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MP3tunes: EMI verteilt selbst MP3-Dateien über Rapidshare

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Seit über drei Jahren läuft der Prozess von EMI gegen das Online-Musikschließfach MP3tunes, der zugehöriger Suchmaschine Sideload.com und deren Eigentümer Michael Robertson. EMI wirft ihnen vor, illegale Musikdownloads zu ermöglichen. Aus einer Eingabe vom 24. November geht nun hervor, dass EMI selbst auf die "virale" Verteilung von MP3-Dateien mittels Rapidshare setzt.

Robertson will, dass die Klage abgewiesen wird, und begründet es auf 41 Seiten. Dazu kommen noch Videos beider Parteien. EMI demonstriert darin unerwünschte Links auf Sideload, Robertson zeigt daraufhin dieselben Links auf größeren Suchmaschinen, mit denen sich EMI nicht angelegt hat.

Robertson widerspricht zahlreichen Behauptungen von EMI. So habe MP3tunes sehr wohl Richtlinien für Kunden, die wiederholt Urheberrechte verletzten, und sich entsprechend auch von 153 Kunden getrennt. Entgegen der Angaben von EMI habe MP3tunes aber keine direkte Kontrolle über die Datenübertragungen der Nutzer. Auf entsprechende Anträge von Rechteinhabern nach dem Digital Millennium Copyright Act (DMCA) werde schnell mit Sperren reagiert. Die angeblich illegale Nutzung von Cover-Abbildungen sei durch eine Lizenzvereinbarung mit Amazon.com gedeckt.

Brisant wird es in den Abschnitten I. F. bis I. H.: EMIs Angabe, große Label und Verleger würden die freie Verteilung von Musik nur in "seltenen Fällen" genehmigen, sei unwahr, heißt es dort, und weiter: "EMI beschäftigt ein Team an Werbeleuten, Künstlern und Agenten, die gemeinsam so viele kostenlose Musikdownloads im Internet platziert haben, dass EMI selbst nicht zwischen genehmigten und nicht genehmigten Links unterscheiden kann." Es würden sogar außenstehende Marketing-Unternehmen damit beauftragt, EMI-Musik auf Musikseiten quer durch das Internet zu verteilen.

Es wird auf Aussagen von EMI-Managern verwiesen, um zu zeigen, dass EMI-Mitarbeiter und -Künstler laufend Dateien legal im Internet verbreiten, dies aber nicht zentral registriert wird. Daher sei selbst für den Rechteinhaber nicht nachvollziehbar, wo seine Rechte verletzt würden und wo er die Freigabe gestattet habe, meint Robertson. Es sei laut einer EMI-Aussage vor Gericht sogar beabsichtigt, dass sich die Dateien wie ein Virus verbreiten.

Einen Absatz weiter platzt dann die Bombe: EMI hatte einige auf Sideload.com gefundene Links als illegal gebrandmarkt – darunter auch solche, die auf Rapidshare verweisen, das "als Piraterie-Hafen bekannt" sei. Doch Robertson verweist auf E-Mails, die EMI dem Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit übermittelt hat. Daraus gehe hervor, dass EMI zur "viralen Verteilung" von Musik selbst auf Rapidshare setzt. "EMI selbst verteilt Musik über Rapidshare und erklärt den Leuten, wie man dort herunterladen kann", betont Robertson in einer E-Mail an Branchenkollegen, die heise online vorliegt, "Es sollte beachtet werden, dass EMI die E-Mails versiegelt eingereicht hat, um sie geheim zu halten. Aber durch unsere Gegenschrift sind sie an die Öffentlichkeit gelangt."

In der Folge kann man das Technikverständnis der EMI-Anwälte erahnen. Diese hatten behauptet, Sideload umgehe Zugriffsbeschränkungen auf Musikdateien. Doch Robertson kontert, dass es in den strittigen Fällen überhaupt keine Zugriffsbeschränkungen gäbe. EMI habe wohl von einigen Websites Links auf MP3-Dateien entfernt; die MP3-Dateien selbst würden aber nach wie vor ungeschützt auf EMI-Servern liegen. Jedermann könnte sie problemlos herunterladen, eine Zugriffsbeschränkung gäbe es nicht einmal in Form eines Eintrags in der robots.txt-Datei.

Ende Dezember will MP3tunes die abschließenden schriftlichen Eingaben machen. Nach Einschätzung Robertsons könnte es Ende Januar 2011 zu einer mündlichen Verhandlung und anschließend zum Richterspruch kommen. (Daniel AJ Sokolov) / (ad)

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