Menü

Luc Besson arbeitet bei neuem Film mit Internet-Community zusammen

vorlesen Drucken Kommentare lesen 40 Beiträge

Wie der französische Erfolgsregisseur und Produzent Luc Besson (Nikita, Leon – der Profi, Das fünfte Element) jetzt in Paris bekannt gab, will er das nächste Projekt seiner 1999 gegründeten Produktionsfirma EuropaCorp (Taxi 3 & 4, From Paris with Love, I love you Phillip Morris) mit Hilfe einer Internet-Plattform und einer finanziellen Beteiligung von Community-Mitgliedern realisieren. Besson ist freilich nicht der erste Filmemacher, der sich des Internets als Finanzierungsmittel bedient – neben diversen Filmstudenten versucht dies zurzeit auch der finnische Regisseur Timo Vuorensola bei seinem Projekt Iron Sky. Vuorensola konnte bereits mit der unter Creative-Commons-Lizenz veröffentlichten und nur aus Spenden finanzierten Science-Fiction-Parodie Star Wreck – In the Pirkinning große Erfolge im Internet feiern. In Frankreich gibt es mit www.touscoprod.com sogar eine eigene Webseite, die sich rein der professionellen und regelmäßigen Vermittlung von generösen Cineasten an klamme Filmemacher verschrieben hat.

Mit Luc Besson bedient sich erstmals ein namhafter Produzent dieses Instruments, außerdem handelt es sich nicht um eine Nobudget-Produktion. Mit einem avisierten Etat von 5 bis 10 Millionen Euro bewegt sich das Werk im unteren bis mittleren Bereich der europäischen Filmproduktionen. Der Anteil der Zahlungen der Internet-Community ist auf 25 Prozent des Gesamtbudgets beschränkt und das Projekt soll auch realisiert werden, wenn dieser Anteil nicht erreicht wird.

Besson-Fans und andere interessierte Zeitgenossen können sich auf der in Kooperation mit Orange/France Telekom eingerichteten Seite nicht nur über das Projekt informieren, sondern erhalten als registrierte Nutzer bereits ein Mitspracherecht bei den kreativen Entscheidungen des Projekts, auch wenn sie sich nicht finanziell an dem Film beteiligen. Zunächst können sie das Thema des Films und das Drehbuch aussuchen, wobei fünf verschiedene Vorschläge zur Wahl stehen, von einer romantischen Komödie bis zu einem Thriller. Im weiteren Fortgang des Projektes dürfen sie dann über den Regisseur, die Schauspieler und den Komponisten der Filmmusik abstimmen. Zum Schluss können sie noch festlegen, an welchem Tag der fertige Film im Herbst 2011 in die Kinos kommen soll.

Die Details, wie man sich finanziell an dem Film beteiligen kann, sind noch nicht veröffentlicht, aber laut unbestätigten Meldungen soll man demnächst Anteilsscheine im Wert zwischen 10 und 500 Euro zeichnen können. Besson verspricht die Namen der ersten 10.000 Unterstützer im Abspann zu nennen. Nach der Auswertung des Films will man die fördernden Mitglieder entsprechend ihres Anteils an einem finanziellen Gewinn beteiligen.

PR und finanzielle Aspekte sind aber nicht der einzige Antrieb für Luc Besson, sich an die Internet-Gemeinde zu wenden. Durch die Beteiligung der User auf allen Ebenen des Filmprojektes will er ein Verständnis für die Abläufe einer Filmproduktion vermitteln und so die Produzenten von ihrem "Bad guy"-Image, vor allem bei den Tauschbörsennutzern, zu befreien. Dazu soll eine Expertenrunde bestehend aus erfahrenen Regisseuren, Kameraleuten, Schauspielern und Set-Designern den Fortgang der Produktion aus ihrer Sicht kommentieren und Hintergründe erläutern. Auf einer Pressekonferenz in Paris gab Luc Besson der Hoffnung Ausdruck, dass, wenn die Internet-Nutzer erst sähen, wie mühsam ein Film produziert wird, "sie dann erkennen, was für einen Produzenten auf dem Spiel steht, wenn man Filme illegal herunterlädt." (vza)