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Smartphone-Bank N26: Bafin rügt Mängel

Das Banking-Startup N26 macht mit schnellem Wachstum und schlechtem Service von sich reden. Jetzt schaltet sich offenbar die Finanzaufsicht ein.

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Valentin Stalf

Der Gründer der N26 Bank, der Wiener Valentin Stalf.

(Bild: dpa, Wolfgang Kumm)

Das Banking-Startup N26 steht offenbar im Visier der deutschen Finanzaufsicht Bafin. 2018 soll die Behörde zahlreiche Mängel festgestellt haben, die nun schleunigst behoben werden müssen, schreibt das Handelsblatt unter Berufung auf Insider. Die Aufsicht kam demnach zum Schluss, dass die Bank zu schnell gewachsen sei, die Infrastruktur aber nicht ausreichend angepasst habe.

Konkret entdeckte die Behörde laut dem Handelsblatt-Bericht bei ihrer Sonderprüfung Mängel bei der Personalausstattung, beim Management von ausgelagerten Aufgaben sowie der Technik. Ebenfalls übernehme der Mutterkonzern N26 GmbH zu viele Aufgaben für die N26 Bank. Sollte keine Besserung erkennbar sein, könnte die Deckelung des Einlagengeschäfts drohen.

Erst vor kurzem machten Berichte darüber die Runde, wie N26 seine Kunden, die Betrugsopfer geworden waren, im Regen stehen ließ. Besonders krass war der Fall eines Gewerbetreibenden, dem 80.000 Euro von seinem N26-Konto gestohlen wurden und der daraufhin fast zwei Wochen erfolglos versuchte, jemanden bei der Bank zu erreichen – während in der Zwischenzeit seine Firmenexistenz durch den Diebstahl akut gefährdet war. Im August hatte N26 seine Telefonhotline für Kunden eingestellt, auch der Service-Chat ist nicht rund um die Uhr besetzt.

Den Beschreibungen der Betroffenen nach handelte es sich bei vielen der Betrugsfälle um Phishing-Attacken. Bei solchen Angriffen wird dem Opfer ein Link zu einer Webseite geschickt, die der N26-Webseite oder App täuschend ähnlich sieht. Meldet sich das Opfer dort mit seinen Anmeldedaten an, kann der Angreifer diese verwenden, um Zugang zu dem Konto zu bekommen. In den vorliegenden Fällen haben die Angreifer dann vermutlich das Opfer durch eine Passwort-Änderung ausgesperrt und mit einer eigenen Instanz der N26-Smartphone-App die Kontrolle übernommen. Dabei waren die Sicherheitsvorkehrungen von N26 wohl nicht ausreichend, um dieser Masche gut vorzubeugen.

Doch nicht nur Kunden haben sich beklagt: Laut Handelsblatt beschwerten sich auch andere Banken bei der Bafin über die Erreichbarkeit von N26. So hätten die Geldinstitute teilweise niemanden ans Telefon bekommen, als sie betrügerische Überweisungen stoppen wollten. Dabei ging es wohl um Fälle, bei denen Kriminelle unter falscher oder geklauter Identität eröffnete N26-Konten nutzten, um Geld von anderen gehackten Konten ins Ausland zu senden.

Sollten die betroffenen Kunden den Diebstahl rechtzeitig bemerken, können die Banken versuchen, das überwiesene Geld wieder zurückzuholen. Schnelle Reaktionszeit ist dabei entscheidend. Doch mit N26 war das wohl nur bedingt möglich. Das Handelsblatt schreibt etwa von einem Sparkassen-Chef, der im Februar vormittags online einen Rückruf an N26 übermittelt habe. Zusätzlich habe man angerufen, aber nur eine Bandansage erreicht. Ebenfalls wurde dann nachmittags noch ein Fax geschickt. N26 habe aber erst am nächsten Tag geantwortet – als das gestohlene Geld bereits weiter überwiesen war. In der Branche sei ein solches Verhalten absolut unüblich. Abkommen der Bundesbank und aller Bankenverbände sehen zügige Reaktionen auf derartige Anfragen vor.

Dem Handelsblatt zufolge hätten einige Banken auch den Eindruck gewonnen, dass N26 relativ häufig von Kriminellen für diese Masche genutzt werde. So berichtete etwa eine Volksbank, dass im ersten Quartal des Jahres "in mehr als jedem zweiten Fall“ das Betrügerkonto bei N26 geführt worden sei. Die Schwachstelle könnte wohl das Foto-Ident-Verfahren sein, das N26 im Ausland zur Legitimierung von Kontoeröffnungen anbietet. Im Oktober vergangenen Jahres wurde bekannt, dass die Bafin prüft, ob über das Verfahren mittels gefälschter Ausweise Konten bei N26 eröffnet wurden.

"Seit zwei, drei Wochen sind wir auch für andere Banken wirklich gut erreichbar, für unsere Kunden schon länger“, entgegnete N26-Geschäftsführer Valentin Stalf in einem Zeitungsinterview den Vorwürfen. Zuletzt habe das Unternehmen hart an seiner Erreichbarkeit gearbeitet. Die Kunden, die Opfer von Betrügern geworden sind, hätten inzwischen auch wieder ihr Geld zurückerhalten. Die Personalausstattung sei mit inzwischen 800 Mitarbeitern auch nicht als schlecht zu bezeichnen. Zudem habe man das Kundenservice-Team massiv aufgestockt, 400 interne und 200 externe Kräfte arbeiteten für die Bank. Die Neueinstellungen hätten aber schon früher erfolgen müssen, sagte Stalf.

Auf die im Bericht kolportierten Mängel, die die Bafin festgestellt habe, wollte Stalf nicht eingehen, weil er sich nicht zu konkreten Prüfungen äußern könne. Generell sei man in engem Austausch mit der Aufsichtsbehörde und setze geforderte Verbesserungen immer zeitnah um. Insgesamt habe das Thema Sicherheit höchste Priorität für N26. Ende vergangenen Jahres überschritt die Bank eigenen Angaben nach erstmals die Marke von zwei Millionen Kunden. (axk)