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Massaker in Florida: Trump nimmt Gewalt in Computerspielen ins Visier

US-Präsident Donald Trump beklagt nach dem bewaffneten Überfall auf eine Schule in Florida den hohen "Grad an Gewalt in Videospielen", der "die Gedanken junger Menschen prägt". Dagegen müsse etwas getan werden.

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Donald Trump

(Bild: White House)

Die in Medien gezeigte Gewalt könnte laut US-Präsident Donald Trump mit schuld sein an den in den USA vergleichsweise häufig vorkommenden Massakern im öffentlichen Raum. Er höre immer wieder, dass "der Grad an Gewalt in Videospielen die Gedanken junger Menschen prägt", erklärte der einstige Reality-TV-Star am Donnerstag laut einem Videomitschnitt bei einem Treffen mit Vertretern des US-Kongresses im Weißen Haus. Genauso besorgt zeigte er sich über Kino- und TV-Filme: Viele davon seien "so gewalttätig, so entsetzlich, dass wir wohl darüber reden müssen".

Speziell sprach Trump "das Töten" auf dem Bildschirm und der Leinwand an "und das ganze Andere". Er unterstrich: "Wir müssen etwas tun", damit Kinder nicht soviel Gewalt in Medien sähen. Für die Macher von Filmen und Videos hatte der Immobilien-Mogul einen konkreten Vorschlag parat: "Vielleicht sollten sie ein Bewertungssystem dafür einführen." Offenbar ist Trump hier aber nicht auf dem aktuellen Stand: In den USA arbeitet die Motion Picture Association of America (MPAA) schon seit Jahrzenten mit Alterskennzeichen, die seit 2000 auch spezielle Hinweise auf jugendschutzrelevante Inhalte wie Sex, Drogen oder Gewalt enthalten. In der EU gibt es ein vergleichbares Freigabeverfahren.

Anlass für die Runde war der bewaffnete Überfall an der Marjorie Stoneman High School in Parkland in Florida, bei dem ein 19-Jähriger in der vergangenen Woche 17 Menschen erschossen hat. Bei einem 17-jährigen Schüler der Einrichtung kamen die Äußerungen Trumps nicht gut an. Er sprach gegenüber CNN von einer "erbärmlichen Ausrede im Namen des Präsidenten". Der Jugendliche unterstrich, dass er mit Videospielen aufgewachsen sei, auch mit "Call of Duty" und anderen Ego-Shootern. Er würde aber niemals auch nur davon träumen, seine Mitschüler zu töten.

Zuvor hatte der Gouverneur von Kentucky, Matt Bevin, nach dem Schulmassaker auf Computerspiele verwiesen, in denen es Punkte für genau das Verhalten gebe, dass Attentäter an den Tag legten. Belohnt werde man etwa, wenn man "jemand erledigt, der vor einem liegt und um sein Leben bettelt", meinte der Republikaner. Wissenschaftlich ist umstritten, ob Gewalt in Medien wie Videospielen zu gewalttätigem Verhalten in der physischen Welt führt. Britische Forscher haben diese These in einer jüngst publizierten Studie zurückgewiesen.

Vor allem viele junge US-Bürger appellieren momentan an Trump, die weitgehend freie Verfügbarkeit auch von Schnellfeuerwaffen einzuschränken. Dem hat er sich nicht angeschlossen. Er brachte allenfalls strengere Überprüfungen von Waffenkäufern und ein Anheben der Altersgrenze von Gewehren ins Spiel. Vor allem "gewehrfreie Zonen" hält der Politiker für eine schlechte Idee, da potenzielle Attentäter diese als besonders "schönes Ziel" sehen dürften. Trump hat sich stattdessen dafür ausgesprochen, Lehrer verstärkt mit Waffen auszurüsten, wenn diese im Umgang damit vertraut seien und ein spezielles Training durchlaufen hätten. Das wirke abschreckend: "Feiglinge werden nicht dorthin gehen, Problem gelöst. Man muss offensiv sein, Verteidigung allein funktioniert nicht."

Man müsse die Schulen abhärten, statt sie zu verweichlichen, legte der Präsident später nach. Lehrer, die bei einem solchen Programm mitmachten, könnten einen Bonus erhalten. Seinen Schätzungen nach dürften zwischen zehn und 40 Prozent der Lehrer geeignet sein für eine Teilnahme an dieser Bürgerwehr. Überlebende des Massakers und Vertreter pädagogischer Gewerkschaften lehnen diese Initiative als Humbug ab: Lehrer sollten nicht wissen müssen, "wie man eine AR-15 bedient". (mho)

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