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Marktstart für Handy mit Rolldisplay

Das erste Smartphone mit ausrollbarem Display soll im Sommer 2008 auf den Markt kommen. Das gab Hersteller Polymer Vision gestern bekannt. Technology Review berichtet in seiner neuen Ausgabe (ab dem 24. 1. am Kiosk oder online portokostenfrei zu bestellen) über Chancen und Schwierigkeiten der Markeinführung von flexiblen Displays.

Sowohl Polymer Vision als auch Plastic Logic, die ebenfalls in diesem Jahr mit der Massenproduktion flexibler Displays beginnen wollen, nehmen Abschied vom LCD-Prinzip und arbeiten stattdessen mit elektronischer Tinte: Die Bildpunkte werden durch in Kapseln verwahrte Kügelchen erzeugt, die je nach Ansteuerung schwarz oder weiß erscheinen. Gegenüber LCDs haben solche elektrophoretischen Displays den Vorteil, dass sie bistabil sind. Das spart nicht nur Strom, sondern erlaubt auch eine Ansteuerung über halbleitende Kunststoffe statt Silizium, denn die organische Elektronik lässt sich schon bei niedrigeren Temperaturen verarbeiten.

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"Unsere Vision ist ein rollbares Display für jedes mobile Gerät", sagte Thomas van der Zijden, Marketing Vice President von Polymer Vision, dem Magazin. Flexible Bildschirme seines Unternehmens sollen zunächst in einem Smartphone eingesetzt werden, das Telecom Italia auf der diesjährigen Mobilfunk-Messe GSMA World Mobile Congress vorstellen will. Der Konkurrent Plastic Logic will in diesem Jahr mit seiner Serienproduktion in Dresden beginnen; in welchen Geräten die Bildschirme dann zu finden sein werden, will er noch nicht verraten.

Die neuen Bildschirme lösen ein erhebliches Problem der Hersteller von tragbarer Elektronik: Ihre Produkte werden immer leistungsfähiger, doch die Bildschirme können wegen der Größenbegrenzung und des hohen Energiebedarfs nicht Schritt halten. Mit der neuen Technologie wird es erstmals möglich, das Display größer auszulegen als das Gerät selbst. Zudem werden die einzelnen Bildpunkte durch so genannte elektronische Tinte dargestellt, die wesentlich weniger Strom verbraucht als die heutige LCD-Technologie.

Die Displays von Polymer Vision sind nur rund 0,1 Millimeter dünn, ihr minimaler Rollradius liegt etwa beim 50-Fachen davon, erklärt Huitema. Die 7,5 Millimeter Rollradius des ersten Produktes sind damit noch recht konservativ: "Das ist relativ einfach zu realisieren. Wir haben ziemlich viele Displays 50.000-mal gerollt, ohne irgendwelche Probleme." Noch werden allerdings die kritischen Punkte des Displays durch eine Art Scharnier daran gehindert, weiter einzuknicken als geplant. Ein Prototyp, bei dem das Display aus einer Rolle herausgezogen wird wie eine Projektionsleinwand, hat die Produktionsreife bislang nicht erreicht.

Vor allem aber können die flexiblen Bildschirme bislang keine Farben darstellen und sind für das Abspielen von Videos zu träge. Weitere Unternehmen arbeiten mit unterschiedlichen Konzepten daran, das zu ändern, und auch elektronische Tinte zeigt im Labor mittlerweile deutlich bessere Fähigkeiten. Allerdings würde ihre Realisierung wieder zu einem erheblich höheren Stromverbrauch führen. Trotzdem sieht Lars Unnebrink, Berater am VDI-Technologiezentrum, die erste Generation ohne Videofähigkeit eher als Zwischenschritt: "Wenn die Leute ein Smartphone mit ausrollbarem Display kaufen, wollen sie auch den vollen Content nutzen." (wst)

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