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Love, Death + Robots: Splatter mit Charme

Wenn David Fincher seine Finger drin hat, wirds gut. Die Netflix-Animationsserie "Love, Death + Robots" verspricht innovative Science-Fiction.

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Drei Roboter besichtigen die Hinterlassenschaften der Menschheit.

Seit dem 15. März ist die Netflix-Serie "Love, Death + Robots" zu sehen. Sie umfasst 18 animierte Kurzgeschichten und stammt unter anderem vom Sieben- und Fight-Club-Regisseur David Fincher sowie vom Deadpool-Regisseur Tim Miller.

Laut Netflix-Trailer sind die Geschichten kurz, süß und tödlich, was bereits die Namen der ausführenden Produzenten anklingen lassen. Die Episoden sind jeweils zwischen fünf und 15 Minuten lang, lassen sich also zwischendurch einschieben oder am Stück durchschauen. Die Animationsfilme sind nichts für schwache Nerven und erfordern die Eingabe der Netflix-PIN für nicht jugendfreie Inhalte.

In der weichgewaschenen Hollywood-Unterhaltungswelt, die für maximalen Box-Office-Gewinn möglichst massenkompatibel sein muss, ist die Animationsserie mit Splatter-Charakter eine willkommene Abwechslung. Denn Experimente wie Paul Verhoevens ultrabrutaler RoboCop von 1987 mit der Altersempfehlung der FSK ab 18 sind mittlerweile eine Seltenheit. Eine aktuelle Ausnahme ist Deadpool von Tim Miller, der, wie oben erwähnt, an diesem Projekt beteiligt ist.

Der Trailer vesrpricht faszinierende und verstörende Verehrung von Technik und Gewalt. (Quelle: Netflix)

Die Geschichten im Stil klassischer Science-Fiction-Kurzgeschichten der 50er Jahre changieren zwischen Science-Fiction, Horror und Cyberpunk mit einem guten Schuss Geek-Kultur sowie mit viel Humor und überraschenden Wendungen am Schluss. In "Sonnie's Edge" kämpfen überzüchtete Kreaturen in einer Arena zum Spaß des Publikums ums Überleben. Der Schauplatz befindet sich in einer Art Kirche. Wie die Serie selbst, verehrt die Gesellschaft dieser Episode Technik und Gewalt. Am Ende der Folge schälen sich überraschende Wendungen wie Zwiebelschalen vom vermeintlich Offensichtlichen.

Die zweite Episode "Three Robots" zeigt Roboter, die eine postapokalyptische Großstadt besichtigen und dabei versuchen, die untergegangene menschliche Kultur zu interpretieren. Letztlich beherrschen Katzen die Welt. Überhaupt spielen Katzen eine wiederkehrende Rolle. Schließlich ist der Zweck des Internet, Katzenbilder zu tauschen.

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In weiteren Episoden sieht man Hitler auf groteske Arten sterben, einen endlosen Loop des immergleichen Mords, Farmer in Mech-Robotern gegen außerirdische Kreaturen ihren Grund und Boden verteidigen, die Yoghurt-Kultur die Weltherrschaft übernehmen und einen Raumfahrer in die Falle einer gehirnwaschenden Kreatur tappen.

Viele der Geschichten erscheinen auf den ersten Blick abgekupfert. Sie erinnern an "Terminator", "Interstellar", "Gravity", "Matrix", "Pacific Rim", "Blade Runner" und "2001: Odyssee im Weltraum". Dennoch sind sie intelligent erzählt und nicht wenige liefern am Schluss einen Twist, der mal einfach und komisch wirkt, mal nachdenklich stimmt. Einige Episoden lassen unterschiedliche Interpretationen zu. Sie lassen offen, ob die Protagonisten Opfer einer fremden Macht oder geistiger Verwirrung sind, ob sie sich verteidigen oder erobern.

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Erfrischend an dieser Serie ist nicht zuletzt ihr episodenhafter Kurzgeschichtencharakter. In einer Serienwelt, die mittlerweile den Bogen über die ganze Stafel schlägt, wirkt es wie ein Befreiungsschlag, nach einem achtminütigen Spannungsbogen mit einem überraschenden Twist entlassen zu werden. Jede Episode ist so neu und so kreativ, dass man nicht abschalten wird.

Dabei spielt die Serie nicht nur thematisch, sondern auch stilistisch. Einige Episoden zeigen nahezu fotorealistische CGI-Menschen mit Dreitagebart und kantigem Kinn, andere zeigen Charaktere mit reduzierten geommetrischen Formen, wieder andere bedienen sich am Stil klassischer Zeichentrickfilme.

"Love, Death + Robots" spielt nicht nur thematisch, sondern auch stilistisch.

Nicht jugendfreie Animationsgeschichten haben eine gewisse Tradition. Die Simpsons liefern seit 1989 animierte Geschichten für Erwachsene. South Park legt seit 1997 noch eine Schippe drauf und Rick and Morty trieben das Ganze vorerst auf die Spitze. Das Rezept, bitterböse Gesellschaftskritik mit Tabubrüchen hinsichtlich Sex und Gewalt zu würzen, hat außerdem die Netflix-Serie Black Mirror aufgenommen. Deren verstörende Prämissen finden in "Love, Death + Robots" eine zumindest im Animationsgenre nie gezeigte Ausprägung, die absolut sehenswert ist. (akr)