jedoch eine weitgehend problemlose Erweiterung auf andere Smartphones, etwas Symbian-Geräte, zu. Lotus versteht Traveler als eine Einstiegsangebot für Kunden, die keine spezialiesierten Lösungen, etwa RIM BlackBerry, Motorola Good oder Nokia IntelliSync anschaffen wollen.

Mit Widgets lässt sich eine allzu schlichte Notes-Sidebar bevölkern.

Die Sidebar von Notes lässt sich mit 8.0.1 um iWidgets und Google Widgets erweitern. Lotus demonstrierte etwa Widgets, die Fluginformationen zu in E-Mails vorkommenden Flugnummern anzeigen können, sowie allerlei Klimbim aus dem Widgets-Fundus von Google.

Auf der Serverseite wird 8.0.1 eine komprimierte Speicherung von Datenbanken mitbringen, die den Speicherbedarf um etwa ein Drittel senken soll. Darüber hinaus wurde auch die Webmail-Vorlage Domino Web Access (DWA) weiterentwickelt. Sie gleicht nun sehr stark dem gelungenen Design von Notes 8.0. Eine alternative, abgespeckte Lite-Version soll auch bei schmalbandigen Verbindungen über GPRS oder Modem eine zügige Bedienbarkeit gewährleisten. Der Benutzer kann jederzeit zwischen beiden Darstellungsformen wechseln. Für das iPhone stellte Lotus auf der Lotusphere zusätzlich eine nochmal abgespeckte Version, immerhin mit Mail, Kalender und Adressen vor.

Mit 8.0.1 unterstützt IBM nun für den Notes-Client offiziell auch Citrix 4.5, das von einigen IBM-Kunden eingesetzt wird. Die angekündigte Ubuntu-Zertifizierung scheint sich jedoch zunächst nur auf den Server zu erstrecken. Mac OS X bleibt ebenfalls zunächst außen vor. IBM hat eine öffentliche Beta gestartet, das Vollprodukt wird aber erst mit 8.5 erwartet. Dabei steht heute schon fest, dass Notes 8.5 nur auf Leopard (OS X 10.5) laufen wird, die Eclipse-Version dabei nur auf Intel-Prozessoren. Lediglich die Basic Edition genannte traditionelle Notes-Oberfläche wird auch auf PowerPC-Leoparden reiten. Ebenfalls mit 8.5 soll dann der Ubuntu-Desktop folgen und die Angebote auf RedHat Enterprise Linux und Suse Enterprise Desktop komplettieren.

Der Domino-Server 8.5 wird einige – lang überfällige – umwälzende Neuerungen bringen. Es wird erstmals möglich sein, den Zertifikatsspeicher Notes.ID auf dem Server in einem sognannten Vault (Tresor) zu speichern und damit bei Notes traditionell schwierige Support-Fälle wie "vergessenes Passwort" zu lösen. Windows-Anwender werden sich ohne Single-Signon-Verrenkungen direkt bei Notes anmelden können und brauchen ihr Passwort in Zukunft nur noch in Windows zu ändern. Darüber hinaus wird Lotus auch die Reduzierung des Domino Directory auf eine reine Konfigurationsdatenbank ermöglichen. Alle anderen Daten lassen sich dann aus einem LDAP-Verzeichnis, unter anderem auch von Active Directory beziehen.

Zur weiteren Reduzierung des Speicherbedarfs für die Postfächer lassen sich Anhänge in Zukunft automatisch aus den Mails extrahieren und in einem eigenen Speicherbereich unterbringen. Damit findet sich ein Anhang, der in einer Mail an mehrere Emfänger geschickt wurde, nur noch einmal auf einem Mailserver.

Nach dem normalen Notes-Client portiert Lotus nun auch das Entwicklungswerkzeug Domino Designer auf Eclipse. Einher gehen neue Editoren und auch ein lange vermisster Class Browser für LotusScript. Auch wenn der Notes-Client mit 8.5 zeitgleich auf Linux, Mac OS X und Windows erscheinen wird, dämpft Lotus die Erwartungen für den Domino Designer. Eine plattformübergreifende Version ist geplant, wird aber mit 8.5 aller Voraussicht nach nicht rechtzeitig bereitstehen.

Zur Lotusphere siehe auch:

(vowe)