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Manga-Piraterie: Japan fordert Blockade illegaler Webseiten

Internetprovider sollen in Japan den Zugriff auf illegale Manga-Webseiten sperren, zunächst freiwillig, ab 2019 vielleicht per Gesetz. Kritiker warnen vor verfassungswidrigem Vorgehen der Regierung und sehen Parallelen zum Stop Online Piracy Act der USA.

Manga-Piraterie: Japan fordert Blockade illegaler Webseiten

(Bild: willianfujii )

Japans will schärfer gegen die illegale Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Comics und anderen digitalen Inhalten vorgehen. Internetprovider sollen aufgefordert werden, den Zugang zu illegalen Manga- Angeboten zu sperren, beschloss die Regierung in Tokio am Freitag. Das soll zunächst freiwillig sein, für 2019 hofft die Regierung auf ein entsprechendes Gesetz. Die Schäden durch Manga-Piraterie gehen laut Schätzungen in die Milliarden.

Die Verbreitung von Smartphones und Tablets ermöglicht Comic Fans überall und jederzeit den Zugriff auf E-Comics. In Japan sind Comics (Mangas) durch alle Schichten und Altersklassen sehr beliebt. Der Jahresumsatz von Digitalcomics stieg im vergangenen Jahr laut einem Bericht der Japan Times im Vergleich zum Vorjahr um 17,2 Prozent auf 171,1 Milliarden Yen (ca. 1,3 Milliarden Euro).

Die Digitalisierung wirft aber auch Probleme auf. Während einige legale Anbieter E-Comics kostenlos zur Verfügung stellen und die Urheberrechtsinhaber entsprechend bezahlen, gibt es auch Piraterie-Webseiten, die keine Tantiemen entrichten. Das System ist ähnlich den für Filme und Serien bekannten Portalen aufgebaut, die die Inhalte nicht direkt zur Verfügung stellen, sondern lediglich auf entsprechende Seiten mit dem Inhalt verweisen und ihre Einnahmen aus Werbung generieren.

Die Leser wissen oft nicht, dass sie die Comics auf illegalen Seiten lesen, deshalb drängt die Regierung in Japan die Internetprovider dazu, den Zugriff auf die entsprechenden Websites zu sperren. Die Zukunft der Content-Industrie des Landes stehe auf dem Spiel, wenn Manga-Künstler und andere Kunstschaffende um die Einnahmen gebracht würden, die ihnen zustünden, sagte Regierungschef Shinzo Abe laut japanischen Medien bei einem Treffen von Ministern und Experten für geistiges Eigentum.

Kritiker behaupten, dass die Sperrung des Zugangs zu bestimmten Webseiten gegen die Verfassung ist. Eine ähnliche Debatte wurde 2011 um den Stop Online Piracy Act (SOPA) geführt. (bme)

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