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Technology Review

Malvengewächs als umweltfreundliche Papierquelle

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Die Idee vom "papierlosen Büro", die seit den Achtzigerjahren mit der flächendeckenden Einführung der EDV in vielen Betrieben immer wieder propagiert wurde, kann getrost als gescheitert gelten: Es wird immer noch enorm viel gefaxt, gedruckt und kopiert. Laut Greenpeace hat sich der bundesdeutsche Papierverbrauch pro Kopf in den letzten 50 Jahren gar fast verachtfacht. Darunter leidet auch die Natur – schließlich werden die bedruckbaren Blätter aus dem langsam nachwachsenden Rohstoff Holz hergestellt, während sich die weltweiten Waldflächen immer weiter dezimieren.

Forscher an der Tel Aviv University in Israel wollen das Problem nun mit einem anderen Ausgangsgewächs lösen: Statt Bäume zu Holz zu verarbeiten, setzen sie auf ein Malvengewächs namens Kenaf, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Was die im afro-asiatischen Raum weit verbreitete Pflanze besonders auszeichnet, ist ihr relativ hoher Anteil an Fasern. Diese finden sich im Stängel, sind jeweils 1,5 bis 6 mm lang und bestens für die Produktion von Papier geeignet. Noch wichtiger: Kenaf wächst extrem schnell.

Forscher um Professor Roni Aloni, Botaniker an der Universität in der israelischen Metropole, haben sich schon lange mit Kenaf und seiner potenziellen Nutzung beschäftigt: "Eine Fläche von Kenaf-Pflanzen produziert in einem Jahr die gleiche Menge von Zellstoff-Fasern wie eine identische Fläche mit Bäumen in 20 Jahren."

Problematisch ist allerdings noch, dass Kenaf als Papierausgangsprodukt industriell kaum genutzt wird. Deshalb sind Blätter aus der auf ein mildes Klima angewiesenen Pflanze noch immer teurer als solche aus Holz. Aloni will dem Problem mit einer höheren Faserausbeute beikommen – eine entsprechende gentechnische Veränderung hat sein Team bereits erfolgreich vorgenommen.

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(bsc)