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Manipulierte Videos: Neue Debatte über Verantwortung von Facebook & Co.

Manipulierte Videos der US-Politikerin Nancy Pelosi sorgen in den USA für Debatten. Die sozialen Netze verbannen sie trotz Kritik nicht von ihren Plattformen.

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Facebook verbannt ein manipuliertes Video der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi nicht von der Plattform, obwohl es nach Meinung von Beobachtern verändert wurde, um Pelosi betrunken scheinen zulassen. Ein anderes verfälschtes Video Pelosis wurde sogar von US-Präsident Donald Trump auf Twitter verbreitet. Ausschnitte wurden darauf so zusammengeschnitten, dass es wirkt, als würde Pelosi unzusammenhängend stammeln.

Angesichts der Debatten um die Gefahr sogenannter Deepfakes zeigen die Clips, wie auch viel einfachere Manipulationen in die Irre führen könne. Gleichzeitig haben die Videos in den USA einmal mehr eine Debatte über die Verantwortung von Facebook & Co. ausgelöst.

Die Washington Post hatte von dem verlangsamten Clip Pelosis berichtet, auf dem es wirkt, als sei die drittmächtigste Politikerin der USA betrunken. Vergleiche mit dem Original zeigen, dass das Video verlangsamt und die Stimme danach angepasst worden ist, um diesen Effekt zu erzielen. Woher das Video ursprünglich stammt, sei unklar, eine Version auf Facebook wurde aber bereits 2,7 Millionen Mal angeklickt. Der von Trump auf Twitter verbreitete und ebenfalls manipulierte Clip Pelosis kommt dagegen sogar auf mehr als 6 Millionen Abrufe.

Seit dem Auftauchen des Videos gibt es viel Kritik an Facebook, weil das soziale Netzwerk die Clips nicht entfernt. Sie können auch weiter geteilt werden, dann erscheint jedoch ein Hinweis, der Berichte über das Video und die Einschätzung von unabhängigen Faktenprüfern sammelt. In einem Interview gegenüber CNN verteidigte Monika Bickert von Facebook diesen Umgang. Man halte es für wichtig, dass die Menschen ihre eigenen informierten Entscheidungen darüber treffen könnten, was sie glauben. Facebooks Aufgabe sei es, ihnen dafür akkurate Informationen mit auf den Weg zu geben. Deswegen arbeite man mit Faktenprüfern zusammen.

Der CNN-Moderator Anderson Cooper erklärte dabei, dass Facebook – ob es das Netzwerk wolle oder nicht – im Nachrichtengeschäft sei und die damit einhergehende Verantwortung übernehmen müsse. Bickert meinte daraufhin, man sei im "Social-Media-Geschäft", nicht im Nachrichtengeschäft. Der Streit darüber ist nicht neu und Cooper ergänzte, dass Facebook damit Geld verdiene, dass über die Seite Nachrichten verbreitet würden.

Nancy Pelosi hat sich zu dem Clip nicht weiter geäußert und stattdessen einen Sprecher ausrichten lassen, man kommentiere diesen "sexistischen Müll" nicht. (mho)