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Technology Review

Luftröhren aus Kunststofffasern und Stammzellen

Eine US-Firma hat damit begonnen, Gerüste herzustellen, an denen künstliches Gewebe entlang wachsen kann.

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Das amerikanische Medizintechnik-Start-up Harvard Apparatus Regenerative Technology, kurz HART, will demnächst mit der Kommerzialisierung eines ganz besonderen Verfahrens beginnen, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe: Luftröhren aus dem Labor, die aus einer Kombination aus Plastik und Stammzellen eines Patienten aufgebaut sind.

HART fertigt zunächst aus hauchdünnen Fasern von wenigen Mikrometern Dicke Röhren an. Deren Form ist dabei an den jeweiligen Patienten angepasst. An das Gerüst lassen sich dann Stammzellen anlagern, die aus dem Knochenmark des Patienten gewonnen wurden. "Die Zellen fühlen sich auf dem Gerüst wie zuhause", sagt HART-CEO David Green.

Praktisch funktioniert das so, dass das Gerüst gedreht und dabei mit den Stammzellen berieselt wird – so wie ein Hähnchen auf einem Drehspieß gegrillt werde, erläutert Green. In einem Inkubator würden die Zellen dazu gebracht, sich zu den Zellen einer Luftröhre zu entwickeln. Nach zwei Tagen könne die künstliche Luftröhre dann verpflanzt werden. Die letzten vier experimentellen Operationen mit künstlichen Luftröhren seien alle mit HART-Exemplaren gemacht worden, sagt Green.

In den vergangenen fünf Jahren haben Chirurgen mehreren Patienten eine künstliche Luftröhre eingesetzt und ihnen damit das Leben gerettet. Was bislang noch Versuche mit einer neuen Labor-Technologie waren, soll demnächst in den medizinischen Alltag einziehen.

Mit diesem Verfahren sollen in Zukunft auch andere Ersatzorgane produziert werden, etwa synthetische Herzklappen, Nieren oder Speiseröhren. Die Medizin könnte diese gut gebrauchen. Die Wartelisten für Transplantationen von Spenderherzen, -lungen, -lebern oder –nieren sind lang. Täglich sterben Patienten, weil ihnen nicht rechtzeitig ein Spenderorgan eingepflanzt wurde.

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(bsc)

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