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MWC: Die Mobilfunkbranche lädt zum Jahrestreffen

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In Barcelona trifft sich ab Montag wieder die ganze Mobilfunkbranche

(Bild: MWC)

Ab dem kommenden Montag gibt sich die internationale Mobilfunkbranche in Barcelona ihr jährliches Stelldichein. Zum diesjährigen Mobile World Congress (MWC) haben sich über 1300 Aussteller angekündigt. Die gastgebende GSM-Association (GSMA) rechnet mit über 50.000 Fachbesuchern, die sich von Montag, 16. Februar, bis Donnerstag, 19. Februar, auf dem Messegelände Fira de Montjuïc über die neuesten Trends bei Handys, Navigationsgeräten und Netzbetreibern sowie Ausrüstern informieren können. Auf dem die Ausstellung begleitenden Fachkongress tauschen sich die Experten der Branche aus.

Die Veranstaltung ist hochkarätig besetzt, die CEOs der großen Unternehmen haben den für die Branche wichtigsten Termin des Jahres fest im Kalender notiert. In diesem Jahr werden unter anderem Microsoft-Boss Steve Ballmer, Nokias Olli-Pekka Kallasvuo, Vodafone-CEO Vittorio Colao und MySpace-Chef Chris DeWolfe auf dem Programm. Das prominente Aufgebot wird abgerundet durch die Entertainment-Größen will.i.am (Black Eyed Peas) und Kevin Spacey, der Gastgeber des begleitenden Filmwettbewerbs Mofilm 2009 sein wird.

Messe und Kongress werden mit üblichem Pomp und zahlreichen Veranstaltungen in Hotels und alten Stadtpalästen der katalonischen Metropole fast vergessen machen, dass auch die Mobilfunkbranche mit der Wirtschaftskrise zu tun haben wird. Noch fühlt sich die Industrie ganz gut, doch geht es bei Nokia und Konsorten nicht ohne Sparprogramm und Stellenabbau ab. Die Handyhersteller, allen voran Motorola, leiden dabei allerdings auch an hausgemachten Problemen, die durch den weltweiten Abschwung verstärkt werden. Der Markt wird 2009 vielleicht sogar schrumpfen, sagen die Analysten, die Branche muss sich zumindest auf weniger Wachstum und rückläufige Umsätze einstellen.

Die zwei Türme am Haupteingang zum Messegelände

(Bild: MWC)

In Barcelona haben alle großen Hersteller traditionell neue Handys und Navigationsgeräte im Gepäck. Bei den Handys geht der Trend klar zum Touchscreen. Viele Hersteller werden zudem Geräte zeigen, die auf dem neuen offenen Betriebssystem Android basieren. Mit Apples iPhone und dem von Google initiierten Android kamen zwei wichtige Impulse für den Mobilfunksektor von branchenfremden Unternehmen. Wie das vom Rest der Industrie aufgenommen wurde, wird auf dem GWC zu besichtigen sein. Für viel Aufmerksamkeit hat in dieser Hinsicht das Palm Pre gesorgt, mit dem sich ein Industrieveteran neu erfinden möchte. Toshiba zeigt mit dem TG01 ein Smartphone mit 1-GHz-Prozessor und Qualcomms Snapdragon-Multimedia-Chipsatz.

Einige Hersteller haben vorab einige Mobiltelefone vorgestellt: Sony Ericsson etwa kündigte das Fotohandy C903 mit 5-Megapixel-Kamera und schnellem Datenversand via HSUPA sowie das Walkman-Modell W395 an. Auch Nokia, die mit dem 6700 classic eines der ersten Handys präsentierte, das mit dem kommenden Sprach-Codec AMR-WB für deutlich verbesserte Verständlichkeit beim Telefonieren ausgestattet ist, hat kurz vor dem Startschuss zum MWC 2009 nachgelegt. Das Musik-Smartphone 5630 XpressMusic besitzt nicht nur eine gute sprecherunabhängige Sprachsteuerung, es soll sogar Musiktitel auf Zuruf erkennen und abspielen. In Barcelona wollen mehrere Firmen Sprachsteuerungen zeigen, mit denen man auch Browserfunktionen steuern kann, was das mobile Surfen weiter vereinfachen soll.

Nokias 5630 XpressMusic spielt Stücke automatisch auf Zuruf von Titel und Interpreten ab.

(Bild: Nokia)

Bei den Betriebssystemen für Smartphones und den dazugehörigen Bedienoberflächen wird ein Schwerpunkt auf einfacher Handhabung via Touchscreen und Finger liegen. Apples iPhone-Oberfläche und Android geben hier zwar den Ton an, doch stehen Hersteller wie Palm mit WebOS oder Nokia mit der per Touchscreen bedienbaren Symbian-Oberfläche S60 5th Edition bereit, den Taktstock zu übernehmen. Sogar der Blackberry-Hersteller RIM rüstete sein Blackberry Storm 9500 mit einem berührungsempfindlichen Display aus.

Microsoft muss sich nun sputen, um mit der betagten Windows-Mobile-Oberfläche nicht den Anschluss zu verpassen. Offensichtlich nimmt der Software-Gigant das Problem ernst, da Steve Ballmer persönlich in Barcelona für sein Mobil-Betriebssystem wirbt. Im Gepäck dürfte er zumindest Windows Mobile 6.5 haben, von dem jedoch keine großen Sprünge erwartet werden. Erst die Version 7 soll mit einer überarbeiteten, für Fingerbedienung optimierten Oberfläche Boden gut machen, doch wird sie frühestens Ende 2009 erwartet.

Mobiles Internet wird nun endlich zu dem Thema, das die Anbieter schon seit Jahren versprechen. Handy und Internet rücken enger zusammen, in dieser Richtung wird es eine Menge von Anwendungen zu sehen geben. "Location based services" ist ein weiteres Schlagworte der Messe. Das geht über die reine Standortbestimmung und Navigationsdienste hinaus bis zur Verknüpfung mit Online-Diensten, etwa zur Suche nach Sehenswürdigkeiten, Verkehrsanbindungen und Unterhaltungsmöglichkeiten im direkten Umfeld. Auch andere, netzgestützte Dienste aus dem sogenannten Social Web kommen aufs Handy. Dazu müssen die Netzbetreiber und Ausrüster die technischen Ressourcen schaffen – mehr Bandbreite und die nächste Netzgeneration stehen für sie in Barcelona auf der Agenda.

Zum Mobile World Congress siehe auch:

(rop/c't) / (vbr)