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Marriott für Blockade persönlicher WLAN-Hotspots bestraft

Ein Marriott-Hotel in Tennessee hat persönliche WLAN-Hotspots seiner Gäste blockiert. Dafür werden nun 600.000 Dollar Strafe fällig. Doch die Hotelführung stellt sich stur.

WLAN-Zugang in einem Marriott-Hotel kann teuer sein. Sehr teuer. 250 bis 1000 US-Dollar (etwa 200 bis 800 Euro) pro Gerät verlangte das von Marriott geführte Gaylord Opryland Hotel and Convention Center in Nashville, Tennessee. Manche Gäste wichen auf persönliche Hotspots aus, etwa von Smartphones. Daraufhin störte Marriott die persönlichen Hotspots. Dafür muss die Hotelkette nun Strafe zahlen, würde aber gerne weiter stören.

Nach der Anzeige eines geschröpften Hotelgastes aus dem März 2013 hatte die US-Fernmeldebehörde FCC ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Dieses führte nun zu einem Vergleich, wie die FCC mitteilt. Marriott International, Inc. und deren Tochtergesellschaft Marriott Hotel Services, Inc. werden 600.000 US-Dollar zahlen (gut 476.000 Euro). Die Hotelkette muss es in ihren US-Hotels fortan unterlassen, WLAN-Hotspots der Gäste zu stören und außerdem drei Jahre lang der FCC quartalsweise Bericht erstatten und alle WLAN-Containment-Maßnahmen melden.

“Verbraucher, die Mobilfunk-Datendienste kaufen, sollen diese nutzen können, ohne Angst zu haben, dass ihre persönliche Internetverbindung von ihrem Hotel oder Konferenzzentrum blockiert wird”, sagt Travis LeBlanc, Abteilungsleiter bei der FCC, in der Mitteilung, “Es ist inakzeptabel, dass Hotels absichtlich persönliche Hotspots stören, während sie gleichzeitig (...) hohe Gebühren für die Nutzung des hoteleigenen WLAN verrechnen.”

Doch Marriott zeigt keine Reue. Im Gegenteil: In einer Stellungnahme werden die Störfeuer als Schutzmaßnahme für die Gäste dargestellt. “Wir glauben, dass die Maßnahmen des Gaylord Opryland rechtmäßig waren. Wir werden fortfahren, die FCC zu ermutigen, Regeln zu erlassen, um die (durch das Verfahren ausgelöste) Verwirrung zu beseitigen.” Die Marriott-Gruppe kündigt also Lobbying an, um das unlizensierte Spektrum wieder in Beschlag nehmen zu dürfen.

Im Gaylord-Hotel in Tennessee wurden keine Störsender im klassischen Sinn eingesetzt, weil das ja auch die eigenen, kostenpflichtigen WLAN-Verbindungen getroffen hätte. Stattdessen hat das Hotel wohl die eigene WLAN-Infrastruktur dazu genutzt, Datenpakete mit gefälschten MAC-Adressen zu verschicken.

Diese MAC-Adressen gleichen dann denen der fremden Hotspots. Damit glaubten deren Clients, Mitteilungen ihres Hotspots zu empfangen. Übermittelt man Deauthenticate- und/oder Disassociate-Datenpakete, brechen die Clients die Verbindung zu ihrem Hotspot automatisch ab. So funktioniert auch der Google-Glass-Blocker, dessen Originalscript aber nur auf Geräte mit einschlägigen MAC-Adressen losgeht.

Der aktuelle Vergleich mit der FCC betrifft alle US-Hotels der Marriott-Gruppe. Diese umfasst mehr als 3.000 Hotels unter insgesamt 18 Marken: Ritz-Carlton, Bulgari Hotels & Resorts, Edition, Autograph Collection Hotels, Renaissance Hotels, AC Hotels, Moxy Hotels, Courtyard, Protea Hotels, Springhill Suites, Fairfield Inn & Suites, Residence Inn, Townplace Suites, verschiedene Varianten von “Marriott” und die anlassgebenden Gaylord Hotels. (ds)

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