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MWC: Jahr des Androiden

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Mit einem zufriedenen Veranstalter ist am Donnerstag in Barcelona der Mobile World Congress zu Ende gegangen. "Es ist eine enorm aufregende Zeit für die Mobilfunkbranche, das unterstreicht auch die starke Teilnehmerzahl", freut sich John Hoffman, CEO des Branchenverbands GSMA. Insgesamt 49.000 Besucher aus 200 Ländern kamen in den vergangenen vier Tagen auf das Messegelände in der katalanischen Metropole. "Die Begeisterung ist wieder da", stellt GSMA-Marketingchef Michael O'Hara fest. Er fühlt sich an 2007 erinnert, als die damals noch 3GSM World Congress genannte Veranstaltung mit 55.000 Besuchern ihre bisherige Bestmarke erreicht hatte. Im vergangenen Jahr zählte die Messe 47.000 Besucher, die Zahl der Aussteller ist konstant bei rund 1300 geblieben.

In der Tat präsentierte sich 2010 eine lebhafte und selbstbewusste Branche in Barcelona. Dabei war der Mobile World Congress in diesem Jahr nicht in erster Linie eine Handymesse. Einige Branchengrößen sparten an einer eigenen Ausstellungsfläche: Nokia zeigte keine neue Hardware und hatte Quartier außerhalb des Messegeländes bezogen. Auch LG präsentierte seine Neuheiten nicht direkt auf der Messe. Andere Hersteller waren wie gewohnt mit neuen Modellen im Koffer angereist. Dabei ließen sich zwei eindeutige Trends ablesen: Ein Smartphone muss es sein. Und am besten eins mit Android.

Neuvorstellungen Android-Smartphones (13 Bilder)

Android-Smartphones auf dem MWC

Das Huawei U8800 ist das erste Smartphone, das HSPA+ mit 14,4 MBit/s im Download unterstützen soll. Bislang gibt es keine Informationen über einen Deutschlandstart.

Betriebssysteme und Apps waren die Themen, die in diesem Jahr für die vom GSMA-Chef verspürte Aufregung sorgten. Aber auch andere Betriebssysteme machten Schlagzeilen. Microsoft hat seinem angestaubten Betriebssystem Windows Mobile endlich eine Renovierung verpasst, CEO Steve Ballmer präsentierte am Montag persönlich das neue Windows Phone 7. Mit der neuen Version folgt Microsoft auch dem allgemeinen Trend, das Web 2.0 mit sozialen Netzwerken und Kommunikationsdiensten auf das Handy zu bringen. Im Mittelpunkt steht der Smartphone-Besitzer, seine Kontakte und seine Kommunikation.

Neuvorstellungen von Windows-Mobile-Smartphones (6 Bilder)

Smartphones mit Windows Mobile

Das Toshiba TG02 ist der Nachfolger des TG01 und kommt – wie alle auf dem MWC vorgestellten Geräte – mit der Version 6.5 von Windows Mobile. Ein erster Hands-On-Test bescheinigt dem Modell eine deutlich verbesserte Perfomance gegenüber den Vorgänger.

Im vergangenen Jahr war auf dem MWC von Android schon viel zu hören, aber noch kaum etwas zu sehen. Doch in dem Jahr, das seit dem enttäuschenden Auftritt Microsofts auf der Messe 2009 vergangenen ist, hat sich das von Google initiierte System fest im Markt etabliert – Anlass für einen selbstbewussten Auftritt von Google-Chef Eric Schmidt. In den Hallen lagen zahlreiche Androiden in den Vitrinen. Fast alle hatte mindestens ein Android-Gerät im Gepäck. Ob Sony Ericssons X10-Reihe, LG Swift, Motorola Quench oder HTC Desire – keiner der etablierten Hersteller wollte sich beim Thema Android eine Blöße geben.

Der Erfolg von Android ist auch ein Erfolg des offenen Entwicklungsansatzes, dem längst auch andere Hersteller folgen. So sorgten Nokia und Intel mit der Zusammenführung ihrer Open-Source-Systeme Maemo und Moblin für eine der größten Überraschungen in Barcelona. MeeGo, wie das Gemeinschaftswerk heißt, soll ein System für unterschiedlichste Plattformen werden – vom Smartphone übers Netbook bis zum Tablet. Die Auswahl an proprietären Plattformen wird unterdessen nicht kleiner. Samsung bereichert den Systemreigen um einen eigenen Ansatz und stellte das Smartphone Wave mit einem eigenen OS namens Bada vor.

Das ist auch ein kleiner Trend: Hersteller präsentieren ihre Version des stilbildenden iPhone-OS und den passenden Anwendungsladen gleich dazu, um vom Boom bei den sogenannten "Apps" zu profitieren. Den kleinen Programmen hatte die Messe mit dem "App Planet" eine eigene Unterveranstaltung samt Kongress und Entwicklerworkshops gewimet, wo nach Angaben der GSMA 120 Aussteller und 5000 Entwickler zusammenkamen. Begehrliche Blicke auf das wachsende Anwendungsgeschäft werfen inzwischen auch die Netzbetreiber, die mit ihrer Initiative für einen App-Standard auch einen Fuß in die Tür bekommen wollen.

Weitere MWC-Neuvorstellungen (6 Bilder)

Weitere MWC-Neuvorstellungen

Die einzige Neuvorstellung eines Smartphones mit Symbian OS kam nicht von Nokia, sondern von Sony Ericsson: Das schwedisch-japanische Joint-Venture legte mit dem Vivaz Pro eine neue Version seines gerade im Januar angekündigten Vivaz vor. Pro wird das Smartphone durch die ausschiebbare Tastatur.

Die Netzausrüster haben wie schon in den vergangenen Jahren ihre LTE-Lösungen gezeigt und sich mit immer höheren Übertragungsraten übertroffen. Dabei spielen jedoch die Geldtöpfe der Netzbetreiber ein große Rolle, die schon mit dem UMTS-Aus- und Umbau belastet sind. Gefragt sind besonders flexible Wege, den vorhandenen Netzen zu höherer Leistungsfähigkeit zu verhelfen. Der erste Weg wird gerade bei den deutschen Anbietern die Aufrüstung auf HSPA+ sein: Mit dieser Technik lassen sich, wie etwa Ericsson vorführte, bereits Downloads bis 84 oder sogar 168 MBit/s erreichen. Dazu müssten T-Mobile und Co. jedoch mehrere Frequenzbereiche bündeln – ein knappes Gut. Ein weiteres Thema war wieder die schnelle Anbindung der Basisstationen an das Backbone-Netz, der sogenannte Backhaul. Auch hier haben die Ausrüster verschiedene Wege präsentiert wie eine Funkstrecke mit 2,5 GBit/s.

Zum Fazit: Die schöne mobile Datenwelt steht und fällt mit der Verfügbarkeit schneller Funknetze, für die jedoch fast keiner zahlen will. Der Nutzer freut sich auf immer ausgefallenere und kostenlose Netzdienste wie Navigation (Google Maps Navigation und Ovi Karten), App-Shops, Musik und Video-Streaming – am liebsten alles in HD. Google verdient sich mit der gekoppelten Werbung eine goldene Nase, Nokia verkauft mehr Handys, nur die Netzbetreiber sitzen zwischen den Stühlen. Die Endkunden verlangen günstige Flatrates und die Diensteanbieter wollen sich an den Netzkosten nicht beteiligen. Ob und wann die Netzbetreiber genug Geld für den Aufbau von LTE-Netzen haben, dürfte damit in den Sternen stehen. (Rudi Opitz, Volker Briegleb) / (vbr)

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