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MWC 2015: Die mobile Welt ist nicht genug

Von Montag bis Donnerstag gibt die Mobilfunkbranche ihr jährliches Stelldichein in Barcelona. Der MWC ist weit mehr als eine Handy-Messe. Die Branche ist angetreten, alles und jeden zu vernetzen.

Lesezeit: 2 Min.
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(Bild: heise online)

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Wenn am Montag in Barcelona der Mobile World Congress 2015 beginnt, haben die großen Handyhersteller ihre neuen Spitzenmodelle schon vorgestellt. Bereits am Sonntag gibt es volles Programm: Samsung wird das Galaxy S6 vorstellen, HTC den Nachfolger des One M8. Auch die anderen Hersteller bringen Neuheiten mit, nur Apple bleibt dem MWC wie gewohnt fern und macht sein eigenes Ding. Dazu zeigen Chiphersteller wie Qualcomm oder Mediatek ihre neuen Smartphone-SoCs. Auch was Chipdesigner ARM so treibt lässt sich in Barcelona begutachten.

Schöne neue Handys bekommen in Barcelona zwar viel Aufmerksamkeit, doch ist der MWC auch die Messe der Netzausrüster und Carrier. Dazu kommen zahlreiche Technikanbieter, Dienstleister und App-Entwickler. Auf dem Kongress sprechen CEOs und Experten aus der ganzen Welt. Startups und Kapitalgeber treffen sich unter dem Banner 4YFN ("Four Years From Now") auf dem ein paar Kilometer entfernten alten Messegelände an der Plaça d'Espanya. Im vergangenen Jahr waren 85.000 Fachbesucher auf dem MWC.

Nachdem auf dem MWC 2014 die Vernetzung der ganzen Welt ausgerufen worden ist, wird das Internet of Things auch das Messejahr 2015 prägen. Der ausrichtende Branchenverband GSMA zeigt, wie die "Smart City" der gar nicht mehr so fernen Zukunft aussehen könnte. Zahlreiche Hersteller bringen Smartwatches und andere Wearables mit. Schon gewöhnt hat man sich an die Präsenz der Autohersteller, die ihre smarten Autos lieber in Barcelona vorstellen als in Genf. Die "Connected Cars" verständigen sich schließlich über Mobilfunk.

Mobile World Congress 2014 (11 Bilder)

Besucherrekord

85.000 Besucher besuchten die zwei Messegelände der Fira an der Gran Via und zu Füßen des Montjuic, um sich über die Neuheiten der Mobilbranche zu informieren... (Bild: heise online/acb)

Sicherheit spielt eine immer größere Rolle für die Branche. Und das nicht nur, weil die mobilen Ökosysteme – allen voran Android – zunehmend ins Visier von Malware-Programmierern geraten. Auch der Mobilfunk ist von den Übergriffen westlicher Geheimdienste nicht verschont geblieben, wie der zuletzt bekannt gewordene Angriff des britischen GCHQ auf die SIM-Kartenhersteller gezeigt hat. Es wird spannend, ob und wie sich die Branchenvertreter und ihr Spitzenverband GSMA auf dem MWC dazu stellen.

Einer der Stargäste in diesem Jahr heißt Günther Oettinger. Der EU-Kommissar fürs Digitale wird zusammen mit Branchenvertretern über den Stand der Entwicklung des nächsten Mobilfunkstandards 5G berichten. Während 5G noch in Arbeit ist, zünden die Netzbetreiber mit LTE Advanced gerade die nächste Stufe bei 4G. In Deutschland hat die Telekom mit ersten Tests in den Großstädten begonnen, im Laufe des Jahres dürfte auch der Wettbewerb nachziehen. Der MWC ist der geeignete Ort, um so etwas anzukündigen.

Die Carrier jammern in Barcelona traditionell gerne über sogenannte "OTT-Player" ("Over the Top") wie Youtube, die die Netze mit datenintensiven Anwendungen belasten und ihren Profit auf dem Rücken der Netzbetreiber machen. Allerdings sind die Googles und Facebooks in den vergangenen Jahren selbst zu festen Größen auf der Messe geworden. Auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg wird in diesem Jahr wieder zu Gast sein, Google schickt Android-Chef Sundar Pichai nach Barcelona.

Es gibt Lösungen für das OTT-Problem der Carrier. Netz und Traffic lassen sich so managen, dass "Over the top"-Traffic bevorzugt wird, wenn der Verursacher dafür bezahlt. Zum Leidwesen der Netzbetreiber will die Politik das nicht ohne Weiteres zulassen. Langjährige Initiativen für Netzneutralität scheinen Früchte zu tragen. EU-Kommissar Oettinger ist im Prinzip dafür, fährt aber einen weicheren Kurs als sein US-Kollege Tom Wheeler. Der Chef der US-Regulierungsbehörde FCC, der das Internet gegen heftigen Widerstand der Carrier gerade zum Universaldienst erklärt hat, ist ebenfalls in Barcelona zu Gast.

Ein MWC-Dauerbrenner ist das Mobile Payment. Nach dem anfänglichen Hype, der inzwischen weitgehend verpufft ist, könnten weiterentwickelte Verfahren und ein neuer Player dem Patienten eine belebende Infusion verschaffen. Apple Pay, da sind sich die Beobachter einig, könnte ein Katalysator für den Durchbruch sein. In der Branche setzt sich zudem langsam die Erkenntnis durch, dass nicht jeder sein eigenes Süppchen kochen darf, wenn sich Mobile Payment durchsetzen soll.

Das Messe-Motto "Edge of Innovation" soll wohl zeigen, dass die Branche ganz vorne auf der Innovationswelle surft. Angesichts von Dauerpatienten wie dem Mobile Payment könnte man das allerdings auch so interpretieren, dass die Branche seit Jahren am Rand der Innovation steht – und nicht wirklich weiterkommt.

Top Ten Smartphone-Hersteller 2013 und 2014
2014 2013
Hersteller Geräteabsatz Marktanteil Hersteller Geräteabsatz Marktanteil
Samsung 326,7 Mio. 28,0 % Samsung 301,3 Mio. 32,5 %
Apple 191,4 Mio. 16,4 % Apple 153,9 Mio. 16,6 %
Lenovo/Motorola 92,2 Mio. 7,9 % Lenovo 45,4 Mio. 4,9 %
LG 70,0 Mio. 6,0 % Huawei 40,8 Mio. 4,4 %
Huawei 68,8 Mio. 5,9 % LG 39,9 Mio. 4,3 %
Xiaomi 60,7 Mio. 5,2 % Sony 38,0 Mio. 4,1 %
Coolpad 49,0 Mio. 4,2 % Coolpad 33,4 Mio. 3,6 %
Sony 45,5 Mio. 3,9 % ZTE 29,7 Mio. 3,2 %
ZTE 36,2 Mio. 3,1 % Nokia 27,8 Mio. 3,0 %
TCL 31,5 Mio. 2,7 % RIM 23,2 Mio. 2,5 %
Andere 194,9 Mio. 16,7 % Andere 193,8 Mio. 20,9 %
Summe 1166,9 Mio. 927,2 Mio.
Quelle: Trendforce, Januar 2015

(vbr)