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Mangel an Drohnenpiloten: Krise bei der US Air Force

Die US-Luftwaffe beklagt einen erheblichen Crewmangel bei der Steuerung unbemannter Luftfahrzeuge. Sie kann mit den Verlockungen der Privatwirtschaft nicht mithalten. Die oberste Führung spricht sogar von einer "Krise".

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Zwei Drohnensoldaten

Eine typische Drohnencrew besteht aus Pilot, Copilot und einem Bildanalytiker (nicht im Bild). Im Schnitt fliegen sie 60 Einsätze pro Tag.

(Bild: US Air Force/Nadine Y. Barclay)

Die US Air Force fordert mehr Geld und mehr Personal. Besonders schlecht soll es um Hightech-Bereiche bestellt sein. Das vermittelte die Führung der Luftstreitkräfte am Donnerstag in einer Anhörung im US-Senat. Sie plant "laufende Investitionen in Nukleare Abschreckung, Weltall und Cyberspace". Ausnehmende Schwierigkeiten habe sie damit, Piloten und ihre unmittelbaren Kollegen bei der Stange zu halten. Eine wortwörtliche "Krise" gibt es bei den Crews für Drohnen und andere spezialisierte Luftfahrzeuge.

Nach einer Untersuchung des US-Militärs leiden Drohnenpiloten wesentlich häufiger an psychischen Krankheiten als Besatzungen von Kampfjets.

(Bild: US Air Force)

Sie verlassen offenbar in Schwärmen die Luftwaffe. Denn auch die Privatwirtschaft braucht diese Fachleute dringend. Die Drohnenbranche boomt. Sie zahlt mehr und bietet bessere Arbeitsbedingungen. Und selbst in biederen Bereichen der Zivilluftfahrt herrscht Pilotenmangel. Kleinere US-Fluglinien waren bereits dazu gezwungen, Strecken einzustellen, weil ihnen die Piloten fehlen.

Dazu kommt, dass der Kampf- und Spionageeinsatz der militärischen Drohnencrews extrem stressig ist. Bereits 2012 hat die Air Force in einer medizinischen Studie festgestellt, dass ihre Drohnenoperateure deutlich häufiger an psychischen Erkrankungen leiden, als ihre Kollegen bemannter Luftfahrzeuge. Zwar stehen die Drohnencockpits weit weg vom Kampfgeschehen, aber Kameras liefern die Tausendfache Tötung von Menschen live und detailliert ins Haus.

Nicht selten haben die Soldaten ihre Opfer zuvor längere Zeit in deren Alltag samt Familienleben beobachtet. Nach getaner Arbeit fahren die Drohnenoperateure nach Hause und sind dort selbst Familienväter. Kampfpiloten bemannter Flugzeuge dürften hingegen von der deutlichen Trennung zwischen ihrem Einsatz an der Front und ihrem Privatleben in der Heimat profitieren, vermuten die Psychiater.

Um den Stress zu reduzieren, hat der Verteidigungsminister die Zahl der täglichen Drohnenflüge von 65 auf 60 reduzieren lassen. Dabei sind ihre Dienste immer stärker gefragt. Alle Befehlshaber an den Fronten wünschen sich zumindest mehr Aufklärung, wenn nicht mehr Gewalteinwirkung der Drohnen. Insgesamt braucht die Air Force wohl mehr als 1.200 Mann für die Bedienung ihrer Drohnen. Mit der beabsichtigen Einführung von Drohnenschwärmen dürfte der Personalbedarf noch steigen.

General Mark Welsh bei der Anhörung im US-Senat.

(Bild: Screenshot)

Daher werden neuerdings auch niedrigere Ränge für Drohnen eingesetzt, vorerst für die unbewaffnete Aufklärungsdrohne Global Hawk. Ob niedere Ränge auch für andere Drohnen zugelassen werden, ist noch nicht entschieden.

General Mark Welsh, der militärische Chef der Luftstreitkräfte, kündigte in der Senatsanhörung eine Verdoppelung des Ausbildungsprogramms an: "Wir haben nie mehr als 188 (Drohnen)Piloten in einem Jahr ausgebildet. Dieses Jahr werden wir 334 ausbilden, und 384 zu Beginn kommendes Jahres. Das ist der Beginn der Erholung (…) und der Normalisierung eines Kampfrhythmus für das gesamte Team."

Und Welsh will mehr zahlen. Während er für alle Mitarbeitern 1,6 Prozent Gehaltserhöhung beantragt hat, sollen besonders gefragte Soldaten wie eben Drohnencrews mit handfesten Bonuszahlungen bedacht werden. Die Drohnencrews bekamen dieses Jahr erstmals 25.000 US-Dollar zusätzlich. Für die Crews bemannter Luftfahrzeuge gab es das schon bisher.

Dabei hatte das Parlament den Drohnencrews sogar 35.000 Dollar genehmigt. Dass das nicht ausgeschöpft wurde, stieß dem Ausschussvorsitzenden Senator John McCain sauer auf. General Welsh verteidigte die niedrigeren Boni damit, den Drohnenpiloten nicht mehr geben zu wollen, als Piloten in anderen kritisch unterbesetzten Kategorien. "Wir haben einige (Bereiche), die sogar noch mehr in der Krise sind, als (der Bereich der) Drohnenpiloten", klagte Welsh. Er möchte, dass das Parlament auch in diesen Sparten höhere Boni billigt.

Mehr Infos

Seit dem Irakkrieg Anfang 1991 ist die Air Force um rund 200.000 Mann auf derzeit 311.000 Aktive geschrumpft. Nachdem vergangenes Jahr Reserve und Luft-Nationalgarde um 3.000 Mann verstärkt worden, sollen jetzt erstmals auch die aktiven Truppen wieder verstärkt werden, und zwar um 6.000. Vielleicht auch etwas mehr, "sollten wir in der Lage sein, die richtigen Leute anwerben zu können", hoffte die die administrative Luftwaffenchefin Secretary Deborah Lee James.

"Die Air Force bleibt aktiv in jeder Region der Welt, in jeder Art von Mission, und über das gesamte Spektrum von Militäroperationen hinweg", warb James für ihre Streitkräfte, "Wir waren noch nie so beschäftigt auf einer solch fortgesetzten, globalen Basis." "Wir sind überall unterbesetzt", fügte General Welsh wenig später hinzu.

Wachsen soll an erster Stelle die Spionagesparte. Selbstredend sind Drohnen ein wichtiges Werkzeug der militärischen Aufklärung. Im Spionagebereich hat die Air Force in den letzten zehn Jahren bereits um 35.000 Mann aufgestockt. In dem selben Zeitraum wurde die restliche Air Force um 85.000 Mann geschrumpft.

"Cyberkrieger" der US Air Force

An zweiter Stelle der aufzustockenden Truppen nannte Welsh "Cyber", also im digitalen Raum aktive Truppen. Das wird weder leicht noch billig, wie das Beispiel FBI zeigt. Der Inlandsgeheimdienst klagt ebenfalls über Schwierigkeiten, IT-Fachkräfte anzuwerben. Denn die Gehälter sind im Vergleich zur Privatwirtschaft bescheiden, die Drogentests hingegen streng.

Bei der Luftwaffe sei derzeit weniger als die Hälfte der Kampfeinheiten für einen High-Tech-Kampf gegen einen gut gerüsteten Gegner bereit, gestand General Welsh ein. Doch das liegt offenbar nicht nur am Mangel an Fachpersonal. Die Luftfahrzeugflotte der Air Force sei so alt wie noch nie. "Unsere Gegner holen den technischen Rückstand auf", so Welsh in der Anhörung, "Wir müssen einfach modernisieren." Später fügte er hinzu: "Wir sind angerostet." Es werde acht bis zehn Jahre dauern, die US Air Force wieder fit zu machen. (ds)

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