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MIDI 2.0: Hersteller testen erste Prototypen

Nach über 30 Jahren wird der MIDI-Standard erneuert: mit besserer Konfiguration, Synchronisation und Auflösung. Erste Tests soll es auf der NAMM geben.

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MIDI 2.0: Hersteller testen erste Prototypen auf der NAMM

(Bild: Roland)

Der MIDI-Standard scheint unverwüstlich. Seit Anfang der 80er Jahre erlaubt er, dass Synthesizer, Keyboards, Klangerzeuger und Effektgeräte digital miteinander kommunizieren. Sie tauschen Tempodaten, Notenwerte, Klangparameter und Spezialdaten aus. Das klappt nicht nur über große runde DIN-Stecker, sondern inzwischen auch kabellos per Bluetooth.

Doch da alle Daten per MIDI seriell ausgetauscht werden, kann es gerade beim Timing zu Ungenauigkeiten und Verzögerungen kommen. Parameter wie die Lautstärke oder die Grenzfrequenz eines Filters werden zudem nur mit 7 Bit aufgelöst, was bei besonders expressiven Einspielungen mitunter zu grobkörnig ist. Unter speziellen Bedingungen kann man die Auflösung zwar auf 14 Bit erhöhen, jedoch unterstützen dies bislang nur wenige Programme und Geräte.

Die über den MIDI-Standard wachende Organisation MMA (MIDI Manufacturer Association) sowie die AMEI (Music Electronic Industry) tüfteln deshalb an einer Erweiterung MIDI 2.0. Der neue Standard soll das manchmal wackelige Timing verbessern, das manuelle Setup vereinfachen und die Parameterauflösung drastisch erhöhen: Die Auflösung der Anschlagstärke verbessert sich von 7 auf 16 Bit (also von 128 auf 65.536 Werte). Die Auflösung von Aftertouch und der übrigen CC-Messages steigen gar von 7 auf 32 Bit. Statt nur einer Gruppe mit 16 Kanälen beherbergt MIDI 2.0 bis zu 16 Gruppen, wodurch die Zahl der maximal möglichen Kanäle auf 256 steigt: Sieben Gruppen stehen für Geräte mit MIDI 1.0 zur Verfügung, 9 Gruppen für MIDI 2.0.

Das wäre nicht weiter schwierig, wenn die Verbesserungen nicht an eine wichtige Bedingung geknüpft wären: MIDI 2.0 soll in jedem Fall abwärtskompatibel bleiben, sodass neue Geräte selbst mit Synthesizern aus den 80ern zusammenspielen.

MIDI-CI soll sicherstellen, dass neue MIDI-2.0-Controller auch mit alten MIDI-1.0-Synthesizern zusammenarbeiten.

(Bild: midi.org)

Um die Kompatibilität zu gewährleisten, haben die MMA und AMEI sich auf die MIDI Capability Inquiry (MIDI-CI) geeinigt. Dieser Mechanismus stellt sicher, dass zwei Geräte bei einer MIDI-Verbindung zunächst aushandeln, welche Funktionen sie beide unterstützen und dann auf der größten gemeinsamen Teilmenge operieren. Selbst wenn ein Synthesizer nur MIDI 1.0 mit einigen Zusatzfunktionen wie MPE unterstützt, soll ein neues MIDI-2.0-Keyboard diese allesamt nutzen können. Dazu legt MIDI-CI fest, wie beide Geräte ihre Profile miteinander austauschen und sich einigen.

Bislang gibt es nur einen nicht öffentlichen Entwurf der Spezifikation für MIDI 2.0. Soft- und Hardware-Hersteller, die Mitglied der MMA und AMEI sind, bauen damit erste Prototypen von Controllern und Klangerzeugern. Dazu zählen beispielsweise Ableton, Google, Native Instruments, Roland, Roli, Steinberg und Yamaha.

Die Hersteller treffen sich auf der Messe der National Association of Music Merchants (NAMM), die am Donnerstag im kalifornischen Anaheim beginnt. Dort bringen sie ihre Prototypen mit und testen aus, wie gut die Geräte miteinander kommunizieren.

Die Ergebnisse dieser Kompatibilitätstests sollen dann in die weitere Ausarbeitung des Standards und ein Zertifizierungsprogramm einfließen. Konkrete Termine, wann MIDI 2.0 fertig wird, gibt es derzeit noch nicht. Bis zur Fertigstellung liegt noch eine Menge Arbeit vor den Herstellern – darunter auch das Design eines offiziellen Logos. Wenn es soweit ist, wird die neue MIDI-Spezifikation als kostenloser Download auf www.midi.org veröffentlicht.

(hag)

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