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Lucent hat zu viele säumige Kunden

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Lucent Technologies, neben Nortel Networks der größte amerikanische Telekomausrüster, hat seine Rücklagen für säumige und zahlungsunfähige Kunden verdoppelt. Das Finanzpolster des Unternehmens für ausgefallene Rechnungen wuchs um 252 Millionen auf nunmehr 501 Millionen US-Dollar. Es ist nicht das erste Mal, dass Lucent sein aus Greenbacks bestehendes Ruhekissen aufstockt; im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatten die Rücklagen noch wesentlich niedriger gelegen. Ausserdem verlängerte die Firma die Laufzeit von Krediten in Höhe von insgesamt 1,3 Milliarden US-Dollar.

Eine agressive Verkaufspolitik manövrierte den Spezialisten für optische Netze in die Bredouille. Um die Umsätze anzuheizen zeigten sich in der Vergangenheit die Verkäufer von Lucent anscheinend äußerst großzügig, wenn es um Zahlungsmodalitäten oder um die Vergabe von Krediten ging. Jetzt dämmern ihnen die Konsequenzen: Im Durchschnitt muss das Unternehmen nicht mehr 89, sondern ganze 102 Tage warten, bis Kunden ihre Schulden endlich begleichen. Und manche Kunden zahlen vielleicht überhaupt nicht, denn der Konjunkturmotor in den USA läuft zur Zeit nicht mehr so rund wie in den letzten Jahren.

Zusätzlich habe es Missverständnisse zwischen dem Verkaufs-Team und der Finanzabteilung gegeben; zum Beispiel seien Kredite falsch verbucht worden, erklärte das Unternehmen. Außerdem musste Lucent in jüngster Zeit wegen "mündlicher Absprachen" Equipment in Höhe von 452 Millionen US-Dollar zurücknehmen, weil die Produkte nicht installiert wurden, berichtet das Wall Street Journal.

Der ehemalige Lucent-Chef Rich McGinn hatte bereits im Januar des noch laufenden Jahres 2000 eine Modernisierungsoffensive angekündigt. Eigentlich sollte diese Kurzzeit-Initiative bereits zum Jahreswechsel erste Erfolge zeitigen. Leider machte der Telekommunikationsausrüster in den letzten Wochen eher durch negative Schlagzeile von sich reden. Unter anderem eine Gewinnwarnung drückte den Kurs der Aktie um zehn Prozent auf 14 US-Dollar. Die Investoren würden wohl noch bis zum Ende des Geschäftsjahres 2002 warten müssen, bis das Unternehmen ein profitables Wachstum zeigen werde, konzedierte auch Henry Schacht kleinlaut, der nach dem Rauswurf von McGinn neuer Lucent-CEO wurde.

Ob der Netzwerkspezialist nun das Schlimmste überstanden hat, ist strittig. Lucent-Chef Schacht jedenfalls macht in Optimismus und sieht Licht am Ende des Tunnels. Experten aber äußern sich weiter skeptisch. Lucent sei zwar auf dem Wege der Besserung, sagt zum Beispiel Paul Silverstein, Analyst bei Robertson Stephens, aber weitere Enttäuschungen sollten Anleger in Zukunft nicht ausschließen. (ku)