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Maschinenbauer: "Automatisierung ersetzt nicht den Menschen"

Der weltweite Trend zur Automatisierung der Fertigung sorgten für anhaltende Wachstumsimpulse. Mit dem befürchteten Jobabbau rechnet die Branche nicht.

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Maschinenbauer: "Automatisierung ersetzt nicht den Menschen"

(Bild: automatica-munich.com)

Trotz internationaler Handelskonflikte erwarten Deutschlands Maschinenbauer auch in diesem Jahr Rekordgeschäfte mit Industrierobotern und Automatisierungstechnik. Der Umsatz in dem exportorientierten Geschäft werde um 9 Prozent auf 15,8 Milliarden Euro steigen, sagte der Maschinenbauverband VDMA am Dienstag in Frankfurt voraus. Der weltweite Trend zur Automatisierung und die Digitalisierung der Fertigung sorgten für anhaltende Wachstumsimpulse. Mit dem befürchteten Abbau von Jobs rechnet die Branche nicht – im Gegenteil.

Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent auf den Rekordwert von 14,5 Milliarden Euro. Damit wurde die bereits heraufgesetzte Prognose noch einmal übertroffen. "2017 war ein sehr gutes Jahr", sagte Norbert Stein, Vorstandsvorsitzender von VDMA Robotik + Automation. Hauptwachstumstreiber war der Export, insbesondere nach Asien. Deutschland ist mit einem Umsatzanteil von rund 40 Prozent aber weiterhin der größte Einzelmarkt.

Verstärkte Nachfrage erwarten die Maschinenbauer vor allem aus der Autoindustrie. Die notwendigen Komponenten für Elektro- und Hybridantriebe, insbesondere Batterien, erforderten neue Fertigungsanlagen. Für weitere Wachstumsdynamik dürfte die Automatisierung der Elektronikindustrie sorgen, erklärte der Verband. Maschinen verschiedenster Produzenten und verschiedenster Bauart sollen künftig besser miteinander kommunizieren können. Dazu wurde ein gemeinsamer Standard entwickelt.

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Für den "Trend Index" hat ein Marktforschungsinstitut im Auftrag der Messe Automatica rund 7000 Arbeitnehmer in Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Japan, China und den USA befragt, darunter etwa 1000 in Deutschland. Konkret ging es unter anderem um die Frage, wie die befragten Beschäftigten das Engagement ihrer Arbeitgeber und der Politik bei Aus- und Weiterbildung bewerten und wie sie den Einsatz von Robotern in der Arbeitswelt der Zukunft sehen.

Zugleich ändert sich die Arbeit der Menschen in den Fabriken der Zukunft: Maschinen sollen beispielsweise mit Gesten gesteuert oder per Augmented Reality gewartet werden können. Der Mensch werde in der Fabrik der Zukunft nicht überflüssig, betonte Stein. "Wir wollen Menschen von stupider Arbeit entlasten. Die Automatisierung ersetzt nicht den Menschen." Digitale Assistenzsysteme könnten geringer Qualifizierten helfen, anspruchsvollere Jobs zu machen.

Der VDMA geht davon aus, dass durch die Automatisierung tendenziell die Nachfrage nach Arbeit steigt, weil mehr und komplexere Dinge produziert würden. Einer Umfrage zufolge geht auch die Mehrheit der Arbeitnehmer (65 Prozent) in Deutschland davon aus, dass der Einsatz von Robotern die Chance eröffnet, qualifiziertere Arbeit zu erlernen. Die große Mehrheit der rund 1000 Befragten fühlt sich allerdings nur unzureichend auf die Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt vorbereitet. Ein Befund, der sich im "Trend Index" zur Branchenleitmesse Automatica (19. bis 22. Juni) in München widerspiegelt: Demzufolge bleibt die Aus- und Weiterbildung der Unternehmen hinter den Erwartungen der Beschäftigten zurück.

Nur gut ein Fünftel der Arbeitnehmer in Deutschland habe den Eindruck, dass ihr Arbeitgeber entsprechende Angebote vorantreibe. Der Maschinenbau-Verband sieht auch Nachholbedarf in Schulen und Berufsschulen. Die Folgen der Digitalisierung für die Arbeitswelt werden seit Jahren in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft diskutiert. Befürchtungen, dass vor allem viele standardisierte Jobs durch den Einsatz von Datenverarbeitung und künstlicher Intelligenz wegfallen dürften, steht die Hoffnung gegenüber, dass dank neuer Technologien auch zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen werden könnten. (dpa) / (anw)

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