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Man of Medan angespielt: Koop-Horror mit Hindernissen

Man of Medan angespielt: Koop-Horror mit Hindernissen

(Bild: Bandai Namco)

Konflikt ist vorprogrammiert: Im Horrorspiel Man of Medan kann man auch zu zweit schlechte Entscheidungen treffen. Heise online konnte den Koop ausprobieren.

The Dark Pictures: Man of Medan hat alles, was eine gute Horror-Geschichte braucht. Ein Grüppchen junger, feierwütiger Protagonisten auf hoher See, ein Geisterschiff und einen vernarbten Schurken mit fehlendem Auge. Und noch etwas hat Man of Medan: einen Koop-Modus. Heise online konnte das Spiel bei einem Event in Hamburg ausprobieren.

Nach Zuarbeiten für Spiele wie LittleBigPlanet und einem Remaster von Killzone macht Entwickler Supermassive nun sein eigenes Ding: Filmische Horrorspiele mit wenig Spielmechanik, dafür aber umso mehr Entscheidungsfreiheit. So entstand das großartige Until Dawn [1], in dem Oscar-Preisträger Rami Malek eine Hauptrolle spielte.

Until Dawn und nun Man of Medan sind keine reinrassigen Horror-Schocker im Stil von Amnesia oder Outlast, die dem Spieler die hoffentlich starken Nerven aus der Ego-Perspektive filetieren. Durch die vordefinierten Protagonisten, die aus der Schulter-Ansicht gesteuert werden, entsteht eine gewisse Distanz. Der Spieler erkundet die Umgebung, untersucht Gegenstände und absolviert ab und zu mal ein Quicktime-Event. Der Kern des Spiels besteht darin, in gescripteten Szenen Entscheidungen zu treffen. Verschiedene Dialogoptionen und Handlungen sollen sich erheblich auf das Spielgeschehen auswirken und letztlich bestimmen, welche Figuren überleben.

Man of Medan lässt sich optional auch im Online-Koop spielen, für einen solchen "interaktiven Film" sehr ungewöhnlich. Jeder Spieler steuert dabei parallel eine Figur. Teilweise halten sich die beiden Spielfiguren wie bei "A Way Out" in derselben Szene auf, teilweise gehen sie getrennte Missionswege. Supermassive muss für den Koop-Modus einige Szenen komplett neu drehen und zusätzliche Dialogoptionen umsetzen – ziemlich ambitioniert. Beim Anspielen machten uns gerade die Koop-Features aber etwas skeptisch.

Man of Medan (0 Bilder) [2]

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Die meisten Spiele machen zu zweit mehr Spaß als im Alleingang. Ein zweiter Spieler bringt mehr Unberechenbarkeit und kann für zusätzliche Überraschungen sorgen. Der Koop-Modus in Man of Medan fordert aber auch Kompromisse: Wenn Spieler 1 etwa eine wichtige Zwischensequenz auslöst, wird Spieler 2 unwirsch aus seiner aktuellen Beschäftigung gerissen und zum Ort des Geschehens teleportiert. Das kann verwirren, weil zwischendurch Informationen auf der Strecke bleiben.

Was ebenfalls störte: Bei unserer Anspielrunde sind die kontrollierten Spielfiguren wegen der etwas schwerfälligen Steuerung ständig aneinandergestoßen. Das sieht ulkig aus und tut der Horror-Stimmung keinen großen Gefallen. Mehrfach waren wir uns bei der Demo außerdem unsicher, ob wir nun selbst noch etwas erledigen mussten, oder ob wir einfach auf den Mitspieler warten sollten.

Die fünf Protagonisten von Man of Medan sind wohl irgendwo in ihren Zwanzigern, lassen sich im Horrorfilm-Jargon aber noch ganz trefflich als "Teenager" bezeichnen. Da gibt es zum Beispiel den Nerd Brad ("Eine Freundin? Nicht so meine Stärke.") und den überheblichen Egomanen Conrad, der die aufbrausende Schiffskapitänin Fliss anflirtet. Die Spieler wechseln in Man of Medan von Szene zu Szene zwischen den fünf Figuren durch. Durch den fliegenden Protagonisten-Wechsel verliert man trotz Text-Hinweis leicht den Überblick darüber, welche Spielfigur denn nun gerade vom Computer und welche vom Mitspieler gesteuert wird.

Die Dauer-Rotation droht außerdem, die Charakterzüge der unterschiedlichen Figuren etwas aufzuweichen: Ist der Mitspieler beispielsweise auf Krawall gebürstet, könnten sich abwechselnd Conrad, Fliss, Brad, Alex und Julia aufbrausend benehmen, bevor sie später in KI-Händen wieder zu ihren normalen Verhaltensmustern zurückkehren. Bei der anderthalbstündigen Demo fiel das aber noch nicht ins Gewicht, alle Dialogoptionen passten gut zu den Figuren.

So funktioniert der Koop-Modus in Man of Medan: Beide Spieler bekommen teilweise unterschiedliche Szenen zu sehen. (Quelle: Bandai Namco)

Neben dem Koop-Modus kann man Man of Medan auch ganz normal im Einzelspieler-Modus spielen. Außerdem arbeitet Supermassive Games an einem "Movie Night"-Modus, bei dem bis zu fünf Spieler an einem Controller zocken können. Die Solo-Spielerfahrung reizt uns am meisten. Man of Medan sieht nämlich trotz einiger Bedenken vielversprechend aus: Die Figuren sind hervorragend verkörpert und vertont, gerade die Gesichtsanimationen sind auf hohem Niveau – auch wenn die Gesichtstexturen bei Nahaufnahmen auf der PS4 manchmal zu lange zum Laden brauchten. Conrad wird zum Beispiel von Shawn Ashmore gespielt – man schaut und hört ihm einfach gerne zu.

Auch die Geschichte, die von der Geisterschiff-Legende Ourang Medan inspiriert wurde, macht Lust auf mehr. Supermassive versteht es, von Anfang an eine unbehagliche Stimmung aufzubauen, die einen nicht loslässt. Die Gruppendynamik bietet ausreichend Spielraum für Konflikt, Rivalität und große Gefühle. Wie stark sich die Charaktere entwickeln und wie sehr sich die Entscheidungen auf den Spielverlauf auswirken, kann erst das fertige Spiel zeigen. Nach Until Dawn hat sich Entwickler Supermassive Games einen gewissen Vertrauensvorschuss verdient.

Man of Medan erscheint am 30. August für PC, Xbox One und Playstation 4.

Hinweis: Heise online wurde von Bandai Namco zu einem Anspiel-Event nach Hamburg eingeladen. Bandai Namco hat die Reisekosten übernommen. (dahe [4])


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[1] https://www.heise.de/meldung/Until-Dawn-getestet-Teenie-Horror-mit-makabrem-Spass-2789423.html
[2] https://www.heise.de/newsticker/bilderstrecke/bilderstrecke_4465592.html?back=4465319
[3] https://www.heise.de/newsticker/bilderstrecke/bilderstrecke_4465592.html?back=4465319
[4] mailto:dahe@heise.de