MPEG LA: Keine Lizenzkosten für H.264-kodierte Internetvideos bis Ende 2015 [Update]

Wie der für den H.264-Patentpool zuständige License Administrator MPEG LA mitteilte, haben sich die Patentinhaber entschieden, bis zum 31. Dezember 2016 auf Lizenzforderungen für kostenfrei angebotene Internetvideos zu verzichten.

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Von
  • Volker Zota

Ursprünglich sollten nach Beendigung der ersten Lizenzperiode von H.264 ab dem 1. Januar 2011 auch Lizenzkosten für das freie Internet-Streaming von Videoinhalten anfallen. Nun hat der für den H.264-Patentpool zuständige License Administrator MPEG LA angekündigt, dass die Ausnahmeregelung bis zum 31. Dezember 2015 verlängert wird. Für andere Verbreitungsarten, kostenpflichtige Internet-Angebote sowie En- und Decoder gelten die bisherigen beziehungsweise ab 2011 in Kraft tretenden Lizenzbestimmungen der MPEG LA.

Den 26 durch die MPEG LA vertretenen Patentinhabern dürfte es in erster Linie darum gegangen sein, H.264 genügend Zeit zu verschaffen, um sich als "Quasi-Standard" für Webvideos zu etablieren, vor allem vor dem Hintergrund der anhaltenden Diskussion über obligatorische Videocodecs für die <audio>- und <video>-Elemente in HTML 5. Nachdem sich vornehmlich an der Entwicklung von H.264 beteiligte Unternehmen aus Angst vor "U-Boot-Patenten" gegen die Open-Source-Formate Ogg Theora (Video) und Ogg Vorbis (Audio) aussprachen, sich aber die mehrfach geforderte kostenlose Nutzung des einfachsten H.264-Profils (Baseline Profile) durch die Patentinhaber nicht durchsetzen ließ, haben sich die Patentinhaber immerhin auf den Aufschub geeinigt.

Besonders die Betreiber von Videoportalen dürften sich also freuen, denn sie setzen bei ihren HTML-5-Experimenten ebenfalls auf H.264. Doch während Google Chrome, Apple Safari und der Internet Explorer (mit Hilfe des "Chrome Frame") H.264-Videos abspielen können, bleiben Firefox-Nutzer außen vor. Laut Mozilla-Entwickler Mike Shaver würden sich die Lizenzkosten für den H.264-Decoder auf jährlich rund 5 Millionen US-Dollar belaufen.

[Update:] Diese Summe könne die Mozilla Foundation grundsätzlich zwar aufbringen, doch bestünde das Problem, dass die erworbenen H.264-Nutzungsrechte nicht an Mozilla-Partner wie Linux-Distributoren und Programmierer von XUL-Anwendungen übertragbar wären. Eine solche Lösung empfinden die Mozilla-Entwickler als wenig sinnvoll und zudem als hinderlich für die Web-Entwicklung, die nach ihrer Meinung auf frei nutz- und distribuierbarer Software beruhen sollte.[/Update] (vza)