MWC 2016: Prototyp einer Smartbrille von Zeiss

Ein Startup innerhalb des Zeiss-Konzerns hat ein optisches System entwickelt, mit dem sich ein Video-Display ins Brillenglas einblenden lässt. Marktreif ist das Ganze noch nicht, der Prototyp wirkt allerdings vielversprechend.

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Anders als die Google Glass ist der Zeiss-Prototyp von außen nicht als Smartbrille erkennbar.

Von
  • André Kramer

Die Smart-Brille, die Zeiss-Ingenieur Ersun Kartal während der Präsentation auf dem MWC auf der Nase trug, wirkte noch sehr nach Bastellösung. Sie bestand aus einem alten iPod-Akku, Bestandteilen einer Smartwatch und dem eigentlichen Kernstück: einem auf besondere Weise geschliffenen Brillenglas samt seitlich angefügtem Prisma.

Die Elektronik des Prototyps steckt ähnlich wie bei der Google Glass im Brillenbügel. Das 800x600 Pixel große Bild eines OLED-Displays wird über ein Freiform-Prisma ins rechte Brillenglas geleitet, dort in Totalreflexion im Zickzack zwischen Vorder- und Rückseite des Glases reflektiert und schließlich auf eine Fresnel-Struktur geleitet.

Die Fresnel-Struktur besteht aus einzelnen Lamellen, die das komplette Bild mehrfach überlagert auf die Netzhaut des Brillenträgers spiegeln. Die Struktur ist aus Leuchttürmen bekannt: Eine einfache Linse wäre zu schwer und groß, um das Licht der Lampe in ausreichender Stärke weit auf die See heraus zu reflektieren; also teilt man sie in mehrere kleine Linsen auf.

Mittlerweile stellt Zeiss alle drei Minuten ein Datenbrillenglas mit solch einer Fresnel-Optik her. Der Hersteller geht erst jetzt mit der Technik an die Öffentlichkeit und auf Partnersuche, da nicht nur manueller Einzelschliff im Labor, sondern Massenproduktion in Zeiss-Qualität gewährleistet ist, so die Mitarbeiter des Teams.

Die Brille auf der Nase zu tragen und dabei das BIld im Display zu betrachten, ist noch ein wenig gewöhnungsbedürftig. Es dauert einen Augenblick, bis man das recht schwache Display im Brillenglas gefunden hat. Außerdem muss man sich daran gewöhnen, auf einen Bereich etwa zwei Meter vor der Brille zu fokussieren und nicht etwa auf die Ecke im Brillenglas. Außerdem stört die Fresnel-Struktur im Glas des Prototyps, wenn das Display aus ist. In einem weiteren Fertigungsschritt soll es aber glatt geschliffen werden, bis es bei ausgeschaltetem Display kaum noch sichtbar ist.

Die mit Klebefilm zusammengehaltene Konstruktion wirkt bisher klobig. Mit einem Partner, der sich auf Entwicklung der technischen Komponenten versteht, soll sich das ändern. Nur in dem Glas stecken laut Smart-Glasses-Team insgesamt 250 Zeiss-Patente.

Die Zeiss-Smartbrille im Detail (6 Bilder)

Die Prototypen von Zeiss Smart Optics wirken noch sehr selbstgebastelt.

(akr)