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MWC 2019: Alles ist 5G und Origami-Handys

Das Jahrestreffen der Mobilfunkbranche steht 2019 auf der Netzseite ganz im Zeichen von 5G. Smartphones wird es auch geben – sogar welche zum Falten.

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Mit 5G ist alles möglich – meint zumindest die Branche.

(Bild: heise online)

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5G, 5G und nochmal 5G. Der MWC 2019, der am Montag in Barcelona beginnt, steht ganz im Zeichen der nächsten Mobilfunkgeneration. Nachdem die Branche sich in den vergangenen zwei Jahren warmgelaufen hat, darf man jetzt Handfestes erwarten. Dabei spielt die Musik vor allem auf der Netzseite: Ausrüster wie Ericsson, Huawei und Nokia werden viel Technik für die Mobilfunknetze von morgen zeigen. Dabei wird in Barcelona auch die Debatte über Sicherheitsbedenken gegen Huawei und ZTE weitergeführt werden.

Auf der anderen Seite dürften Netzbetreiber konkretere Pläne ankündigen – auch wenn wir hierzulande noch auf die Frequenzvergabe warten. Immerhin gibt es da jetzt einen möglichen Termin – wenn nicht die Klagen der Netzbetreiber gegen die Vergabedingungen das Verfahren noch verzögern. Inzwischen haben Telefónica, Telekom und Vodafone Eilanträge gestellt. Nun haben die Gerichte das Wort, ob die Versteigerung wie geplant im März stattfinden kann.

Auch die Gerätehersteller werden das eine oder andere 5G-Smartphone in Barcelona zeigen. Kandidaten gibt es einige: Huawei, LG, Xiaomi, OnePlus, Oppo, ZTE... Samsung hat schon geliefert und will das angekündigte Galaxy S10 5G im Sommer auf den Markt bringen. Der Preis des nicht ganz kleinen Smartphones dürfte deutlich über 1000 Euro liegen – eine stolze Summe für ein 5G-Handy ohne 5G-Netz.

Teures Nischenprodukt: Samsungs erstes 5G-Smartphone.

Auch einen Chipsatz mit integriertem 5G-Modem gibt es noch nicht. Qualcomms aktueller Snapdragon 855 kann zwar im Prinzip 5G, aber nur mit einem Zusatzmodem. Auch die anderen Chiphersteller lösen das bisher so. Ein zweiter Modemchip braucht Platz und kostet extra. Auch können nicht alle schon mit den mmWave-Frequenzen umgehen. 5G-Smartphones bleiben also vorerst Fingerübungen der Hersteller. Meldungen über das Ableben von LTE dürften sich als stark übertrieben erweisen.

Ein anderer Trend setzt sich 2019 fort: Die großen Smartphone-Hersteller stellen ihre Flaggschiffe inzwischen lieber auf eigenen Veranstaltungen vor. Samsungs "Unpacked"-Event am Sonntagabend war lange der inoffizielle Messeauftakt (in grauer Vorzeit war das mal das feste Datum von Sony Ericsson). Über Jahre haben die Koreaner ihr neues Flaggschiff am Abend vor der Eröffnung des MWC in Barcelona vorgestellt – mit Ausnahme des Galaxy S8, das wegen der weltweiten Rückrufaktion des fehlerbehafteten Galaxy Note 7 später dran war.

Smartphone-Verkäufe 2018 nach Hersteller, Gartner
2018 2017
Hersteller Geräte MA Geräte MA Geräte +/-
Samsung 295,0 Mio. 19,0 % 321,3 Mio. 20,5 % -8,2 %
Apple 209,0 Mio. 13,4 % 214,9 Mio. 14,4 % -2,7 %
Huawei 202,9 Mio. 13,0 % 150,5 Mio. 8,9 % +34,8 %
Xiaomi 122,4 Mio. 7,9 % 88,9 Mio. 5,7 % +37,6 %
Oppo 118,8 Mio. 7,6 % 112,1 Mio. 4,8 % +6,0 %
Andere 607,0 Mio. 39,0 % 648,8 Mio. 45,7 % -6,4 %
Gesamt 1555,3 Mio. 1536,5 Mio. +1,2 %
Quelle: Gartner, Februar 2019

Auch die zwei stärksten Wettbewerber machen inzwischen lieber ihr eigenes Ding. Apple ist in Barcelona ohnehin nie wesentlich in Erscheinung getreten und feiert lieber seine eigenen Smartphone-Messen. Auch Huawei, inzwischen Apples härtester Konkurrent um die Gunst der Kunden, zeigt seine neuen Spitzen-Smartphones der P30-Familie nicht mehr auf dem MWC, sondern etwas später im März.

Die Lücke, die die Flaggschiffe von Samsung und Huawei am Sonntag hinterlassen, füllen andere. HMD Global, die mit der traditionsreichen Marke Nokia weitermachen, sind inzwischen eine feste Größe auf dem MWC und werden unter anderem ein neues Flaggschiff vorstellen. Der chinesische Hersteller Xiaomi unterstreicht seine Ambitionen auf den europäischen Markt mit einem ersten großen Auftritt am MWC-Sonntag. Das Mi Mix 9 haben die Chinesen schon angekündigt und werden es auch in Barcelona zeigen.

Die Frage, ob Xiaomi auch das faltbare Smartphone nach Barcelona mitbringt, das der Hersteller zuletzt in einem kurzen Video gezeigt hat, beantwortet das Unternehmen nicht. Nach Notches und Displaylöchern ist das Falt-Phone der letzte Schrei. Auch Huawei könnte so ein Origami-Handy im Gepäck haben – sogar mit 5G. Samsung hat mit dem Galaxy Fold schon mal vorgelegt – bei einem Ladenpreis von 2000 Euro und begrenzten Stückzahlen ist das faltbare Samsung aber eher eine teure Fingerübung als ein Smartphone für die Massen.

Mit Microsoft kehr ein alter Bekannter auf den MWC zurück. Nach dem Nokia-Desaster hat sich der Software-Riese zwar nie ganz von der Messe zurückgezogen, die große Bühne aber gemieden. 2019 nun das große Comeback: Aller Voraussicht nach wird Microsoft das Nachfolgemodell seiner AR-Brille HoloLens vorstellen. Auch CEO Satya Nadella ist in Barcelona und wird dort zu verschiedenen Gelegenheiten auftreten.

Es gibt also viel zu sehen in Barcelona. Die Messe erwartet erneut über 100.000 Fachbesucher und über 2000 Aussteller. Und weil 5G für die Branche ein Riesenschritt sein soll vom Handynetz zur intelligenten Vernetzung von allem und jedem, entwickelt die Messe ihr Branding weiter – weg von der Handymesse, die er schon lange nicht mehr war, wird der Mobile World Congress nun zum "MWC19 Barcelona". Hashtag #MWC19.
(vbr)