Menü

Massen-Doxxing: Chatverläufe bringen SPD-Landespolitiker in Erklärungsnot

Einem SPD-Mann aus Ostfriesland droht das politische Aus: Das große Politikerdaten-Leak hatte seine Chatverläufe mit Pöbeleien und Intrigen ans Licht gebracht.

vorlesen Drucken Kommentare lesen 69 Beiträge
Hacker

(Bild: dpa, Silas Stein)

Zweieinhalb Monate nachdem massenhaft ins Netz gestellte private Daten von Politikern und Prominenten für Aufregung gesorgt haben, droht einem SPD-Landtagsabgeordneten wegen dabei veröffentlichter Daten das Karriere-Ende. Jochen Beekhuis, der den Wahlkreis Wittmund/Inseln im niedersächsischen Landtag vertritt, ist offenbar in privaten Facebook-Chats über Parteikollegen hergezogen und hat fingierte Leserbriefe verfasst, um sie anzugreifen. Damit beschäftigt sich nun eine Untersuchungskommission der SPD. Bezogen auf die veröffentlichten Chatprotokolle ermittelt die Staatsanwaltschaft Aurich zudem wegen Datenhehlerei gegen Unbekannt, berichtet die Ostfriesen-Zeitung.

Hintergrund der Affäre ist die Ausspähung und illegale Veröffentlichung privater Daten von vielen Politikern sowie Prominenten in Form eines Adventskalenders durch einen Twitternutzer. Erst Anfang Januar wurde die Öffentlichkeit darauf aufmerksam, danach bekannte sich ein 20-jähriger Schüler schuldig. Er habe Menschen "bloßstellen" wollen, über deren öffentliche Äußerungen er sich geärgert habe und habe allein gehandelt. Später kamen Zweifel an dieser Version auf, da er den Ermittlern nicht habe zeigen können, wie er vorgegangen sein will.

Unter den veröffentlichen Daten waren auch die Facebook-Chats des SPD-Politikers Jochen Beekhuis aus Ostfriesland. Damals hatte er sich verärgert gezeigt und angekündigt, den Datensatz prüfen zu wollen. Dann wurde es ruhig in der Angelegenheit, bis auf einer anonym betriebenen Facebook-Seite Ausschnitte aus den Chats veröffentlicht wurden. Daraus ging hervor, dass Beekhuis offenbar privat mit drastischen Worten über Parteikollegen hergezogen ist und sogar fingierte Leserbriefe verfasst hat, um diese aus der Deckung anzugreifen ("Sie muss jetzt eine Woche lang unter Beschuss genommen werden") – veröffentlicht wurden diese aber wohl nirgendwo. Außerdem zeigen die Konversationen eine verachtende Haltung gegenüber Frauen ("Hoch mit Rock, rein mit ...").

Beekhuis selbst will sich zu der Angelegenheit derzeit nicht äußern. Das begründete er auch gegenüber Parteikollegen damit, dass die Inhalte durch eine Straftat öffentlich geworden seien und er sie obendrein nicht kenne, wie die Ostfriesen-Zeitung berichtet. Neben ihm sind weitere SPD-Politiker in die Affäre verstrickt, sie waren Chatpartner.

Gegenüber der Nordwest-Zeitung hatte Beekhuis aber schon erklärt, dass er auf seinem Smartphone kein E-Mail-Konto installiert habe. Dazu hätten ihm "Sicherheitsleute" geraten. Deshalb versende er regelmäßig "Texte aus dem Notizen-Speicher heraus per Facebook-Messenger". Wer nur den Chatverlauf, aber nicht den "begleitenden E-Mail-Verkehr" kenne, könne deswegen einen falschen Eindruck bekommen.

Die SPD im Bezirk-Weser Ems hat nun eine Untersuchungskommission eingesetzt. Dabei geht es vor allem darum, ob die Daten echt sind. Beekhuis wurde aufgefordert, seine politischen Ämter vorerst ruhen zu lassen. (mho)