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Marktforscher lesen der Musikbranche die Leviten

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Die Musikindustrie bekommt es momentan ganz dick. Beklagt sie doch ständig die Umsatzrückgänge auf Grund von CD-Raubkopiererei und illegaler Musikangebote im Internet -- Marktstudien bescheinigen der Branche dagegen so manches Mal, dass zumindest die Internet-Angebote nicht an der Krise der Branche schuld seien. Gerade erst legte Forrester Research wieder eine entsprechende Untersuchung hervor, nun dürfte eine Studie der Yankee Group den Label-Managern erneut den Angstschweiß ins Gesicht treiben. Denn nach Ansicht der Analysten haben sie bis 2005 noch keine Ruhe vor den Tauschbörsen mit nicht offiziell lizenzierten Musikangeboten. Im Gegenteil: Bis zu diesem Jahr soll der Nutzungsgrad von Kazaa, Morpheus und Co. noch weiter ansteigen. Erst in den Folgejahren gehe der Musiktausch über die Internet-Börsen zurück.

Die Voraussage der Yankee Group trifft sich damit überraschend gut mit den Prognosen von Forrester, wonach ab 2005 der Umsatz mit kommerziellen Musikangeboten im Internet endlich ansteige. Und zwar deswegen, weil ab diesem Zeitpunkt die Musikindustrie endlich einsehe, dass sie die Rechte der Musik-Liebhaber respektieren müsse. Schlechte Omen also für die bislang vor allem von Digital Rights Management und weniger von innovativen Ideen geprägten Internet-Angebote der Majors: Laut Yankee Group wird die Anzahl der Musik-Stücke, die im Internet getauscht werden und nicht bei den Labels lizenziert wurden, von 5,16 Milliarden im Jahr 2001 auf 7,44 Millliarden im Jahr 2005 steigen. Im Jahr 2006 soll es dann erstmalig einen Rückgang auf 6,33 Milliarden getauschte Musikstücke geben. 2007 würden dann nur noch 3,9 Milliarden Songs getauscht.

Da mag sich das Klagen und Heulen der Musikbranche, das im Vorfeld der heute startenden Popkomm zu hören war, noch einmal steigern. Allerdings sollte sich die Branche möglicherweise ein paar Hinweise der Marktforscher zu Herzen nehmen -- denn nicht nur die Analysen, auch die Empfehlungen der Yankee Group decken sich weitgehend mit denen von Forrester Research. Die Marktforscher geben unisono der Musikbranche selbst die Schuld an der Misere. So heißt es in der Studie der Yankee Group ähnlich wie bei Forrester, die kommerziellen Musikangebote der Labels hätten bislang wenig Auswirkungen auf die Situation gehabt, da die Dienste nicht das Repertoire aller Labels anböten, sondern nur derjenigen, die bei einer Plattform gerade mehr oder weniger zufällig kooperierten. Auch wollten die Verbraucher keineswegs Musik mieten, sondern die Kontrolle über die von ihnen gekaufte Musik behalten -- sie also auch auf CD brennen, auf portablen Playern und andere Geräte abspielen und die Musikstücke nutzen können, auch wenn sie das Abonnement eines bestimmten Dienstes beenden. Die Labels sollten aber nicht glauben, dass Systeme zum Digital Rights Management die User davon abhalten könnten, diese Ansprüche durchzusetzen. (jk)

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